Weil Gesundheit Chefsache ist
Mitarbeitergesundheit ist kein neues Thema. Wurde dabei traditionell eher die Bekämpfung von Krankheit in den Vordergrund gestellt, liegt heute der Fokus hauptsächlich auf Prävention. Bei aller Wichtigkeit von Programmen zur Gesundheitsförderung sollte jedoch nicht außer acht gelassen werden, dass dem Management auch in diesem Bereich eine besondere Führungsverantwortung zukommt. Nicht nur, wenn es darum geht, mit gutem Beispiel voranzugehen, sondern auch im direkten Umgang mit Kollegen. Denn Vorgesetzte haben einen größeren Einfluss auf das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter, als sie sich mitunter bewusst sind.
Dass betriebliche Fehlzeiten die Wirtschaft viel Geld kosten, wird immer wieder hervorgehoben. Jährlich betragen die Verluste rund 1.200 Euro pro Mitarbeiter. Die weitaus größeren Kosten entstehen laut einer von der Felix Burda Stiftung beauftragten Studie jedoch durch Arbeitnehmer, die krank am Arbeitsplatz erscheinen. Denn wer nicht in vollem Umfang leistungsfähig ist, dessen Arbeit ist anfälliger für Fehler. Diese können dann einen simplen Zahlendreher bedeuten oder schlimmstenfalls Betriebsunfälle hervorrufen. Die einfache Formel „geringe Fehlzeiten = gesunde Mitarbeiter = prosperierendes Unternehmen“ ist somit schon lange überholt.
Es sind also neue Ansätze gefragt, wenn Unternehmen die Leistungsfähigkeit ihrer Belegschaften sichern und somit wettbewerbsfähig bleiben wollen. Betriebliches Gesundheitsmanagement ist kein nettes Gimmick, sondern eine lohnende Investition. Denn die vielzitierte Work-Life-Balance ist keinesfalls eine Worthülse. Insbesondere jungen Talenten gegenüber kann sich ein potentieller Arbeitgeber heute disqualifizieren, wenn die Life-Waagschale allzu leicht auszufallen droht, so die Financial Times Deutschland, die eine Studie des Fürstenberg Instituts und des Meinungsforschungsinstituts Forsa zitiert.
Allem besseren Wissen zum Trotz betreiben jedoch nur etwa 20 Prozent der deutschen Firmen einer Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zufolge ein präventives Gesundheitsmanagement.
Management in der Pflicht – do as I say, do as I do
Doch auch wenn es entsprechende Möglichkeiten gibt – die besten Angebote sind letztendlich immer nur so gut wie die Mitarbeiter, die sie wahrnehmen. Hier muss das Management nicht nur den Weg weisen, sondern selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Um es mit Prof. Dr. Bernhard Allmann von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement/BSA-Akademie zu sagen, der in der Frankfurter Rundschau zitiert wird: „(…) ohne Beteiligung von Führungspersonen [kann] auch kein betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) initiiert und mit Erfolg durchgeführt werden“.
Dabei hat jeder Vorgesetzte die Möglichkeit, positiven Einfluss auf das Wohlbefinden seiner Mitarbeiter auszuüben. Und das oft mit einfachen Mitteln und kostenlos. Ein Beispiel: Wer krank ist, sollte sich auskurieren. Das gilt auch für Führungskräfte, die jedoch im Schnitt nur 4,8 Tage wegen Krankheit dem Arbeitsplatz fernbleiben. Die restlichen 8,3 Krankheitstage verbringen sie im Büro.
Auch das allgemeine Wohlbefinden der Belegschaft trägt zum Unternehmenserfolg bei. Dem gegenüber steht nicht nur hoher Leistungsdruck, sondern auch ein Mangel an Wertschätzung, den viele Arbeitnehmer beklagen. Rund ein Drittel der von Forsa Befragten empfand seine Arbeit als nicht ausreichend gewürdigt. Auch das Gefühl, bei Entscheidungen übergangen zu werden und keinerlei Einfluss auf die Unternehmensausrichtung zu haben, wirkt sich oft negativ auf die Arbeitsleistung aus. Klar – wer sich nicht ernst genommen fühlt, von dem kann man keine Identifikation mit Job und Arbeitgeber erwarten. Und wer sich unwichtig vorkommt, dessen Ego wird auf Dauer leiden. So pendeln viele ständig zwischen zu großer Belastung und zu wenig Anerkennung.
Die meisten Arbeitnehmer wünschen sich Förderung und Forderung von ihrem Management. Es ist die Aufgabe des Managements, dieses Ziel zu ermöglichen und die Forderung nicht überhand nehmen zu lassen. Denn Gesundheit ist Chefsache.
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