Wenn die Karriere ins Stocken gerät: Tipps für Ihre Beförderung, Teil I

Als Führungskraft haben Sie bereits viel in Ihre Karriere investiert: Ausbildung, Zusatzqualifikationen, viele Jahre harter Arbeit, Verzicht auf Freizeit. Sie können Erfolge vorweisen, Mitarbeiter motivieren, Ziele erreichen – kurz: Ihre Resultate können sich sehen lassen, und eigentlich ist alles in bester Ordnung. Und dennoch haben Sie irgendwann das Gefühl, festzustecken, auf der Stelle zu treten. Kennen Sie diese Situation? Sie sind nicht allein – erstaunlich viele Manager erreichen irgendwann in ihrer Karriere einen “toten”  Punkt, an dem die Dinge ins Stocken geraten. Viele können sich den Karrierehänger auch nach längerem Nachdenken nicht erklären. Kein Wunder: Nur wenige Unternehmen verraten ihren Mitarbeitern, nach welchen Kriterien sie bei der Beförderung vorgehen. Mitunter spielt die schwer kalkulier- oder berechenbare  Intuition des Vorgesetzten eine Rolle bei der Beförderungsentscheidung, meist aber geht es um Soft Skills. Finden Sie in Teil 1 unserer Praxistipps zum Thema heraus, wie Sie um Feedback bitten – und es auch bekommen.

1. Karrierefrust: Was Sie beachten sollten, ehe Sie über einen Arbeitgeberwechsel nachdenken

Wer trotz glänzender Resultate und Bewertungen bei einer Beförderungsrunde – möglicherweise zum wiederholten Male – übergangen wurde, reagiert verständlicherweise frustriert. Wenn trotz großen persönlichen Einsatzes, eventuell sogar Abstrichen an den eigenen Bedürfnissen und einwandfreier Zahlen und Ergebnisse der wohlverdiente Lohn in Form einer höheren Position ausbleibt, empfinden auch hoch motivierte Führungskräfte das irgendwann mindestens als Nichtbeachtung ihrer Bemühungen, im schlimmsten Fall als persönliche Kränkung. In solchen Momenten kann die Versuchung groß sein, aus Gefühlen wie Resignation oder verletztem Stolz heraus “alles hinzuschmeißen” und sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen. Dabei sollten Sie jedoch bedenken, dass Sie anderswo vielleicht sogar einen Schritt zurückgehen, wieder weiter unten anfangen müssen – und so eventuell die Ergebnisse Ihres jahrelangen Einsatzes aufs Spiel setzen.

Ein Wechsel des Unternehmens sollte ausschließlich als Ultima ratio in Frage kommen – etwa, wenn Klärungsversuche scheitern. Suchen Sie zunächst unbedingt das Gespräch mit Ihren Vorgesetzten, holen Sie sich ggf. Unterstützung durch einen Coach oder Karriereberater!

2. Bestehen Sie auf Feedback!

Es ist keine ganz einfache Aufgabe, einem Vorgesetzten ein aufrichtiges Feedback zu entlocken – wenn Sie sich zu Unrecht übergangen fühlen, ist eine Klärung jedoch unumgänglich, wenn Ihr Berufsleben nicht zu einer Endlosschleife aus Frustrationen und enttäuschten Erwartungen werden soll. Ansprechpartner ist immer Ihr nächster Vorgesetzter, der sich keinesfalls übergangen fühlen sollte, weil Sie beispielsweise jemanden aus einer höheren Führungsebene ansprechen. Erklären Sie ruhig und sachlich, dass Sie wissen möchten, warum man Sie nicht berücksichtigt hat, verweisen Sie – ähnlich wie in einer Gehaltsverhandlung – auf Ihre positiven Resultate. Hören Sie aufmerksam und ruhig zu und versuchen Sie, den Eindruck zu vermitteln, dass Sie “mit der Wahrheit leben können” – signalisieren Sie, dass Sie sich angegriffen oder verletzt fühlen, wird Ihr Gesprächspartner ausweichen. Fragen Sie ganz konkret, welche Eigenschaften Sie entwickeln oder ausbauen müssten, damit man Ihnen mehr Verantwortung überträgt.

Sprechen Sie Ihr Problem an, anstatt sich enttäuscht, frustriert und verletzt zurückzuziehen und die Dinge auf sich beruhen zu lassen! Versuchen Sie unbedingt, dabei sachlich und ergebnisorientiert zu handeln – so steigen Ihre Chancen auf ein ehrliches Feedback!

3. Werten Sie Feedback richtig aus!

Hinter vielen vagen Formulierungen verbirgt sich etwas anderes, als Sie vermuten – in solchen Fällen sollten Sie nicht zögern, um Konkretisierung zu bitten, da Missverständnisse sonst vorprogrammiert sind. Beispiel: Ihr Chef sagt Ihnen, dass Sie mehr Führungsstärke zeigen sollen. Da Ihre Mitarbeiter hervorragende Leistungen bringen und Ihre Führungsqualitäten stets gut bewertet wurden, nehmen Sie an, dass Ihr Chef in Wahrheit meint, dass Sie noch mehr Einsatz zeigen, noch mehr Projekte persönlich betreuen sollten. In Wirklichkeit bereitet ihm die Tatsache Sorge, dass Sie zu wenig delegieren, Verantwortung nicht abgeben können und er deshalb bei Ihnen die Gefahr eines Burn-out oder auch eines Verzettelns und Aufreibens in Details sieht.

Auch wenn es viel Diplomatie und Fingerspitzengefühl erfordert: Versuchen Sie, herauszufinden, was sich hinter vagen Formulierungen wie “mehr Führungsstärke”, “bessere Kommunikationsfähigkeit” oder “bessere Teamfähigkeit” verbirgt – die Gefahr weiterer Enttäuschungen und Frustrationen ist sonst sehr hoch.

Karriere & Beförderung, Teil 1: Die Checkliste

  • Machen Sie sich Ihre Verdienste und Erfolge bewusst, ehe Sie impulsiv über einen Arbeitgeberwechsel nachdenken, der Sie in Ihrer Entwicklung zurückwerfen kann und Sie Ihrem Ziel ggf. nicht näher bringt, etwa, wenn Defizite in Ihren Soft Skills der Grund für die ausgebliebene Beförderung sind!
  • Bestehen Sie nachdrücklich auf Feedback von Ihrem Vorgesetzten. Seien Sie selbst ehrlich, aufrichtig und sachlich – umso größer ist die Chance, dass Ihr Gegenüber es auch ist!
  • Verwenden Sie Zeit auf die Auswertung von Feedback, bitten Sie, wenn nötig, um Konkretisierung!

Erfahren Sie in Teil II unserer Praxistipps zum Thema Beförderung, was Sie selbst tun können, um den nächsten Karriereschritt vorzubereiten – und wie Sie damit umgehen, wenn Ihre Gesprächsversuche nicht zum gewünschten Ergebnis führen.

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