Leistung braucht Coaching – Möglichkeiten und Perspektiven von Business-Coaching
“Gecoacht” wurden ursprünglich nur Spitzensportler: Wer ständig Höchstleistungen erbringt, muss die eigenen Leistungen ständig hinterfragen und optimieren, muss kurz- und langfristige Ziele definieren und tragfähige Strategien entwickeln, um diese auch zu erreichen. Heute gibt es Coaching in vielen Lebensbereichen: Ob Schauspieler, Politiker, Forscher oder Führungskraft – sie alle versuchen, aus dem dezidiert ziel- und lösungsbezogenen Ansatz Hilfestellungen für das eigene Berufsleben oder eine konkrete Fragestellungen abzuleiten. Insbesondere für Top-Führungskräfte und Spitzenmanager gewinnt Coaching mehr und mehr an Bedeutung. Erfahren Sie, wo die Chancen, Möglichkeiten und Grenzen liegen und was Sie vor, während und nach einem Coaching beachten sollten, um die Erfolgsaussichten zu steigern!
(1) Wozu Coaching?
Die Gründe für die Inanspruchnahme eines qualifizierten Bussiness-Coachings sind genauso individuell wie Sie. Eine konkrete Herausforderung wie z.B. ein Abteilungswechsel, eine Auslandsentsendung oder die Führung eines interkulturellen Teams kann genauso Anlass für den Wunsch nach Beratung und Anleitung sein wie der Wunsch nach einer übergreifenden Beratung zur Karriereplanung und persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung. Ebenso unterschiedlich sind folgerichtig Art, Dauer und Zielsetzung des Coachings. Häufig geht es auch um das Erhalten von Feedback: Gerade Spitzen-Führungskräfte sehen sich mit dem Problem des mangelnden Feedbacks konfrontiert, da aufgrund der Rollenverteilung zwischen ihnen und ihren Mitarbeitern diese oft nicht als Feedbackgeber fungieren können und/oder wollen. Auch, wer etwa soziale und Führungskompetenzen verbessern will, liegt also mit einem Coaching grundsätzlich richtig.
Sie denken über die Aufnahme eines Coachings nach? Fragen Sie sich im Vorfeld, was Ihrem Wunsch nach Beratung zugrunde liegt und was Sie erwarten. Diese Überlegungen fließen in den Coaching-Plan ein, den Ihr Coach mit Ihnen erarbeitet, und sind eine wesentliche Voraussetzung für ein erfolgreiches Coaching!
(2) Ablauf von Coachings
So unterschiedlich wie Anlässe für und Erwartungen an ein Coaching sind auch die Ablaufformen. Es gibt Einzel- und Gruppencoachings, projekt- oder situationsbezogene Coachings, der Coach selbst kann ein unternehmensinterner oder externer Berater sein. Unabdingbare Voraussetzungen sind jedoch Freiwilligkeit, Akzeptanz und Vertrauen. Deshalb geht dem eigentlichen Coaching wie bei einer allgemeinen psychologischen Beratung eine Kennenlernphase voraus, in der Sie entscheiden, ob Sie und der Coach zusammen passen und eine konstruktive Arbeit möglich ist. Ist das der Fall, wird ein Ablaufplan erstellt, der sich in der Regel in die Abschnitte Orientierung und Etablierung Ihres Anliegens, Veränderungs- und Interventionsphase sowie Zielerreichung und Evaluierung des Prozesses gliedert.
Nehmen Sie sich Zeit, den Coach kennen zu lernen. Der Erfolg eines Coachings hängt nicht zuletzt davon ab, ob Sie zusammenpassen, und Sie können nicht mit jedem Menschen gleich gut arbeiten. Oft geht es hierbei nicht um sachliche Gründe, sondern um die berühmte “Personenchemie” – lassen Sie sich also ruhig von ihrer Intuition leiten und sprechen Sie, wenn nötig, mit mehreren Coaches, um den “Richtigen” zu finden!
(3) Besonderheiten im Coaching von Spitzen-Führungskräften
Das Einzelcoaching für Top-Manager ist wohl die bekannteste Form des Coachings und führt in der Öffentlichkeit oft zu einer verkürzten Darstellung der Perspektiven und Möglichkeiten von Coachings, die durchaus nicht nur für Spitzen-Führungskräfte in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sinnvoll und geeignet sind. Allerdings erfordern die spezifischen Anforderungen an diese Gruppe von Coachees und deren herausfordernder Berufsalltag auch eine darauf abgestimmte Herangehensweise. Der Coach ist aufgefordert, diesen besonderen Umständen auf unterschiedliche Weise Rechnung zu tragen: So müssen eventuell besonders schnell Strategien für eine wichtige Entscheidung erarbeitet oder ungewöhnlich komplexe Abwägungen und Abläufe einbezogen werden. Enge Terminpläne können ein hohes Maß an zeitlicher und räumlicher Flexibilität nötig machen, und Vertrauenswürdigkeit und Verschwiegenheit wird noch größere Bedeutung beigemessen als ohnehin bei Coaching-Prozessen.
Sie stehen als Manager ganz an der Spitze, sind Entscheidungs- und Verantwortungsträger? Suchen Sie sich unbedingt einen Coach, der mit den Besonderheiten dieser Situation vertraut ist und über entsprechende Erfahrung verfügt. Sie sind Anbieter von Coachings für Top-Manager? Erarbeiten Sie mit Ihrem Klienten immer einen Coachingplan, der dessen komplexem Alltag Rechnung trägt und bilden Sie sich regelmäßig weiter, um aktuelle Entwicklungen zu berücksichtigen und die Qualität Ihres Angebotes dauerhaft zu sichern!
(4) Chef als Coach – kann das gut gehen?
In den USA ist das Coaching durch den Vorgesetzten ein verbreitetes Führungsinstrument. Dahinter steht der Gedanke, dass der Vorgesetzte im Rahmen seiner Führungsaufgaben ein konstruktives Verhältnis zu seinen Mitarbeitern entwickeln muss, das eine kontinuierliche Führungsarbeit überhaupt erst ermöglicht und mitunter den Charakter des Verhältnisses zwischen Coach und Coachee annimmt, etwa, wenn es um die Definition von Zielen und die Erarbeitung von Strategien geht. Andererseits wird dieser Ansatz aber auch kontrovers diskutiert und vielfach in Frage gestellt, da aufgrund der hierarchischen Rollenverteilung die Gefahr von Abhängigkeiten gegeben und der unabdingbare Coaching-Grundsatz der Freiwilligkeit dadurch gegebenenfalls gefährdet ist. Weitere Bestandteile der Führungsrolle – z.B. die Verpflichtung gegenüber Unternehmenszielen – können ebenfalls in direkten Konflikt zu wichtigen Elementen der Coach-Rolle geraten. Oft fehlt Vorgesetzten auch schlicht die Zeit, allen Mitarbeitern gegenüber als Coach zu fungieren.
Darum gilt: Vorsicht beim Einsatz von Coaching als Führungsinstrument! Hinterfragen Sie Ziele und Ergebnisse dieser Strategie. Fragen Sie sich auch, was erreicht werden soll und was damit im Rahmen der verfügbaren Zeit, Ressourcen und der Grenzen, die die Führungsrolle Ihnen auferlegt, erreicht werden kann, und denken Sie gegebenenfalls über Alternativen nach!
(5) Coaching ist nicht gleich Mentoring!
Coacing ist vor allem eines, nämlich Hilfe zur Selbsthilfe. Der Coach ist kein persönlicher Assistent, der Ihnen konkrete Arbeitsschritte abnimmt, und auch kein Mentor, der zwingend aus demselben Arbeitsumfeld stammen muss wie Sie und dessen Aufgabe es ist, Sie in die jeweiligen Branchengepflogenheiten einzuführen oder als Türöffner zu fungieren. Der Coach ist kein universaler Problemlöser, sondern steht Ihnen bei der Findung von Problembewältigungs- und persönlichen Entwicklungsstrategien beratend zur Seite, coacht Sie also hauptsächlich hinsichtlich von Prozessen, deren Umsetzung Sie letztlich selbst leisten müssen. All das ist nur möglich auf der Grundlage eines freiwilligen und vertrauensvollen Verhältnisses zwischen Coach und Coachee.
Definieren Sie Ihren Anspruch an den Coach und das Coaching und fragen Sie sich gegebenenfalls, ob das Coaching für Ihr aktuelles Problem die beste Strategie ist. Entscheiden Sie sich dafür, wählen Sie Ihren Coach sorgfältig aus: Eine funktionierende und tragfähige Beziehung zwischen Coach und Coachee ist Voraussetzung für den Erfolg!
Coaching: Die Checkliste
- Definieren Sie Ziele und Erwartungen bereits vor Aufnahme des Coachings und achten Sie darauf, dass diese in den Coaching-Plan einfließen!
- Widmen Sie der Suche nach einem geeigneten Coach ruhig etwas Zeit – es ist wichtig, dass Sie zu der fraglichen Person ein tragfähiges Vertrauensverhältnis etablieren können!
- Als erfolgreiche Führungskraft sollten Sie bei der Auswahl Ihres Beraters besonders viel Sorgfalt walten lassen – nicht alle Anbieter sind mit den besonderen Erfordernissen Ihrer Situation vertraut. Wenden Sie sich evt. an einschlägige Berufsverbände!
- Vorsicht beim Vorgesetzten-Coaching: Oft überwiegen die Nachteile die Vorteile.
- Machen Sie sich auch die Grenzen eines Coachings bewusst und überlegen Sie, ob Sie ganz oder ergänzend auf andere Hilfs- und Beratungsangebote zurückgreifen sollten!
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