Zen und Sinn: Wenn Manager meditieren und musizieren

Meditieren Sie? Oder haben Sie schon mal ein Orchester nach Ihrer Pfeife tanzen lassen? Wer speziell auf Manager zugeschnittene Angebote zur Bewusstseins- oder Horizonterweiterung sucht, der wird schnell und vielfach fündig.

Wir wollen alternative Möglichkeiten der beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung beleuchten und herausfinden, ob sie auch für diejenigen geeignet sind, denen es beim Gedanken an Auren und Chakren kalt den Rücken hinunterläuft.

Die Nachfrage scheint da zu sein: Laut des 2009 erschienenen Buches „zen@work – Manager und Meditation“ von Willigis Jäger und Paul Kohtes interessieren sich rund 20 Prozent der deutschen Führungskräfte für Meditation, Tendenz womöglich steigend. Gerade diese Zielgruppe steht jedoch andererseits derartigen Praktiken oft skeptisch gegenüber, fürchtet um ihre Autorität oder ihre Glaubwürdigkeit, ist verunsichert, wenn sie das Gefühl hat, dass althergebrachte Führungsprinzipien ins Wanken geraten.

Es scheint jedoch etwas dran zu sein am Meditieren. Der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piech beispielsweise praktiziert seit Jahren Zen, hat in seinem Haus sogar einen eigenen Meditationsraum eingerichtet. Wie die inzwischen zahlreichen Institute und Zen-Schulen, die Kurse und Einführungen anbieten, zu berichten wissen, ist Zen als Meditationsform besonders empfehlenswert. Denn Zen ist recht einfach zu erlernen und auszuüben, wie Fleur Wöss, Vortrags- und Präsenz-Coach sowie Expertin für fernöstliche Meditation, in einem Gespräch mit Hinnerk Polenski, Unternehmensberater und Zen-Lehrer für Spitzenmanager, ausführt.
„Einfach zu erlernen“ klingt für überlastete Manager schon mal gut. Aber für manchen Skeptiker bedeutet meditieren so etwas wie stundenlang stillzusitzen und richtig zu atmen – und sie bezweifeln, dass sie so etwas in irgendeiner Form weiterbringen kann. Genau hier scheint das größte Missverständnis im Zusammenhang mit Meditation zu liegen. Denn ihr Sinn und Zweck ist es eben nicht, herumzusitzen und den Kopf abzuschalten, sondern vielmehr durch gezielte Übungen mit und in der Stille eine Klarheit zu erreichen, die ein schnelles Erfassen und Bewerten einer Situation und somit entschlossenes Handeln ermöglicht.

Präzise Evaluation und Entschlossenheit, das hört sich schon eher nach Attributen an, die für Führungskräfte erstrebenswert sind. Und wenn man sich zugleich vom Stress des Alltags und der Arbeit befreien kann, könnte Meditation vielleicht doch einen Versuch wert sein, denkt sich so mancher, der sich zunehmendem Druck und steigenden Belastungen nicht mehr gewachsen fühlt. Wer jedoch eine Quick-Fix-Lösung sucht, um sich in einer Krisensituation schnell besser fühlen und dann weiter unbeirrt seiner Wege gehen zu können, für den ist meditieren vermutlich nicht das Richtige. Denn alle Meditationsformen verlangen Übung und insbesondere eine regelmäßige Beschäftigung mit der Materie, und ohne eine dauerhafte Veränderung der eigenen Einstellung geht es dabei nun mal nicht. Das kann letztendlich bedeuten, den eigenen Führungsstil in Frage stellen oder komplett über Bord werfen zu müssen. Das kann schwerfallen, wie Paul Kohtes erklärt: „Den deutschen Managern [...] fehl[t] die Selbstdistanz, der Mut zur Kreativität, haben sie doch in der Regel nur das Funktionieren gelernt.“

Wem Meditation zu arbeitsintensiv ist, der kann auch ein kurzfristigeres Experiment in Angriff nehmen. Diverse Seminaranbieter ermöglichen es Managern, beim Dirigieren eines Orchesters den eigenen Führungsstil auf die Probe zu stellen. „Von niemandem bekommen Sie Ihren Führungsstil so unmittelbar gespiegelt wie von einem Orchester“, so der Dirigent und Musikpädagoge Gernot Schulz, der in Berlin Manager das Rias-Sinfonieorchester dirigieren lässt. Diese besondere Erfahrung ermöglicht auch musikalisch Ungeübten Einblicke der ganz anderen Art, und besonders Manager, die es gewöhnt sind, als „Macher“ zu agieren, dürften sich von einem solchen Seminar angesprochen fühlen: Erfolge werden sofort sicht- bzw. hörbar; Dissonanzen zeigen sofort, wenn etwas mit der Leitung nicht stimmt. Und die Parallelen zu einer gut orchestrierten Abteilung, in der aus vielen Solisten ein harmonisches Ganzes wird, sind offensichtlich. Das Schöne ist auch, dass man Beim Dirigieren durchaus seinen eigenen Stil einbringen kann – es gibt kein Richtig und kein Falsch per se, das Zusammenspiel muss stimmen. Das bedeutet auch nicht, dass der Dirigent auf Harmonie um jeden Preis setzen soll. Er muss vielmehr das Wechselspiel der Kräfte zu beeinflussen und denjenigen, die im Alleingang vorpreschen, energisch Einhalt zu gebieten wissen.

Weder Meditation noch Dirigieren sind jedermanns Sache. Wer sich jedoch darauf einlässt, wird, so versprechen es die, die damit Erfahrung haben, mit einem Gewinn für sein persönliches sowie sein berufliches Leben belohnt. Vielleicht sollte man einfach mal seine Vorurteile über Bord werfen und ein Experiment wagen.

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