Mea culpa – jetzt bloß keinen Fehler machen?
„Zeit Online“ zitierte vor ein paar Monaten Lawrence J. Peter mit den Worten: „ Fehler vermeidet man, indem man Erfahrung sammelt. Erfahrung sammelt man, indem man Fehler macht.“. In seinem Artikel berichtet das Magazin über einen IBM-Manager, der auf die kostspieligen Verfehlungen eines Angestellten nicht mit Kündigung reagiert, sondern diese als eine Lernphase betrachtet.
Wie sieht es aber wirklich mit Fehltritten aus? Was kann man sich erlauben, und wie geht man als Führungskraft mit den Ausrutschern seiner Mitarbeiter um – und mit seinen eigenen?
Sie erwarten von Ihren Mitarbeitern Ehrlichkeit und offenen Umgang mit Fehlern. Das ist verständlich, können Fehler doch kostspielig sein und schlimmstenfalls weitere, noch schwerwiegendere Probleme nach sich ziehen. Wie ist es jedoch mit Ihrem eigenen Umgang mit Fehlern bestellt – denen anderer wie den eigenen? Denn eine gute Führungspersönlichkeit ist auch und insbesondere Vorbild, wenn es schwierig wird. Und es wird schwierig, wenn es um Unzulänglichkeiten der eigenen Person und Kritik an anderen geht.
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Fehler zugeben und Verantwortung übernehmen
„Sorry, aber ich bin nicht so fit“, „Ich habe gerade wirklich genug auf dem Tisch“, „Das ist ja auch eigentlich nicht meine Aufgabe“ – solche und ähnliche Erwiderungen zielen klar darauf ab, Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Eine ehrliche und offene Auseinandersetzung mit der Situation sieht anders aus. Bekennen Sie Farbe! Mit Aussagen wie „Ich habe den Aufwand unterschätzt“ oder „Ich hätte anders delegieren sollen“ übernehmen Sie Verantwortung und bleiben damit Herr der Situation. Und signalisieren Ihren Mitarbeitern, dass es in Ordnung ist, Fehler zu machen – wenn man zu ihnen steht.
Ähnlich verhält es sich mit Entschuldigungen. Wenn es angebracht ist, um Verzeihung zu bitten, zögern Sie nicht. Und denken Sie auch hier daran: Seien Sie ehrlich, meinen Sie es ernst und versuchen Sie nicht, sich doch wieder herauszuwinden. „Entschuldigung! Ich habe zurzeit so viel um die Ohren. Ich hab’s total vergessen“ klingt doch ganz anders als „Entschuldigung, aber ich habe zurzeit so viel um die Ohren, da kann ich einfach nicht an alles denken“.
.Ja –aber…
Eine weitere beliebte Variante ist das eingeschränkte Eingeständnis. „Das habe ich falschgemacht. Das wäre aber nicht passiert, wenn die IT mir rechtzeitig die Informationen geliefert hätte“, „Sorry, ich bin unpünktlich. Aber mein Wecker hat nicht geklingelt“. Derartiges Weiterreichen der Schuld an andere Personen oder die „widrigen Umstände“ lassen Sie wirken wie ein trotziges Kind: „Der Hund hat meine Hausaufgaben gefressen“.
Vergessen Sie nicht: Sie tragen Verantwortung für die Zielerreichung Ihres Teams, Sie müssen sich kümmern. „Ich hätte sicherstellen müssen, dass die IT die Deadline nicht vergisst“ oder „Ich bin dummerweise zu spät losgefahren“ sind die besseren Varianten, die zeigen, dass Sie sich als Teil des Teams sehen, der seine Handlungen reflektiert und seine Aufgaben ernst nimmt. Ernst genug, um aus Fehlern zu lernen. Denn öfter zugeben zu müssen, dass man sich zu spät auf den Weg zum Termin gemacht hat, erspart man sich lieber, indem man denselben Fauxpas nicht noch einmal begeht.
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Kritikfähig sein – und dabei aktiv
Sie können Fehler zugeben. Das ist löblich. Tun Sie dies jedoch immer erst dann, wenn ein Geständnis unausweichlich ist, anstatt von sich aus aktiv zu werden und sich zu äußern, so werden Sie auf Dauer Ihrem eigenen Ansehen schaden und Ihre Mitarbeiter einschüchtern. Die Botschaft: Möglichst lange alles vertuschen, dann per Salamitaktik scheibchenweise gestehen. Ein Verhalten, das Politikern oft nachgesagt wird.
Fortgeschrittene Chefs gehen noch einen Schritt weiter: Sie gehen nicht nur souverän mit Kritik um, sie laden dazu ein. So, wie regelmäßige Personalgespräche oder Projektnachbesprechungen helfen, Probleme auf den Tisch zu bringen und so der Entwicklung von Mitarbeitern und der Prozessoptimierung dienen, kann ein Management-Appraisal Ihrer Entwicklung als Führungskraft dienlich sein.
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Der Ton macht die Musik
Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, doch immer noch gibt es die Spezies Chef, die ihre Angestellten mit Einschüchterung zur Räson zu bringen versuchen. Sie versprechen sich einen besonderen Lerneffekt davon, Verfehlungen nicht unter vier Augen mit dem entsprechenden Kollegen zu klären, sondern ihn vor allen anderen zur Rechenschaft zu ziehen. Mal laut und aggressiv, mal schlicht polemisch. Auch wenn der Fehler noch so eklatant ist, die Reaktion der Führungskraft sollte es niemals sein. Wenn Ihnen an einem konstruktiven Ansatz gelegen ist, nehmen Sie sich die Zeit für eine Fehleranalyse gemeinsam mit dem betroffenen Mitarbeiter.
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Wer souverän und fair mit Fehlern umgeht, wird als Kollege, Mitarbeiter und Vorgesetzter geschätzt – denn er ist eine Ausnahme. Ein Vorbild, das Mut macht für einen Umgang, der das Team und das Unternehmen weiter bringt. Wenn Sie Ihren Mitarbeitern das Gefühl geben, dass Irren menschlich und nicht verwerflich ist, werden Sie mit einem entscheidungsfreudigen Team und einem konstruktiven Arbeitsklima belohnt werden.
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