Recruiter wandeln auf neuen Wegen: Personalsuche online
Auf der Suche nach passenden Fachkräften nutzen Personalabteilungen zunehmend das Internet – die Personalsuche wird online und mobil! Insbesondere die Generation Y, also die Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen, die mit der Nutzung des Internets und der dazugehörigen Hardware wie Smartphones vertraut ist, gehört zur neuen Zielgruppe.
Auf dem Bahnsteig oder im Abflug-Terminal vermelden Apps, E-Mails von Jobbörsen oder die abonnierten Newsletter von Firmenwebsites neue Jobangebote. Danach besucht der potentielle Bewerber via Social Media die Facebook-Fanpage des jeweiligen Unternehmens oder informiert sich auf Online-Bewertungsportalen wie Evaluba oder BizzWatch über die Attraktivität des Arbeitgebers. Das alles passiert zwischendurch oder nebenher, und die Erreichbarkeit ist unvergleichlich hoch. Denn Bewerber halten sich oftmals im Netz oder unterwegs auf. Sieht man sich in den öffentlichen Verkehrsmitteln oder in den Wartezimmern bei Ärzten um: Viele beschäftigen sich nicht mit Büchern, Zeitschriften oder Tageszeitungen, sondern nutzen ihr Smartphone. Diese Zeit will das so genannte E-Recruiting nutzen, um gezielt potentielle Bewerber anzusprechen.
Die Meinung der Mitarbeiter in die Öffentlichkeit tragen
Den Mitarbeitern in einem Unternehmen fällt beim E-Recruiting auch eine entscheidende Rolle zu: Sie können Stellenangebote im eigenen Unternehmen ihren Freunden empfehlen, und die wiederum ihren Freunden und so weiter. Aus dem Grund ist ein Verbot von Social Media Nutzung am Arbeitsplatz laut einer Studie des englischen Softwareunternehmens Clearswift eher kontraproduktiv. Demnach bestätigte die Hälfte der befragten Manager, dass die strikte Trennung von Arbeitsplatz und Social Media die Produktivität der Mitarbeiter negativ beeinflusst. Sogenannte „Social Media Guidelines“, die den Arbeitnehmern zur Verfügung gestellt werden, sind von den Unternehmen festgelegte Regeln über die Nutzung für und während der Arbeit. Damit sollen unter anderem Missbräuche wie unsachliche Diskussionen oder eine Verletzung des Datenschutzes verhindert werden. Wie derartige Guidelines aussehen, ist letztlich dem Unternehmen selbst überlassen. Es ist aber von Vorteil, wenn sie auf die Unternehmenswerte und seine Botschaft abgestimmt sind. Unternehmen hoffen durch einen offenen Umgang mit Social Media darauf, dass sie ihre Mitarbeiter intern motivieren und gleichzeitig verpflichten können. Denn die positive Kommunikation über einen Arbeitgeber fließt in das Gedächtnis des Internets ein und stellt so auch einen Beitrag für das Employer Branding dar. Und es gibt kaum wirkungsvolleres Employer Branding als zufriedene Mitarbeiter in Kombination mit Medienkanälen, über die die Stimmen der Mitarbeiter verbreitet werden. Und dafür bieten sich Bewertungsplattformen für Arbeitgeberbewertungen, auf denen Mitarbeiter ihre Meinung über das Unternehmen äußern, oder soziale Netzwerke an.
Das Lernpotenzial der Unternehmen
Hier besteht jedoch bei vielen Firmen noch Aufklärungs- und Lernbedarf. Wie die Studie des IT-Verbands BITKOM im Januar ergab, nutzen erst 29 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen soziale Netzwerke für die Personalsuche. Bei großen Unternehmen sind es immerhin schon 79 Prozent. Auch zwischen den Branchen schwankt das Verhältnis. Die Berufszweige, die eher Internet-affin sind, nutzen zu 41 Prozent das Web 2.0. Andere hingegen (in der BITKOM Studie: Baubranche) erst zu 16 Prozent. Mittlerweile haben sich für die Stellensuche aber soziale Netzwerke hinter den Online-Jobbörsen und Stellenangeboten auf der Unternehmenswebseite auf dem dritten Platz etabliert. Das hängt auch mit dem Boom der mobilen Internetnutzung zusammen. Mittlerweile kann jeder, der ein Smartphone, Netbook oder seit neuestem ein Tablet-PC besitzt, von fast überall auf unzählige Internet-Anwendungen (Applikationen oder kurz: Apps) zugreifen. Nach der BITKOM Prognose von Februar 2011 wird der Absatz von Smartphones in Deutschland in diesem Jahr um 36 Prozent auf über 10 Millionen Stück steigen.
Die Mischung macht‘s
Für ein erfolgreiches Werben um Mitarbeiter gehört aber auch die Erkenntnis, dass soziale Netzwerke in dem Bereich nicht überbewertet werden sollen. Prof. Dr. Uwe Hasebrink von der Universität Hamburg beispielsweise sieht ein produktives Miteinander in der Zukunft vor allem in der Mischung von klassischer massenmedialer Kommunikation und der direkten Ansprache via Facebook & Co. Das wird seiner Meinung nach dann geschehen, wenn sich der Hype um Social Media auch irgendwann wieder legen wird. Zudem sind es heute noch insbesondere die Heranwachsenden, die auf sozialen Plattformen überaus aktiv sind. Die eigentliche Zielgruppe geht laut Hasebrink mit dem Social Media Phänomen deutlich nüchterner um. (Interview mit AKAD, Oktober 2010).
Fazit
E-Recruiting schafft nicht mehr Kandidaten. Aber die, die es gibt, werden über verschiedene Kommunikationskanäle, sogenannte Recruiting-Channels, schneller erreicht. Allerdings muss man auch festhalten, dass nicht jeder potentielle Bewerber über ein Smartphone verfügt oder im Bereich Social Media aktiv sein will. Aus dem Grund wird es auch in Zukunft noch eine Mischung aus klassischen und modernen Formen der Bewerberansprache geben müssen, um an Mitarbeiter zu kommen. Für die gezielte Suche nach Mitarbeitern auf der einen und Jobs auf der anderen Seite ist das E-Recruiting durchaus geeignet.
Die Autorin:
Jasmin Sieverding absolvierte ihr Magisterstudium der Politikwissenschaften und Soziologie an der Uni Erlangen-Nürnberg. Während ihres Studiums sammelte sie Erfahrungen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit als studentische Hilfskraft. Bei der EVALUBA AG, einem Portal für Arbeitgeberbewertungen, verantwortet sie zurzeit den Bereich PR & Community.
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