Wenn die Karriere ins Stocken gerät: Tipps für Ihre Beförderung, Teil II

In Teil I unserer Praxistipps zum Thema Beförderung ging es um mögliche Reaktionen auf eine ausgebliebene Beförderung: Der erste und wichtigste Schritt besteht darin, das Thema offen und sachlich anzusprechen, anstatt die vermeintliche Kränkung hinzunehmen und die eigene Frustration ins Unendliche wachsen zu lassen. Was aber tun, wenn Sie auch  dabei an einen toten Punkt gelangen, das Gefühl bekommen, dass man Ihnen ausweicht und die Dinge nicht beim Namen nennen will? Auch das ist noch kein Grund zur Resignation – wichtig ist, dass Sie aktiv bleiben und sich nicht in eine passive Rolle drängen lassen. Lesen Sie in Teil II unserer Praxistipps, was Sie selbst tun können, um sich für die nächste Stufe der Karriereleiter zu qualifizieren!

4. Nutzen Sie Ihre Netzwerke!

Wie bereits erwähnt hüllen sich viele Topmanager gerne in Schweigen, wenn es um die Gründe für ihre Beförderungsentscheidungen geht, oder sie geben ausweichende Antworten, die kaum geeignet sind, Ihnen konkrete Anhaltspunkte für eine gezielte Verbesserung möglicher Kritikpunkte geben. Helfen alle Bitten, Klartext zu reden, nicht weiter, ist die Zeit gekommen, über Ihre internen und externen Netzwerke in Erfahrung zu bringen, wie man wirklich über Ihre Qualitäten denkt und welche Gründe für die Entscheidung, Ihnen zunächst keine höhere Position zu übertragen, man Ihnen eventuell verschweigt. Dass diese Strategie nicht ganz ungefährlich ist, versteht sich von selbst: Fühlt sich jemand hintergangen, kann Sie das in erhebliche Schwierigkeiten bringen. Verweigert Ihnen Ihr direkter Vorgesetzter aber trotz Ihrer dringenden Bitte um ein aufrichtiges Urteil eine klare Antwort, können Sie zum Beispiel um sein Einverständnis bitten, sich weitere Meinungen einzuholen, da Sie gerne an der Entwicklung Ihrer Soft Skills arbeiten möchten – und sich mit jemandem unterhalten, zu dem Sie vielleicht einen besseren Draht haben und von dem Sie eher eine ehrliche Antwort erwarten dürfen. Ohne Wissen des Vorgesetzten sollten Sie das allerdings nur tun, wenn Sie sich der Diskretion Ihres neuen Gesprächspartners sicher sein können.

Nutzen Sie Netzwerke, um in Erfahrung zu bringen, woran es “hakt” – jedoch mit Augenmaß und Feingefühl, da diese Strategie sonst eher kontraproduktiv sein kann!

5. Stärken Sie Ihre Soft Skills!

Sie können relativ sicher sein, dass man Sie nicht aufgrund fehlender Fachkompetenz bei der Beförderung übergangen hat – hätten Sie nicht die nötigen Qualifikationen, wären Sie nicht da, wo Sie heute sind. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle fällt die Entscheidung gegen eine Beförderung aus anderen Gründen, etwa, weil – wie im genannten Beispiel – Zweifel an Ihren Fähigkeiten bestehen, in dem Maß zu delegieren, wie Ihre neue Position das gegebenenfalls erfordert, oder weil man Ihnen zu wenig Durchsetzungsvermögen zutraut. Es ist niemals falsch, Ihre Soft Skills zu stärken – ganz besonders dann nicht, wenn Sie den nächsten Karriereschritt planen. Fragen Sie auch Ihre eigene Intuition, woran es eventuell liegen könnte, und arbeiten Sie ganz gezielt an den Bereichen, in denen Sie Nachholbedarf vermuten. Beispiel: Haben Sie Schwierigkeiten, mit Konflikten im Team umzugehen, ohne dass Ihre übrigen Aufgaben darunter leiden, kann eine Schulung in Konfliktmanagement hilfreich sein.

Evaluieren Sie neben dem Feedback, dass Sie von Ihren Vorgesetzten bekommen, auch selbst mögliche Defizite in Ihren Soft Skills, und setzen Sie auf gezielte Weiterbildung!

6. Das Bauchgefühl des Chefs – und wie Sie damit umgehen

Die schlechte Nachricht vorweg: Im Beförderungsreigen gibt es leider auch einen schwer beherrschbaren “Faktor X”: Nämlich die Intuition Ihres Vorgesetzten. Umfragen von Fachmedien ergaben, dass bei Beförderungsentscheidungen häufig das Bauchgefühl des Chefs eine Rolle spielt. Das Wissen um diese Tatsache lässt selbst hoch motivierte Führungskräfte mitunter resignieren: Wie soll man schon das Bauchgefühl eines anderen Menschen beeinflussen? Hier sollten Sie bedenken, dass es unter Umständen dauern kann, ein Bild zu ändern, das sich jemand über einen längeren Zeitraum von Ihnen gemacht hat. Unmöglich ist es aber nicht. Je nachdem, was Ihre Ursachenforschung ergeben hat, können Sie Bedenken gezielt entgegenwirken – etwa, indem Sie mehr delegieren, das Konfliktmanagement in Ihrem Team verbessern, mehr Initiative für eigene Projekte ergreifen und Freiräume für deren Umsetzung einfordern.

Vermeiden Sie unter allen Umständen das Gefühl, dass Ihre Karriere von Faktoren abhängt, die Sie ohnehin nicht steuern oder beeinflussen können! Damit begeben Sie sich in eine passive Rolle und geben die Verantwortung für Ihre berufliche Entwicklung ab. Versuchen Sie stattdessen gezielt, Ihr Fremdbild – das Bild, das andere von Ihnen haben – so zu steuern und zu ändern, dass man Ihnen mehr Verantwortung zutraut!

Karriere & Beförderung, Teil II: Die Checkliste

  • Wenn Sie sich entschließen, Netzwerke anzuzapfen, um zu erfahren, “wo Sie stehen”, tun Sie dies mit sehr viel Fingerspitzengefühl – sonst bringt diese Strategie mehr Schaden als Nutzen!
  • Stärken Sie Ihre Soft Skills gezielt auf Basis des erhaltenen Feedbacks und Ihrer eigenen Einschätzung!

Lassen Sie sich niemals in eine passive Opferrolle drängen – behalten Sie die Initiative, wenn es um Ihre Karriere geht, indem Sie sich gezielt weiterbilden, regelmäßig um Feedback bitten und nachhaken. Lassen Sie sich nicht von der Vorstellung lähmen, es entscheide ohnehin nur Intuition oder persönliche Sympathie des Chefs!

Karriere, Karriereberatung    RSS 2.0    Kommentar    Trackback   

Kommentar zum Artikel schreiben