Vertrauen ist besser: Führung und Fairness
Die Entwicklung eines persönlichen, unverwechselbaren Führungsstils gehört zu den größten Herausforderungen, denen sich angehende Führungskräfte stellen müssen – und auch erfahrene Chefs müssen Ihre Führungskunst regelmäßig auf den Prüfstand stellen und anhand des Ergebnisses auf Praxistauglichkeit überprüfen. Aktuelle Experimente zeigen, dass immer noch viele Führungskräfte von einem grundlegend falschen Menschenbild ausgehen – und auf dessen Basis sowie aufgrund eigener Unsicherheiten, autoritäre Verhaltensweisen entwickeln, die das Erreichen von Unternehmenszielen gefährden. Lesen Sie, wie Sie mit Hilfe von Forschungsergebnissen aus der jungen Disziplin der Neuroökonomie die größten “Führungsfallen” vermeiden und Ihren Erfolg nachhaltig sichern!
1. Verabschieden Sie sich vom “Homo oeconomicus”!
Das Bild des eigennützig und egoistisch handelnden, nur auf den eigenen Vorteil bedachten Menschen prägte über lange Zeit die Führungslehre. Die Grundannahme: Alle wollen mit dem kleinstmöglichen Aufwand den maximal möglichen Gewinn erzielen. Von dieser Prämisse müsse man als Führungskraft ausgehen. Die Folgerung: Mitarbeiter müssen kontrolliert, sogar mit Sanktionen bedroht werden, damit sie für Ihren Lohn die maximale Arbeitsleistung erbringen, was sie freiwillig nicht tun würden – ganz nach dem Motto “Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.” Diese Vorstellung halten Verhaltensforscher für nicht mehr zeitgemäß – der moderne Wirtschaftsmensch, so ihre These, bewertet Fairness, Vertrauen und sozialverantwortliches Miteinander höher als kurzfristige Profitmaximierung.
Lösen Sie sich von formelhaften und vereinfachenden Vorstellungen: Ihre Mitarbeiter werden nicht allein von materiellen Anreizen angetrieben. Vertrauen, Respekt und fairer Umgang sind nachweislich Erfolgsfaktoren eines zeitgemäßen Führungsstils.
2. Vertrauen und Führung
Misstrauen – das fand eine Gruppe um den Bonner Professor Armin Falk heraus – zerstört die Motivation von Mitarbeitern nachhaltig. Falk schrieb bereits seine Diplomarbeit zum Thema “Ökonomie und Vertrauen” und plädiert seither dafür, den Menschen wieder ins Zentrum wirtschaftswissenschaftlicher Theorien zu stellen. Der Psychologe Gerd Gigerenzer vertritt in seinem Buch “Bauchentscheidungen” ebenfalls die Ansicht, der Mensch in der Wirtschaft sei kein rationaler Profitmaximierer, sondern ein emotional handelndes Subjekt. Eine Wirtschaft ohne Vertrauen, so beide Forscher, könne gar nicht funktionieren – Kunden müssen Banken vertrauen, Unternehmen ihren Kunden und umgekehrt, sonst gäbe es keine Geschäfte. Auch in Sachen Führung ist Vertrauen der Schlüssel zum Erfolg, der Aufbau vertrauensvoller Mitarbeiterbeziehungen ein Kapital, das Unternehmen stark macht für die Herausforderungen des modernen Marktes.
Der Ansatz “Führen mit Vertrauen” gilt immer mehr als zukunftsweisendes Konzept der Wirtschaftslehre – setzen Sie sich eingehend mit dem Menschenbild auseinander, das ihm zugrunde liegt, und lassen Sie sich bei der Prägung Ihres Führungsstils davon inspirieren!
3. Unfaire Behandlung macht krank
Armin Falk konnte unter anderem nachweisen, dass als nicht leistungsgerecht empfundene Bezahlung oder andere Formen von Ungerechtigkeit bei Mitarbeitern physische Reaktionen wie etwa eine erhöhte Herzfrequenz hervorrufen und damit das Potential haben, stressbedingte Krankheiten auszulösen. Ein anderes Rollenspiel zeigte, dass das Leistungsniveau höher lag, wenn rigide Arbeitspensum- und Zeitvorgaben fehlten und die Mitarbeiter die Abläufe selbst strukturierten. Gehen Sie davon aus, dass Fairness und die Einforderung eigenverantwortlichen Handelns sich bezahlt macht – in Form gesunder, motivierter und engagierter Mitarbeiter.
Ein partnerschaftlicher und fairer Führungsstil ist am ehesten geeignet, Ihren Führungserfolg zu sichern. Versetzen Sie sich in die Situation Ihrer Mitarbeiter: Was würde Sie eher motivieren, sich zu engagieren – Vertrauen und Respekt oder starre Arbeitsvorgaben und Kontrolle?
4. Partner ist nicht gleich Kumpel
Einige dieser Erkenntnisse sind seit längerem bekannt. Gerade Nachwuchsführungskräfte suchen Orientierungshilfen für Ihren persönlichen Führungsstil – und neigen dabei mitunter dazu, auf Basis der genannten modernen Ansätze ins gegenteilige Extrem zu verfallen, sprich einen dezidiert antiautoritären Laissez-faire-Stil zu pflegen. Obwohl einzelne Elemente eines solchen Stils Eigenverantwortung und -initiative fördern können, zeigen Untersuchungen, dass Mitarbeiter sich eher allein gelassen fühlen, kein Wir-Gefühl entwickeln und ebenfalls zu Resignation, Demotivation und mangelnder Kommunikation untereinander neigen wie unter einem “autoritären” Chef. Ihre Mitarbeiter erwarten Fairness – aber auch Klarheit, Transparenz und konstruktive Kritik. Vermitteln Sie Ihnen das Gefühl, dass sie Ernst genommen werden.
“Partnerschaftlicher Führungsstil” ist nicht zu verwechseln mit einer bedingungslosen Wohlfühlatmosphäre ohne Kritik, Konfliktmanagement oder Zielvorgaben. Als Führungskraft beraten, leiten und schlichten Sie, schaffen Zusammengehörigkeitsgefühl und Motivation – halten Sie unbedingt und jederzeit die Balance zwischen “Partnerschaft” und “Führung”.
5. Transparenz – gerade in Zeiten des Umbruchs unerlässlich
Psychologe und Autor Gigerenzer beschreibt ein gesellschaftliches Problem, dass sich im Wirtschaftsleben fortsetzt, folgendermaßen: “Statt jungen Menschen beizubringen, dass nichts in dieser Welt sicher ist – außer der Tod und die Steuern – lassen wir sie in der Illusion, dass es null Risiko gebe.” Er plädiert für einen offenen und transparenten Umgang mit Unsicherheiten und Risiken: Diese sollten kommuniziert, nicht klein geredet und abgewiegelt werden. Nur so werde Vertrauen geschaffen. Er bezieht sich dabei hauptsächlich auf den Umgang von Banken mit Anlagerisiken, doch auch für Führungskräfte ist diese Leitlinie von enormer Bedeutung – gerade in Zeiten großer Unsicherheit und regelmäßiger Umstrukturierungen.
Entmündigen Sie Ihre Mitarbeiter nicht, indem Sie Ihnen unangenehme Wahrheiten wie Umstrukturierungen und Rationalisierungen verschweigen. Schaffen Sie Vertrauen auch, indem Sie Risiken und Probleme ganz klar kommunizieren – nichts lähmt Produktivität und Leistung mehr als Gerüchte über bevorstehende Änderungen, ohne dass aus der Führungsetage klare Signale kommen.
Vertrauen und Führung: Die Checkliste
• Stellen Sie das Menschenbild herkömmlicher ökonomischer Theorien auf den Prüfstand. Der moderne Wirtschaftsmensch denkt nicht mehr nur in Kategorien kurzfristiger Nutzenmaximierung!
• Vertrauen, Fairness, Wir-Gefühl, Motivation: Machen Sie sich die Eckpfeiler zeitgemäßer Führungslehre zunutze, um erfolgreich zu führen!
• “Mehr Demokratie wagen” – diese Maxime des ehemaligen Kanzlers Willy Brandt hat die moderne Bundesrepublik geprägt. Wagen auch Sie mehr Demokratie und weniger Kontrolle, lassen Sie Mitarbeitern Freiräume in Zeit- und Arbeitsplanung und werten Sie die Ergebnisse unvoreingenommen aus!
• Verwechseln Sie einen vertrauensvollen und partnerschaftlichen Führungsstil keinesfalls mit der Abwesenheit jeglichen Führungsverhaltens!
• Setzen Sie auf Transparenz und klare Kommunikation, insbesondere in kritischen Situationen. Sie laufen sonst Gefahr, das Leistungspotential Ihrer Mitarbeiter durch Unsicherheit und Angst bedeutend herabzusetzen!
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