Unternehmertum als Führungsstrategie

Wer unternehmerisch denkt, hat das Beste des Unternehmens im Auge: Unter unternehmerischem Denken wird allgemein die Ausrichtung von Strategien an Kriterien wie Umsatz- und Gewinnsteigerung, Kundenbindung, Effektivität und Wirtschaftlichkeit verstanden. Unternehmerisches Denken setzt, so das Karriere-Journal der Bewerbungsplattform Monster, “eine emotionale Bindung an die Firma voraus” – wer das Wohl des eigenen Familienbetriebes vor Augen hat, denkt und handelt anders als ein Mitarbeiter im selben Betrieb, da die Interessen von Eigentümern und Lohnabhängigen meist nicht identisch sind. Folglich sind es also nur Unternehmer, die unternehmerisch denken. Wirklich? Stellen Sie sich vor, Sie könnten Ihren Mitarbeitern unternehmerisches Denken als Leitlinie vermitteln und so eigenverantwortliches Handeln, Kundenfreundlichkeit und Effektivität fördern. Erfahren Sie in unseren aktuellen Praxistipps, wie Sie durch gelebtes Unternehmertum Ihre Mitarbeiter zu unternehmerischem Denken anleiten und dadurch bessere Leistungen erzielen können.

1. Entdecken Sie den Unternehmer in sich: Als Führungskraft unternehmerisch denken

Mit unternehmerischem Denken wird gemeinhin eine ganze Palette von positiven Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen assoziiert. Unternehmer gelten als innovationsfreudig und risikobereit, als fleißig und diszipliniert. Doch Unternehmer ist nicht nur – wie das Wort nahe legt – der Gründer eines Unternehmens, sondern auch derjenige, der darin Führungsverantwortung übernimmt. Mehr als andere Mitarbeiter müssen Angehörige der Führungsebene typische Unternehmereigenschaften beherrschen: Sie müssen langfristig planen und kalkulieren, mit Augenmaß und Weitsicht investieren, Zielvereinbarungen umsetzen, Zuversicht vermitteln, Prioritäten setzen und durch richtiges Delegieren Verantwortung abgeben. Sie sehen: Unternehmerisches Handeln beginnt – wie andere Formen der Motivation – bei Ihnen selbst.

Leben Sie die genannten “Unternehmertugenden” konsequent vor, zeigen Sie Ihren Mitarbeitern deren Vorteile auf und motivieren Sie deren Leistungsbereitschaft durch die Übertragung von Eigenverantwortung!

2. Wecken Sie den Unternehmer im Mitarbeiter: Unternehmertum erfolgreich vermitteln und einfordern

Beginnen Sie wie so oft am besten mit einer Standortbestimmung. Wenn man die Mitarbeiter Ihrer Abteilung fragen würde, ob Sie sich eher als Unternehmer oder eher als Angestellte sehen – was würden Sie wohl antworten? Viele Firmen versuchen, Mitarbeiter über Bonus- oder Provisionsmodelle zu unternehmerischem Denken anzuhalten: Bessere Resultate führen so zu einem spürbaren materiellen Vorteil. Dieser Ansatz ist zwar nicht falsch, er greift aber zu kurz – Motivations- und Leistungssteigerungsstrategien, die ausschließlich auf materiellen Anreizsystemen beruhen, sind meist nur kurzfristig erfolgreich und haben mit “echtem” unternehmerischem Denken nichts zu tun. Besser: Fördern Sie Verantwortungsgefühl, übertragen Sie Kompetenzen. Und auch wenn es schwer fällt – mischen Sie sich in eine einmal übertragene Aufgabe nur noch ein, wenn Sie gefragt werden. Fordern Sie stattdessen Resultate in Form von Fortschritts- und Zwischenberichten, sorgen Sie für ein Wir-Gefühl und bieten Sie sich als erfahrener Berater an, der stets ein offenes Ohr hat.

Kurz: Bringen Sie Ihren Mitarbeitern bei, selbst Verantwortung für das Unternehmen und Zugehörigkeit zu ihm zu empfinden – beginnen Sie mit der Herstellung der “emotionalen Bindung an die Firma”, die die Voraussetzung unternehmerischen Denkens ist!

3. Unternehmerisches Denken im Betrieb implementieren, festigen und ausbauen

Das bereits besprochene Kriterium der Eigenverantwortung wird oft fälschlicherweise fast synonym mit unternehmerischem Denken verwendet. Verantwortung und Eigeninitiative sind zwar wesentliche Bestandteile Unternehmerischen Denkens, doch sie reichen nicht aus, um z.B. eine Unternehmerpersönlichkeit zu definieren. Ein erfolgreicher Unternehmer muss mehr können: Wichtige Entscheidungen auch unter Zeitdruck mit Weitsicht treffen, Märkte und Trends langfristig einschätzen und berücksichtigen, Risiken einschätzen, das Potential von Ideen, Mitarbeitern oder Entwicklungen einschätzen. Als Führungskraft müssen Sie in Ihrem Arbeitsalltag vielleicht einen Teil dieser Funktionen übernehmen, doch wie steht es mit Ihren Mitarbeitern – insbesondere denen, die keine Führungsverantwortung tragen?

Fördern Sie unternehmerisches Denken und Handeln, wo immer es sich anbietet. Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiter, eigene Profile zu entwickeln, sich selbst und Ihre Ideen einzubringen, sich aktiv an der Formulierung von Zielen zu beteiligen. Lassen Sie sie wenn möglich “im Kleinen” Entscheidungen selbständig treffen – so ermutigen Sie unternehmerisches Denken und verbessern das Motivations- und Leistungsniveau.

4. Unternehmereigenschaften, Management und CSR

Keine Frage: Wer Verantwortung trägt, für Fehlentwicklungen und Verluste haftet und unternehmerisch denkt und handelt, ist mitunter gezwungen, unpopuläre Entscheidungen zu treffen und auch zu vermitteln. Dabei kann es sich z.B. um Arbeitszeitkürzungen in wirtschaftlich schlechten Zeiten, die Einforderung von Mehrarbeit bei guter Auftragslage oder auch Umstrukturierungsmaßnahmen handeln. Unternehmertum bedeutet jedoch nicht nur “kühles Kalkulieren”, sondern auch soziale und ökologische Verantwortung sowie Nachhaltigkeit. Große Unternehmervorbilder aus den frühen Jahren der Bundesrepublik machten beispielsweise Weiterbildung und Altersvorsorge ihrer Mitarbeiter zur Chefsache oder beeinflussten durch ihr gesellschaftliches Engagement aktiv die Lebensbedingungen der Allgemeinheit.

Verkürzen Sie unternehmerisches Denken nicht auf Motivation und Leistungsoptimierung, sondern integrieren Sie es in alle Managementbereiche und in übergreifende Konzepte wie CSR – Unternehmer ist man in allen Lagen und wirtschaftlichen Situationen, nicht nur in “guten Zeiten”!

5. Ausblick: Unternehmern gehört die Zukunft!

Unsere Arbeitswelt ist aufgrund von Faktoren wie der fortschreitenden Automatisierung und Globalisierung und strukturellen Veränderungen einem ständigen und schnellen Wandel unterworfen. Dem Unternehmertum wird dabei auch in Zukunft mehr und mehr Bedeutung zukommen: Immer weniger Menschen arbeiten in einer “klassischen” Vollzeitstellung mit Langzeitgarantie, immer mehr arbeiten freiberuflich, selbständig, provisions- oder honorarbasiert, oder von ihnen wird verlangt, sich innerhalb des Unternehmens flexibel anzupassen und auf Veränderungen schnell zu reagieren – beispielsweise einen Wohnortwechsel in Kauf zu nehmen oder sich regelmäßig weiterzubilden. Bei der Bewältigung all dieser Herausforderungen spielen Unternehmertugenden wie Risikobereitschaft, Entscheidungsfähigkeit, Eigeninitiative, Kreativität und Weitsicht eine immer größere Rolle.

Motivieren Sie sich selbst und auch Ihre Mitarbeiter zu unternehmerischem Denken und Handeln: Unternehmertum entwickelt sich mehr und mehr zu der entscheidenden “Soft Skill” unserer Zeit und wird so zum entscheidenden Karrierefaktor.

Unternehmertum als Führungsstrategie: Die Checkliste

(1) Wie bei der Selbst- und Fremdmotivation gilt auch für Unternehmerisches Denken: Beginnen Sie bei sich selbst!

(2) Leben und vermitteln Sie Unternehmertum bezogen auf die spezifischen Erfordernisse Ihres Betriebes!

(3) Haben Sie den Mut, Verantwortung zu übertragen und deren Übernahme auch einzufordern – so optimieren Sie nicht nur Ihre eigenen Kapazitäten, sondern motivieren gleichzeitig zu mehr Eigenständigkeit!

(4) Unternehmertum ist kein einzelnes Führungsinstrument, das sich zur Lösung einer konkreten Aufgabenstellung eignet, sondern beschreibt die Gesamtheit einer bestimmten Art des Denkens und Handelns: Rechnen Sie damit, dass Sie schwierige, schmerzhafte und unpopuläre Entscheidungen treffen müssen, bekennen Sie sich jedoch auch zur Verantwortung des Unternehmens für Mitarbeiter, Kunden und Gesamtgesellschaft!

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