Risikomanagement: Ein Muss nicht nur in Krisenzeiten!
Unternehmen sind Risiken ausgesetzt. Damit sind nicht nur Umsatzeinbrüche infolge von Wirtschaftskrisen oder der Insolvenz des wichtigsten Kunden gemeint, sondern auch zahlreiche andere Faktoren: “Spionage, Sabotage, Geldwäsche (…) Währungsturbulenzen, Rohstoffverknappung, exorbitant steigende Beschaffungspreise” – das sind nur einige mögliche Risiken, die SZ-Autor Harald Schwarz in seinem Artikel zum Risikomanagement (Süddeutsche Zeitung, 20. Januar 2010) aufzählt. Unternehmen sollten also mit Risiken umgehen und auf diese, wenn sie schon nicht ausgeschlossen werden könnten, bestmöglich vorbereitet sein. Eine Studie von Pricewaterhouse-Coopers (PwC) jedoch ergab, dass viele Unternehmen auch nach der Krise kaum Ressourcen in ein funktionierendes Risikomanagement investieren. Lesen Sie, warum Risikomanagement auch jenseits großer Wirtschaftskrisen ein Muss ist – und wie Sie Ihr Risikomanagement aufbauen oder optimieren.
1. Wozu Risikomanagement?
Die bereits genannte PwC-Studie ergab, dass nur 60 Prozent der befragten Firmen überhaupt Strategien zur Erkennung von Risiken etabliert haben, diese aber selbst nach der Wirtschaftskrise nicht angepasst oder überarbeitet hätten. Es würden, so ein Partner von PwC, “keine oder nur halbherzige Konsequenzen gezogen” – und das, obwohl nicht wenige Risiken sich schnell zur Existenzbedrohung für das Unternehmen auswachsen könnten und 80 Prozent der Befragten zustimmten, dass Risikomanagement ein wichtiger strategischer Wettbewerbsvorteil sei. Tatsächlich zeigen gerade Zeiten schwacher Konjunktur, welche Unternehmen dafür z.B. durch Rücklagen, Verteilung der Risiken, eine solide Kundenbasis oder Faktoren wie eine vielfältige Produktpalette “gut aufgestellt” sind.
Risikomanagement dient nicht nur der Einschätzung und Abwehr von Gefahren: Wer auch in schwierigen Zeiten seine Position ausbauen kann, hat einen klaren Wettbewerbsvorteil!
2. Risikomanagement ist Chefsache!
Die Studie zeigte jedoch auch, dass bei Firmen, die ein gut funktionierendes Risikomanagement betreiben, das Bewusstsein für die Bedeutung dieses Bereichs eher gestiegen ist: So wanderte das Risikomanagement von der mittleren Führungs- auf die Vorstandsebene, wo entweder der Geschäftsführer selbst oder ein speziell eingesetzter Risk Manager oder Risk Officer dafür zuständig sind. Auch wurden zum Teil mehr finanzielle und personelle Ressourcen auf das Risikomanagement verwandt. Diese Unternehmen stehen nicht nur in der Krise besser da – ihnen ist es auch möglich, andere Risiken besser zu kompensieren oder bislang gänzlich unbekannte Faktoren zu erkennen und zu bewerten.
Risikomanagement ist kein unwichtiges Randgebiet, dass marginalisiert werden darf: Es sollte stets auf der höchsten Hierarchieebene im Unternehmen verankert werden!
3. Risikostrategien etablieren und dokumentieren
Über ein Drittel der befragten Unternehmen (außerhalb des Finanzsektors, der sein Risikomanagement bedingt durch die jüngste Krise überarbeitet und aktualisiert hat) verfügt über keine dokumentierte Strategie des Risikomanagements. Selbst wenn es in diesen Unternehmen also ein Risikomanagement gibt, so wird es infolge des Fehlens einer schriftlich festgehaltenen und für alle Abteilungen und Mitarbeiter verbindlichen Form nicht konsequent umgesetzt, verlässt die bislang mit dem Risikomanagement betraute Person das Unternehmen, hat ein Nachfolger keine Möglichkeit, sich ein Bild über den aktuellen Stand zu verschaffen.
Grundsätzlich sollten alle in einem Unternehmen etablierten Prozesse dokumentiert werden – also auch das Risikomanagement. Sorgen Sie für eine lückenlose und stets dem neuesten Stand entsprechende Dokumentation, um verbindliche Standards zu schaffen!
4. Bekannte Risiken: Vorbereitung ist die halbe Miete!
Unternehmer und Führungskräfte wissen: Eine völlige Risiken- und Gefahrenfreiheit gibt es nicht. Ein altes Sprichwort besagt, man könne im Leben stets nur das Beste hoffen, mit dem Schlimmsten rechnen und es dann nehmen, wie es kommt. Pessimisten sind im Allgemeinen unbeliebte Zeitgenossen, doch im Kontext des Risikomanagements geht es eben darum, mit dem Schlimmsten zu rechnen. Wer ein Worst Case-Szenario ausarbeitet, wird dabei in der Regel Erkenntnisse darüber gewinnen, was in einem bestimmten Fall getan werden kann, um die unmittelbaren Konsequenzen abzumildern – oder wie der “worst case” sogar gänzlich vermieden werden kann.
Machen Sie sich bereits bekannte Unternehmensrisiken wie die oben genannten konsequent klar und überlegen Sie, wie Sie ihnen vorbeugen, mit ihnen umgehen und ihre Auswirkungen mildern können.
5. Vergessene Risiken: Imageschäden- und Reputationsschäden
Ein ausgesprochen oft übersehener Risikofaktor sind Reputations- und Imageschäden. Diese können für ein Unternehmen insbesondere in Zeiten der Echtzeitkommunikation eine erhebliche Existenzbedrohung darstellen: Muss beispielsweise ein Autobauer wegen eines Konstruktionsfehlers eine Fahrzeugreihe zurückrufen, wissen nicht nur die betroffenen Käufer und ein paar Regionalzeitungen davon, sondern per Twitter und Co. die ganze Welt – und zwar in Sekunden. Schnell sind so Reputationsschäden entstanden, die lange im Gedächtnis (potentieller) Kunden hängen bleiben. Nur etwa die Hälfte der von PwC Befragten hat dieses Thema in ihr Risikomanagement einbezogen, und noch weniger befassen sich mit Problemfeldern wie z.B. Korruption oder Wirtschaftskriminalität.
Begrenzen Sie Ihr Risikomanagement nicht auf offensichtliche Faktoren wie das nächste Konjunkturtief oder Preissteigerungen. Spüren Sie versteckte und vergessene Risiken auf und beziehen Sie sie in die Strategie ein!
6. Unbekannte Risiken
Ebenfalls fast die Hälfte aller Unternehmen hat keinerlei Prozesse etabliert, mit deren Hilfe bislang unbekannte Risiken erkannt werden können. Die Entwicklung eines gigantischen Imageschadens vom Strohfeuer zum Flächenbrand per Web 2.0-Kommunikation ist ein typisches Beispiel: Noch vor wenigen Jahren spielte der Faktor der starken Vernetzung, die es heute gibt, keine Rolle. Noch einige Jahre eher gab es überhaupt kein Internet – die Informationswege zu den Medien waren länger, Informationen konnten somit noch eher gesteuert, Reputationsschäden gemildert werden. Auch auf wirtschaftlichem Gebiet gibt es immer wieder Entwicklungen, die nicht vorhersehbar waren – wie etwa die Auswirkungen der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008.
Denken Sie das Undenkbare und rechnen Sie mit dem Unmöglichen: Ihrem Unternehmen drohen nicht nur die Gefahren, die Sie sehen, sondern auch solche, die aus heutiger Sicht noch nicht einzuschätzen sind. Sorgen Sie dafür, dass diesem Umstand in Ihrem Risikomanagement Rechnung getragen wird!
Risikomanagement: Die Checkliste
- Risikomanagement ist existentiell – für alle Unternehmen!
- Betreiben Sie ein aktives Risikomanagement und verschaffen Sie sich so Wettbewerbsvorteile!
- Sorgen Sie für eine lückenlose Dokumentation und Erfassung der Risikostrategie!
- Ordnen Sie das Risikomanagement der höchsten Hierarchieebene im Unternehmen zu!
- Erfassen Sie bekannte Risiken und erarbeiten Sie Strategien für das Eintreten bestimmter Situationen!
- Denken Sie nicht nur an das Offensichtliche – erfassen Sie auch andere als die offensichtlichen Risiken!
- Etablieren Sie Prozesse zur Erfassung bisher unbekannter Risiken!
Rufen Sie uns an