Mission Lebenslauf: Tipps für Bewerber
Wer heute studiert oder eine Ausbildung absolviert, weiß, dass ihm der Einstieg in den Arbeitsmarkt nicht geschenkt wird: Wo früher der feste Anstellungsvertrag nach absolvierter Ausbildung eher die Regel als die Ausnahme war, sind Arbeitsplätze mit interessanten Aufgaben und attraktiver Entlohnung heute heiß umkämpft. Bewerber müssen sich also etwas einfallen lassen – “nur” gute Noten im Abschlusszeugnis reichen längst nicht mehr aus. Deshalb wird “turbostudiert”, noch ein Master angehängt, werden Zusatzqualifikationen erworben, Sprachzertifikate gemacht, Auslandsaufenthalte und Praktika absolviert, was das Zeug hält. Umso größer ist bei vielen die Enttäuschung, “alles richtig gemacht” zu haben und dem Traumjob trotzdem nicht näher gekommen zu sein. Lesen Sie bei uns, warum allzu viel “Lebenslaufoptimierung” ungesund ist – und worauf es bei der Bewerbung tatsächlich ankommt.
(1) Ein Lebenslauf wie aus dem Karrierehandbuch – und doch kein Job?
Klaus Werles Artikel “Studenten im Optimierungswahn”, erschienen am 3. Februar 2010 auf Spiegel Online, erregte einiges Aufsehen. Werle beschreibt darin erstmals zusammenfassend ein Phänomen, das aufgrund der gestiegenen Konkurrenz um die besten Jobs immer deutlicher zutage tritt: Bereits Erstsemester planen ihre Ausbildung von der ersten Vorlesung über das Auslandssemester bis zum Praktikum im Großbetrieb und dem anschließenden Master minutiös durch, arbeiten diesen Plan konsequent ab – und sind anschließend enttäuscht, wenn sich trotz aller Anstrengungen der Karrierestart verzögert. Lücken im Lebenslauf sind Gift für die Karriere, hat man diese Generation gelehrt, die nachweislich dem Ideal des “lockeren Studentenlebens” abgeschworen hat. Das ist zunächst nichts Schlechtes – der Wunsch nach einem erfüllten Berufsleben ist ebenso verständlich wie legitim. Doch Personalchefs sortieren die scheinbaren Traumkandidaten häufig aus: Zu viel Karrierehandbuch, zu wenig eigenes Profil, lautet ihr Urteil.
Unternehmen wissen, dass sie jeden Bewerber für die spezifischen Anforderungen einer Stelle einarbeiten müssen. Machen Sie sich das unbedingt bewusst: Es bedeutet, dass fachliche Kenntnisse zwar wichtig sind, oft aber persönliches Profil und “Soft Skills” den Ausschlag geben!
(2) Es geht um Sie!
“Der Optimierungsmodus wird zur Barriere vor dem eigentlichen Ziel: herauszuragen aus der Masse”, schreibt Klaus Werle in seinem Artikel. Alle westlichen Kulturen sind geprägt von genau diesem Ideal des Herausragens aus der Masse, des Sich-Unterscheidens von anderen. Die Frage “Was unterscheidet Sie denn von anderen Bewerbern?” gehört zu den Klassikern jedes Bewerbungsgesprächs. Ganz genau dieser Faktor jedoch wird nicht als Seminar oder Aufbaustudium angeboten – die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit vollzieht sich mitunter gerade in den gefürchteten “Lücken im Lebenslauf”, in Zeiten des Sich-Ausprobierens und Experimentierens. Oft bekommen junge Arbeitnehmer zu hören, man müsse lediglich “wissen, was man will” – dann werde der Rest sich schon finden. Gerade das ist aber oft nicht so einfach und muss von vielen zunächst herausgefunden werden, notfalls durch das Beschreiten ungewöhnlicher Wege: So haben schon angehende Wirtschaftsfachleute oder Ingenieure bei Auslandsaufenthalten ihre Neigung zur Entwicklungshilfe entdeckt, Personalpsychologen im Praktikum herausgefunden, dass sie doch eher in die Forschung gehören, usw.
Auch wenn ein schnelles Studium und attraktive Zusatzqualifikationen geschätzt werden: Wichtiger ist, dass Sie ein deutliches, eigenes Profil entwickeln und vermitteln können, was Sie – jenseits von Noten und Arbeitszeugnissen – wirklich ausmacht!
(3) Setzen Sie Prioritäten!
Einige oder auch alle der von “Lebenslaufoptimierern” so konsequent geplanten Karrierebausteine sind sicher sinnvoll – es kommt auf die eigenen beruflichen Ziele an. Wer in einem internationalen Unternehmen Fuß fassen will, kommt um Auslandsaufenthalte und Sprachkurse sicher nicht herum. Berufserfahrung aus Praktika und Volontariaten ist ein absolutes Muss, und auch zusätzliche Studien können Sinn machen. Oftmals jedoch finden Bewerber und Berufseinsteiger, die versuchen, alle diese Komponenten “abzuarbeiten”, keine Zeit mehr für Lebensbereiche wie gesellschaftliches Engagement, soziale Kontakte und das, was Werle “intellektuelles Ausprobieren” nennt. Die Folge sind nicht nur eine gestörte Work-Life-Balance, was im schlimmsten Fall zum Ausbrennen oder zu totaler Unzufriedenheit im Beruf führt, sondern auch schlechtere Chancen auf den ersehnten Anstellungsvertrag: Personalchefs wollen Bewerber, die selbständig denken, eigene Schlüsse ziehen und sich nicht nur an vorgefertigten Meinungen orientieren.
Verlieren Sie bei Ihrer Karriereplanung nie den Blick dafür, dass es nicht nur um Ihre Karriere geht, sondern um Ihr gesamtes Leben. Nehmen Sie sich Zeit für Außeruniversitäres und -berufliches, fragen Sie sich vor allem auch immer wieder, ob Sie noch auf dem richtigen Weg sind oder Ihre Interessen und Vorstellungen sich vielleicht geändert haben – die Zeit dafür ist niemals schlecht investiert!
(4) Warum Personalchefs Bewerber mit Ecken und Kanten schätzen
Personalchefs sind sich der Tatsache bewusst, dass die meisten der in unseren Zeiten meist zahlreichen Bewerber hoch qualifiziert sind und dass fachlich vielleicht sogar jeder einzelne für die ausgeschriebene Stelle geeignet wäre. Sie müssen daher andere Kriterien heranziehen, wenn sie aus der Flut von Bewerbungen den besten Kandidaten für die Aufgabe heraussieben wollen. Dabei geht es ihnen auch in Sachen Soft Skills nicht um den perfekten, makellosen Bewerber. eine weitere häufige Frage im Bewerbungsgespräch lautet zum Beispiel: “Was war Ihr größter Misserfolg?” Die Frage hinter der Frage: Wie sind Sie mit einem Fehlschlag umgegangen, was haben Sie daraus für Ihre Zukunft gelernt? Haben Sie die Frustrationstoleranz, mit Rückschlägen und Frustrationen umzugehen, oder werfen Sie leicht die sprichwörtliche Flinte ins Korn?
Auch einem Personalchef oder -berater ist bewusst, dass es den perfekten Menschen nicht gibt. Es geht daher nicht darum, so zu tun, als hätte man keine Schwächen und noch nie Rückschläge erlebt: Wichtig ist, wie damit umgegangen wird.
(5) Trainieren Sie Ihre Soft Skills!
Wenn es über längere Zeit nicht klappt mit dem Traumjob, sollten Sie ganz gezielt überlegen, was Sie dem ersehnten Ziel näher bringen kann. Dabei muss es nicht immer um fachliche Zusatzqualifikationen gehen, gefragt sein können auch unterschiedlichste Soft Skills: Sind Sie ein guter Konfliktmanager? Können Sie Teams führen? Haben Sie Nachholbedarf in Sachen Arbeitsorganisation, -vorbereitung und -strukturierung? Bewerben Sie sich überhaupt für Angebote, die Sie interessieren, oder wahllos auf alles, was Ihrer Qualifikation ungefähr entspricht? Hier kann ein qualifiziertes Coaching helfen, die eigenen Wünsche und Ziele zu identifizieren und ihnen auch Rechnung zu tragen – denn einer halbherzigen Bewerbung wird man ihre Halbherzigkeit immer anmerken, auch durch die besten und geschliffensten Formulierungen hindurch.
Beschränken Sie Ihre Anstrengungen in Sachen Weiterbildung nicht auf fachliche Aspekte, sondern berücksichtigen Sie den immer wichtiger werdenden Faktor Soft Skills angemessen – denn genau der unterscheidet Sie von der Masse der Bewerber!
Mission Lebenslauf: Die Checkliste
- Auch bei Lebensläufen gilt: Klasse statt Masse, Qualität statt Quantität: Überlegen Sie stets sorgfältig, welche “Bausteine” für Ihr individuelles Berufsziel wichtig sind!
- Verlieren Sie Ihre eigenen Vorstellungen, Wünsche und Ziele nicht aus den Augen. Die Erfahrung zeigt: In einem ungeliebten Job kann niemand erfolgreich sein!
- Achten Sie immer auf den Faktor Work-Life-Balance! Egal ob Studium, Jobsuche oder erste Anstellung: Ausgleich ist wichtig – sonst drohen Burn-out und Misserfolge!
- In Bewerbungen spielt der Umgang mit Schwächen und Misserfolgen eine Rolle – nicht deren bestmögliche Vertuschung im Lebenslauf!
- Das Qualifikationsniveau steigt ständig – Soft Skills werden deshalb als Karrierefaktor immer wichtiger. Widmen Sie Ihnen deshalb genau so viel Aufmerksamkeit wie Ihrer fachlichen Weiterbildung!
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