Von Macken und Menschen – Wie man es überlebt, mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten

Guten Tag. Wie war Ihre Woche denn bisher so? „Sagen wir, wie es ist: Nichts kann einem die Freude an der Arbeit mehr versauen als andere Menschen. Jeden Montagmorgen schleppen sich Millionen Arbeitnehmer in ihre Büros, schauen drein, als wäre ihnen gerade die Kaffeemaschine auf den Zeh gefallen und sehen im Geiste bereits an der Firmenpforte eine Höllenwoche vor sich mit dem cholerischen Chef, dem altklugen Abteilungsleiter und dem völlig gestörten Egomanen am Schreibtisch gegenüber.“ So treffend beschreibt ein tragikomischer Artikel in der Wirtschaftswoche den Arbeitsalltag von Millionen Menschen. Die meisten von uns äußern (oder besitzen im Stillen) irgendwann einmal die Meinung, ihren Job eigentlich ganz gut ertragen zu können, wären da nicht all diese Anderen. Die mit den nervtötenden Angewohnheiten, den mannigfaltigen Marotten, den anstrengenden Charaktereigenschaften. Wohingegen es natürlich ein Traum ist, mit jemandem wie uns zusammenzuarbeiten. Und wenn es das nicht ist, liegt es höchstwahrscheinlich wieder mal an der Verschrobenheit des Gegenübers.

Sicher – es gibt Leute, mit denen ist nicht gut oder allzu leicht Kirschen essen. Und wer den Großteil seiner Zeit mit Arbeiten verbringt, wird wahrscheinlich mehr schlechte oder seltsam anmutende Züge der ihn umgebenden Menschen wahrnehmen, als ihm lieb ist. Trotzdem tut man manchmal gut daran, einen Schritt zurück zu gehen und die, von denen man genervt ist, mit etwas Abstand zu betrachten (und dabei vielleicht auch sich selbst nicht ganz aus den Augen zu verlieren). Denn auch bei unleidlichen Zeitgenossen sollte man nie vergessen: Die Gründe für das Verhalten anderer kann man letztendlich nie genau kennen. Und wer als Vorgesetzter im Mikrokosmos Büro dafür sorgen muss, dass die Stimmung nicht kippt, muss ganz besonders aufpassen, nicht allzu voreingenommen zu sein. Keine leichte Aufgabe angesichts der Schubladen, in die wir andere nun einmal gern sortieren – und der Tendenz diverser Ratgeber, per Kollegen-Kategorisierung Tipps zur Zähmung von Blender oder Besserwisser zu geben. Auch wenn weder an den Kategorisierungen noch an den Tipps generell etwas auszusetzen ist, sollte man doch versuchen, jeden Problem-Kollegen individuell zu betrachten. Denn es geht keineswegs nur um altruistische Motive, sondern immer auch um die Leistungsfähigkeit des gesamten Teams. „Negative Emotionen sind hochgradig ansteckend“, so Christian Dormann, Organisations- und Wirtschaftspsychologe an der Universität Mainz, im WiWo-Artikel „Das ist wie bei einem Virus.“ Die durch einzelne Querschläger vergiftete Atmosphäre kann zu einem echten Produktivitäts-Problem werden.

Peinliche Probleme

Besonders schwierig wird es, wenn sich die Querelen von der professionellen auf die persönliche Ebene verlagern. Was tun, wenn ein Kollege es mit der Körperhygiene nicht allzu genau zu nehmen scheint? Oder wenn er im Großraumbüro stets in unerträglicher Lautstärke telefoniert? „Selbst souveräne, gestandene Chefs verlieren die Fassung, wenn sie Mitarbeitern peinliche Eröffnungen der persönlichen Art machen müssen“, stellt dazu ein Artikel im Handelsblatt fest. Auch hier gilt: Nichtstun ist keine Lösung. Subtile Hinweise leider ebenso wenig. Auch wenn es also unangenehm ist – Vorgesetzte müssen eingreifen, sollten das Problem aber nicht als Beschwerden der Kollegen, sondern als eigene Beobachtungen schildern. So kann der Problemverursacher sein Gesicht wahren und fühlt sich nicht in ein unangenehmes Rampenlicht geschoben.

Chef sein – Berechtigung zum Feind-Sein?

Unbeliebtheit macht leider auch vor höheren Positionen nicht halt, doch hat sie dort vielleicht eine andere Daseinsberechtigung? Laut einer Umfrage des geva-Instituts hassen ganze 20 Prozent der deutschen Arbeitnehmer gar ihren Chef. Keine angenehme Vorstellung. Aber, so argumentiert Peter Praschl in der SZ, „Chefs sind keine Kuschel-, sondern Alphatiere, die sagen, wo es langgehen soll. Dass sie das können, kränkt den Narzissmus ihrer Mitarbeiter“. Ein Freifahrtschein? Sicher nicht, doch ein bisschen gesunde Arroganz und Besessenheit können einem Vorgesetzten im Zweifel nicht schaden, wenn er sein Unternehmen voranbringen will: „Starke Persönlichkeiten zeichnen sich nun einmal dadurch aus, dass die eine oder andere ihrer Eigenschaften deutlicher ausbeult als beim Durchschnittsmenschen. Das treibt sie an und bringt sie dorthin, wo sie ihre Wirkung entfalten.“ Es muss ja nicht gleich so extrem sein wie bei dem französischen Spitzenmanager Jean-Marie Messier, der, so Praschl, „seine E-Mails mit „J6M“ unterschrieb – der Abkürzung für „Jean-Marie Messier Moi-Même, Maître du Monde“ („ich selbst, Meister der Welt“).“
Vielleicht sollten manche Chefs einfach lernen, ihre „ausbeulenden Eigenschaften“ wohldosiert einzusetzen?

Wenn alles nichts hilft

Ein Trost für alle, die mit schwierigen Charakteren im Büro zu kämpfen haben: Es ist vielleicht kein Wunder, dass „Beraterspech“ auf Facebook so viele Fans hat. Das Forum bietet hauptsächlich all jenen eine Plattform, die in Marketing, PR und Wirtschaftsberatung tätig sind und dort täglich mit mehr oder weniger verquasten Aussagen, zusammengepuzzelt aus einer Mischung aus Deutsch, Englisch und Wichtigtuerei konfrontiert werden, doch Sätze wie „Point taken, aber R&D kommt zu einem ganz anderen Assessment“ oder „Keine Solution hat den Customer so empowered wie unsere“ scheinen auch bei anderen Berufsgruppen an- und vielen aus eigener Erfahrung bekannt vorzukommen. Wenn Sie dazugehören, liegt das vielleicht daran, dass Sie den Blender zu Ihrem Kollegenkreis zählen? In manchen Härtefällen hilft nur noch eins: Rache! Denn: „Wissenschaftler haben herausgefunden: Die Hirnregion, die das Glückshormon freisetzt, wird z. B. durch Rache aktiviert.“
Aber pssst – das haben Sie natürlich nicht von uns! Wenn Sie zwischendurch mal ein bisschen Zeit haben, möchten wir Ihnen als Lektüre vielmehr „Der ganz normale Wahnsinn: Vom Umgang mit schwierigen Menschen“ von Francois Lelord empfehlen. Es hat schon so manchem Leser interessante Erkenntnisse beschert – nicht zuletzt über sich selbst.

In diesem Sinne wünschen wir noch eine schöne, friedliche Woche.

Kommunikation    RSS 2.0    Kommentar    Trackback   

Kommentar zum Artikel schreiben