Berufseinstieg als Herausforderung (2): Tipps für Absolventen und Unternehmen

Abschlusszeugnis in der Tasche und noch kein Arbeitsvertrag in Sicht? Mit diesem Problem sind Sie nicht allein: Der Übergang von der Ausbildung ins Berufsleben ist heute schwieriger als noch vor wenigen Jahren, selbst Hochschulabschluss, herausragende Noten und Auslandserfahrung sind keine Garantie mehr für den Traumjob. Die Einstiegsphase kann daher nicht nur anstrengend, sondern auch ein Dämpfer für das eigene Selbstvertrauen sein: Wer erlebt schon gerne Rückschläge in Form von Absagen? Hier gilt es, Mut und Motivation nicht zu verlieren, einen “langen Atem” zu haben und gleichzeitig alle Wege zu nutzen, die die Chancen auf die ersehnte Einstiegsposition erhöhen. Im ersten Teil unserer Praxistipps zum Thema Berufseinstieg haben wir bereits einige Alternativen zum Klischee des ewigen Praktikanten aufgezeigt. Im zweiten und letzten Teil haben wir weitere Anregungen zusammengetragen, doch auch Unternehmen finden hier gute Gründe, die für die Youngster am Arbeitsmarkt sprechen – und Sie als Berufsanfänger Argumentationshilfen, die Ihren Traumarbeitgeber überzeugen!

5. Selbständigkeit: Echte Alternative oder Sackgasse?

Bestimmte Berufsgruppen arbeiten traditionell eher freiberuflich. Eine Festanstellung als TV-Drehbuchautor ist zum Beispiel eher die Ausnahme. Die Zahl der selbständig Beschäftigten wächst jedoch in allen Branchen: Auch IT-Spezialisten, Übersetzer oder Wirtschaftsberater tendieren zunehmend zur eigenen Firma. Bei einigen ist der Schritt eine bewusste Entscheidung, bei Anderen eine Verzweiflungstat vor dem Gang zum Arbeitsamt. Ist das empfehlenswert, oder gar ein Minus im Lebenslauf? Grundsätzlich gilt, dass jede Chance, praktische Erfahrung zu erwerben, besser ist als Leerlauf und damit genutzt werden sollte. Die Selbständigkeit ist dafür gut geeignet, gleichzeitig beweisen Sie Initiative, knüpfen Kontakte und erwerben sich Referenzen sowie Kenntnisse in Betriebswirtschaft und Eigenmarketing. Die Nachteile sind schnell zusammengefasst: Zumindest am Anfang ist die Arbeitsbelastung hoch und das Einkommen unsicher.

Eine freiberufliche/selbständige Tätigkeit kann eine Alternative sein, wenn Einstiegsmöglichkeiten fehlen. Wägen Sie jedoch sorgfältig ab: Sind Sie dafür geeignet? Können Sie sich gut selbst motivieren und organisieren? Und vor allem: Handelt es sich für Sie um eine Übergangslösung, oder sehen Sie sich langfristig als Unternehmer? Klären Sie diese Punkte unbedingt, bevor Sie sich in das Abenteuer Selbständigkeit stürzen!

6. Kontakte: Ein Muss für Anfänger!

Dieser Punkt gilt grundsätzlich für alle Berufstätigen in jeder Phase ihres Erwerbslebens, ganz besonders jedoch für Einsteiger: Kontakte sind Ihre Eintrittskarte in die Arbeitswelt! Nutzen Sie berufliche und private, virtuelle und reale Netzwerke unbedingt aus, denn die überwältigende Mehrzahl von zu besetzenden Positionen gehen an jemanden, den der Arbeitgeber bereits kennt oder der von einem Mitarbeiter empfohlen und so “ins Boot geholt” wird. Netzwerke sind das Herzstück Ihres Selbstmarketings, die zeitliche Investition in sie lohnt sich deshalb unter Umständen mehr als hunderte von Bewerbungsschreiben.

Nehmen Sie jede Gelegenheit war, Kontakte zu knüpfen und sich dabei kurz und überzeugend zu präsentieren. So suchen sie nicht nur nach Arbeit, sondern eröffnen sich die zusätzliche Chance, dass die Arbeit Sie findet – dann nämlich, wenn man Sie bereits kennt und sich an Sie erinnert!

7. Unternehmen 1: Was bieten Berufseinsteiger?

Ein breites Bündnis für junge Arbeitnehmer, das analog zu Beschäftigungsinitiativen für Ältere eigentlich wünschenswert wäre, gibt es bislang noch nicht. Viele Unternehmen sind zwar trotz Krise bereit, in die Aus- und Weiterbildung von Berufsanfängern zu investieren – etwa über Trainee-Programme. Dennoch fehlen zahlreiche Einstiegsstellen. Es ist absehbar, dass das für Arbeitgeber früher oder später zum Problem werden wird, weil Nachwuchs fehlt. Einsteigern fehlt zwar die Erfahrung, dafür verfügen sie über eine dem aktuellsten Stand entsprechende Ausbildung und sind dazu hoch motiviert, ihr Können unter Beweis zu stellen. Für Unternehmen gilt Ähnliches wie bei der Beschäftigung von älteren Arbeitnehmern:

Führen Sie sich die spezifischen Stärken und Vorteile junger Fachkräfte vor Augen. Als Unternehmen profitieren Sie davon ebenso wie von der Erfahrung Ihrer “Veteranen”: Die Mischung aus Beidem ist ein klarer Wettbewerbsvorteil für Sie!

8. Unternehmen 2: Talente entdecken und fördern

Talentmanagement wird im Kampf um die “fähigsten Köpfe” für viele Unternehmen zum unverzichtbaren Bestandteil ihrer Personalpolitik: Der Konkurrenzkampf um die Hoffnungsträger von Morgen hat längst begonnen. Dabei geht es nicht nur um fachliche Qualifikation, sondern auch um persönliche Stärken, Führungsqualitäten und vieles mehr. Die gute Nachricht für Unternehmen: Für viele Nachwuchskräfte steht das Spitzengehalt längst nicht mehr an erster Stelle der Wunschliste an den Arbeitgeber – wichtiger sind ihnen berufliche und persönliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten, interessante Arbeitsfelder und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, zum Beispiel durch flexible Arbeitszeiten oder die Möglichkeit, bestimmte Aufgaben von zu Hause aus zu erledigen.

Lebensgefühl und Selbstverständnis der heutigen Absolventengeneration bieten für Unternehmen optimale Chancen, sich als Traum-Arbeitgeber zu positionieren und so im Wettbewerb um die besten Bewerber die Nase vorn zu haben! Während ältere Arbeitnehmer materiellen Wohlstand und Sicherheit oft über die eigene Arbeitszufriedenheit stellen, stehen bei Einsteigern Neugier, Risikofreude, der Wunsch nach beruflicher Erfüllung und die Suche nach Herausforderungen im Vordergrund – davon profitieren auch Sie!

Berufseinstieg, Teil 2: Die Checkliste

  • Netzwerke sind ein Muss – knüpfen und pflegen Sie Kontakte!
  • Wägen Sie die Vor- und Nachteile einer selbständigen Tätigkeit sorgfältig ab, ehe Sie Ihren Business-Plan schreiben!
  • Es ist zwar leichter gesagt als getan, muss aber dennoch immer wieder betont werden: Nehmen Sie Rückschläge und Absagen niemals persönlich! Noch nie war der Konkurrenzkampf um qualifizierte Positionen so hoch, oft gibt es mehrere Hundert Bewerber  – eine erfolglose Bewerbung ist keine Abwertung Ihres Könnens!
  • Genau wie im Arbeitsleben benötigen Sie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit und Entspannung, um in der anstrengenden Einstiegsphase leistungsfähig zu bleiben. Auch wenn es mit dem Traumjob noch nicht geklappt hat: Gönnen Sie sich kleine Belohnungen und Auszeiten, in denen Sie etwas für sich und ihr Wohlbefinden tun. Halten Sie sich vor Augen: Sie bemühen sich und tun, was Sie können!
  • Für Arbeitgeber: Junge Mitarbeiter bringen – genau wie ältere – ganz besondere und individuelle Fähigkeiten mit. Nutzen Sie diese Ressource: Die Zukunft ihres Unternehmens hängt davon ab!
  • Die Ziele und Werte der jungen Generation helfen Ihnen, die besten Nachwuchskräfte für Ihr Unternehmen zu gewinnen. Für viele junge Menschen sind interessante Perspektiven wichtiger als die Zahl auf dem Gehaltszettel – machen Sie sich diese Wünsche bei Ihrer Personalpolitik zu Nutze!

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