Volle Kraft voraus wohin? Von Neuanfängen und Richtungswechseln
Die Zeit um den Jahreswechsel ist immer eine besondere. Viele fragen sich in diesen Tagen, was das neue Jahr bringen mag und machen eine Bestandsaufnahme: Was habe ich in diesem Jahr erreicht? Konnte ich meine Pläne verwirklichen? Ist die Realität hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben, oder wurden diese übertroffen? Und wie geht es weiter, was sind meine Pläne für die Zukunft, kann und will ich weitermachen wie bisher? Manche sehen sich durch besondere Umstände auch dazu genötigt, sich über das, was kommt, genauere Gedanken zu machen, müssen mit einem Karriereknick, einer Kündigung oder einer anderen Unterbrechung des bisher vielleicht klar vorgezeichneten Wegs klarkommen.
Was auch immer Sie dazu bringen mag, Ihre berufliche Zukunft zu überdenken – wenn Sie sich über einen Wechsel Gedanken machen, gibt es genug gute Gründe, diese Gedanken ernstzunehmen. Und sich die Zeit „zwischen den Jahren“ zu nehmen, um vielleicht schon konkrete Pläne zu schmieden. Lassen Sie sich dabei von unseren Beispielen und Geschichten inspirieren.
Der grillende Banker
Wer erinnert sich nicht an Thomas Brauße, den grillenden Ex-Banker? Vor zwei Jahren wurde er eines der bekanntesten Gesichter der Finanzkrise; mehr noch, er wurde zu einem Symbol für diejenigen, die aus der Krise als Gewinner hervorgehen, obwohl sie allen Grund zum Aufgeben gehabt hätten. Als Brauße 2008 völlig unerwartet seine gutbezahlte Position verlor, zog es ihm zunächst den Boden unter den Füßen weg. Doch er machte aus der Not eine Tugend und sich selbständig; Baruße begann eine zweite Karriere als Würstchenverkäufer im Frankfurter Bankenviertel, unweit seines alten Arbeitsplatzes. Auch zwei Jahre nach Eröffnung der ”Worscht-Börse” ist diese nach wie vor erfolgreich, Brauße längst ein kleiner Medienstar geworden: erst Anfang 2011 war er Talkgast bei Anne Will, die Presse bedient sich immer noch gern seines Beispiels, wenn es um erfolgreiche Existenzgründung geht. Denn Brauße ist, trotz seiner erstaunlichen Stehaufmännchen-Geschichte, kein Fall für hoffnungslose Romantiker. Vielmehr hat er seinen Riecher für gutes Business klug ein- und seinen Businessplan geschickt umzusetzen gewusst: ihm war von Anfang an klar, dass sein Konzept funktionieren, sein Grill Gewinn abwerfen sollte, wie er im Spiegel selbst sagte: „Ganz so locker, wie es scheint, nimmt Brauße sein neues Dasein als Würstchenverkäufer trotzdem nicht. Als Banker hatte er ein sechsstelliges Jahresgehalt – so weit wolle er mit der Würstchenbude nicht unbedingt kommen, sagt er. Aber “eine ordentliche Rendite” soll der Bus schon bringen. Immerhin gilt es, sich selbst und zwei Kinder mitzuversorgen, auch die schicke Altbauwohnung und das Auto will der 44-Jährige nicht aufgeben.“
Escape the City
Aber auch wer seinen Job nicht unfreiwillig verloren hat, gerät manchmal in eine Phase der Unsicherheit und des Zweifelns. Immer mehr Menschen fragen sich, ob sie ihr Beruf noch ausfüllt, oder ob es „da draußen“ nicht noch etwas anderes gibt. So erging es auchDom Jackman und Rob Symington, die in der Londoner City als Management-Berater tätig waren, bis sie feststellten, dass viele ihrer gut ausgebildeten, beruflich erfolgreichen Freunde sich dieselben Fragen nach dem Sinn ihrer Arbeit stellten, aber nicht wussten, wie ernstzunehmende Alternativen aussehen könnten. Jackman und Symington beschlossen, solchen „Aussteigern“ eine Plattform zu bieten, und gründeten die Organisation Esc the City. Sie bringt Angebot und Nachfrage zusammen, vermittelt die richtigen Professionals an die richtigen Jobanbieter, die aus den unterschiedlichsten Bereichen kommen. So listen inzwischen neben diversen Hilfsorganisationen und Social Media-Startups auch Unternehmen wie Google oder Groupon ihre Angebote auf Esc the City.
Mitglieder können sich von einer der vielen großen und kleinen Erfolgsgeschichten inspirieren lassen, in denen andere Mitglieder es vom Broker zum Designer oder vom Finanzdienstleister zum Inhaber eines Reiseveranstalters gebracht haben. Doch auch den Machern von Esc the City und den Nutzern ihrer Plattform ist klar, dass es allein mit einer großen Portion Idealismus nicht getan ist. Um ihren Wechsel optimal vorzubereiten, können Mitglieder deshalb Events und Coachings in Anspruch nehmen.
Vom Millionär zum Glücksexperten
Auch Karl Rabeder hat sich von seinem alten Leben verabschiedet. Der ex-Millionär wagte einen großen Schritt, versteigerte seine Villa, gründete eine Firma, die Unternehmern in der Dritten Welt Mikrokredite gewährt, und lebt selbst von Seminaren, die er zum Thema Glücklichsein jenseits materieller Werte hält. Rabeder sagt von sich, heute viel zufriedener zu sein, als er es in seinem alten Leben je war, weil er heute „zu sich kommen, seine Wurzeln finden, spannenden Menschen begegnen“ kann. Doch auch bei Rabeder dreht sich nicht alles um süßes Nichtstun, vielmehr plädiert er dafür, einen Beruf zu finden, der guttut und den man gern ausübt. Erfolgreich sein ist keine Schande. Die Frage ist nur, wie man Erfolg definiert.
Einen Neuanfang zu wagen bedeutet Mut zur Veränderung zu haben. Aus welcher persönlichen Situation heraus auch immer Sie vielleicht überlegen, etwas Neues zu wagen, vergessen Sie bei allem Enthusiasmus nicht, dass Sie immer noch eine gewichtige geschäftliche Entscheidung treffen müssen, die wohlüberlegt sein will. Insbesondere, wenn Sie sich auf unbekanntes Terrain wagen wollen. Überstürzen Sie nichts, sprechen Sie mit so vielen Menschen wie möglich, die Ihnen weiterhelfen können, sammeln Sie Informationen und stellen Sie einen wasserdichten Plan zusammen.
Und wenn Sie dies alles berücksichtigt haben: Legen Sie los, haben Sie ein aufregendes und erfolgreiches neues Jahr, mit positivem Stress und mit viel Spaß!
Berufliche Neuorientierung, Coaching, Innovationsmanagement, Karriere, Karriereberatung, Unternehmensethik
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