Sollte sich die Politik für mehr Frauen in Führungspositionen von Unternehmen einsetzen?

Anfang des Jahres hat sich die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen für eine feste Quote von 25 bis 30 Prozent an Frauen in Führungspositionen von Unternehmen eingesetzt. Auch Familienministerin Kristina Schröder setzte sich für mehr Frauen in Top-Positionen ein, wollte dabei aber auf eine gesetzlich festgelegte starre Quote verzichten. Vielmehr sollten Unternehmen gesetzlich verpflichtet werden, selbst festzulegen wie hoch die Quote im eigenen Unternehmen sein soll. Das Anliegen der beiden CDU-Politikerinnen stieß bei dem Koalitionspartner FDP auf wenig Gegenliebe, der sich nicht in die Personalpolitik von Wirtschaftsunternehmen einmischen möchte. Vorerst gestoppt wurde die Initiative durch das ablehnende Votum von Andrea Merkel.

Dass sich tatsächlich hauptsächlich Männer in Top-Positionen von Unternehmen befinden, lässt sich auch auf Portalen zur Arbeitgeberbewertung im Internet überprüfen. Ob freiwillige Verpflichtungen, die Führungspositionen mit mehr Frauen zu besetzen, zum Erfolg führen können, ist eher fraglich. Entsprechende Vereinbarungen zwischen Politik und Wirtschaft aus der Vergangenheit scheiterten bisher an der tatsächlichen Umsetzung durch die Unternehmen. Doch die Umsetzung einer gesetzlichen Regelung in Sachen Frauenquote könnte Deutschland letztendlich durch die EU drohen, wie kürzliche Äußerungen von Binnenmarktkommissar Michel Barnier verdeutlichten.

Warum muss über eine Frauenquote in Unternehmen überhaupt diskutiert werden?

Frauen haben es in Deutschland schwer in eine Führungsposition zu gelangen. Das liegt an verschiedenen Faktoren. Wie eine aktuelle Studie zeigt, neigen Männer dazu, mehrere Sicherheitsschranken innerhalb ihrer hierarchischen Einstufungen einzubauen. Dieses System besteht aus drei verschiedenen Einstellungen zur Frage der Frauen in einer Führungsposition.

Was sind die Inhalte der Studie?

Es gibt die konservative Idee, dass Frauen einfach nichts in Führungspositionen verloren haben, weil sie eben Frauen sind. Dann gibt es die moderne Wahrnehmung, dass Frauen an sich nichts schlechtes sind, aber nun mal nicht die männlichen Rituale repräsentieren können, die in einer Führungsposition gefordert werden. Das dritte Argument ist die Absicherung der zwei anderen Schranken: hier wird die Frau als durchaus einstellungswert eingestuft. Allerdings sind hier die Männer der Meinung, dass Frauen nicht authentisch sind, wenn sie in einer Führungsposition arbeiten. Denn schließlich seinen Frauen und das Frauenbild eher weich und kreativ.

Wie kann die Politik gegen wirken?

Ein gewünschter Frauenanteil von bis zu 40 Prozent ist daher noch in weiter Ferne. Aber wie kann die Politik hier gegen wirken? Die bisher angegangenen Programme beziehen sich im Allgemeinen auf die Veränderung der Betreuungssituation für Kinder. Diese veränderten Maßnahmen, wie die Verkürzung des Elterngeldes bei gleichzeitiger Anpassung an das vor dem Kind bezogene Gehalt, sowie die Ausweitungen des Betreuungsangebotes für Kinderkrippen und Kindergartenplätze, war mit Sicherheit ein guter Schritt in eine Karriere fördernde Richtung. Aber kann das wirklich alles sein?

Die Frage, die hier im Raum steht, ist: warum müssen Kinder und Mütter sich so früh nach der Geburt und so viele Stunden voneinander trennen, wenn Frauen im Vorstand eines Unternehmens sitzen möchten?

Auch die Absetzung der Kinderbetreuungskosten ist nur ein Ablenken vom eigentlichen Problem. Denn der eigentliche Kern des Problems liegt nicht bei den Frauen, die gern in Führungspositionen arbeiten würden. Wie aus der Studie ersichtlich, liegt das Problem bei den Männern, die es nicht zulassen, dass Frauen so ohne weiteres in ihre Gefilde vordringen.

Die Politik kann hier nur wirklich etwas bewegen, wenn endlich begriffen wird, dass eine gesetzliche Vorgabe mit Androhungen für Konsequenzen die einzige Möglichkeit ist, den Unternehmen unter Leitung von Männern begreiflich zu machen, was zu tun ist. Vergleichbar ist dieses System ganz rudimentär mit einer frühkindlichen Situation. Jungen und Mädchen spielen ab einem Alter von ungefähr fünf Jahren nur noch selten miteinander. Möchte ein Mädchen mitspielen, muss es sich verbiegen oder aber ein Erwachsener regelt das Miteinander. Genauso muss sich die Politik in dieser Frage verstehen – als der Erwachsene, der das Spiel neu regelt!

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