Lebensalter und Beruf: Senioren-Arbeitsmarkt als Herausforderung
Es ist eine der Errungenschaften unserer Zeit, dass wir nicht nur länger leben, sondern auch im hohen Alter gesünder und leistungsfähiger sind als frühere Generationen. Während es noch vor 150 Jahren keine Selbstverständlichkeit war, die eigenen Enkel aufwachsen zu sehen, ist ein aktives Leben im Alter heute möglich und in wachsendem Maße auch erforderlich. Damit unser bestehendes Renten- und Generationenvertragssystem bestehen bleiben und unser Lebensstandard erhalten werden kann, erhöht sich mit der Lebenserwartung auch die für jeden Einzelnen veranschlagte Lebensarbeitszeit. Jenseits wirtschaftlicher Erwägungen wünschen sich viele ältere Arbeitnehmer über das Pensionsalter hinaus ein erfülltes Berufsleben. Drei Jahre lang hat die Arbeitsgruppe “Altern in Deutschland” sich mit dafür notwendigen Veränderungen befasst. Lesen Sie, zu welchen Ergebnissen die Experten kamen – und wie Sie sie praktisch umsetzen können!
1. Lebenslanges Lernen: Kein Ideal, sondern ein Muss!
Aufgrund des demographischen Wandels, aber auch aufgrund von Veränderungen im Arbeitsleben, die sich immer rascher vollziehen, geht die klassische Dreiteilung eines Erwachsenenlebens – Ausbildung, Erwerbsarbeit, Ruhestand – heute nicht mehr auf. Die Übergänge zwischen den Phasen werden zunehmend verwischt, und kaum jemand arbeitet noch 40 Jahre lang in ein- und demselben Beruf oder gar im selben Unternehmen. Um dieser Situation gerecht zu werden, ist regelmäßige fachliche und persönliche Weiterbildung kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit, um den Anschluss zu halten.
Bleiben Sie in Sachen Weiterbildung stets am Ball! Nutzen Sie unternehmensinterne Angebote, schauen Sie jedoch auch über den Tellerrand und ergreifen Sie die Initiative!
2. Seniorenfreundliche Unternehmen – eine Ausnahme?
Betrachtet man die aktuelle Situation in Deutschland, so lautet die Antwort leider “ja”. Eine gute Nachricht gibt es aber trotzdem: In den letzten Jahren ist in dieser Hinsicht ein Umdenken zu beobachten, einige Unternehmen haben die Vorteile gemischter Belegschaften aus älteren und jüngeren Arbeitnehmern erkannt und nutzen Angebote des Bundes und der Länder, entsprechende Modelle zu fördern. Maßnahmen, die seniorenfreundliche Betriebe auszeichnen, reichen von speziellen Weiterbildungsangeboten bis zu Anpassungen von Arbeitszeit und -leistung an das Alter des Arbeitnehmers.
Wenden Sie sich an Ihre lokale 50plus-Stelle oder an entsprechende Einrichtungen der Arbeitsagentur: Dort können Sie mühelos in Erfahrung bringen, welche Arbeitgeber an Programmen für ältere Arbeitnehmer teilnehmen!
3. Erwerbsarbeit und gesellschaftliches Engagement
Das Leben besteht nicht nur aus beruflicher Arbeit, sondern auch aus einer aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Damit der demographische Umbruch, in dem wir uns befinden, erfolgreich bewältigt werden kann, müssen seniorenfreundliche Arbeitsangebote von der Ausnahme zur Selbstverständlichkeit werden. Dafür können gerade Betroffene überzeugend werben – im Unternehmen selbst, in den Medien, in Interessengruppen und in der Politik.
Mischen Sie sich in die Erarbeitung von Rahmenbedingungen für ältere Arbeitnehmer ein, machen Sie konkrete Vorschläge, üben Sie Kritik! Haben Sie Vertrauen in Ihre Fähigkeiten und Kompetenzen – Sie werden gebraucht, und Jüngere können von Ihnen lernen!
4. Selbstbild: Verabschieden Sie sich von den großen Alters-Irrtümern!
Was ist dran an Aussagen wie “Ältere lernen langsamer, sind weniger produktiv, tun sich schwer mit technischen Innovationen usw.?” Die Antwort ist eindeutig: Überhaupt nichts. Zum einen verliert das kalendarische Alter mit steigender Lebenserwartung immer mehr an Bedeutung; an seine Stelle rückt ein “individuelles Alter”, das maßgeblich bestimmt wird durch kulturelle, persönliche und gesundheitliche Faktoren. Nichts spricht dafür, dass ein Siebzigjähriger automatisch “alt” im Sinne von weniger leistungsfähig oder aktiv ist. Zum anderen lernen ältere Menschen oft anders als jüngere, aber keinesfalls weniger oder weniger schnell. Erwiesenermaßen verfügen sie auch über höher entwickelte “soft skills” und ein Maß an Arbeits- und Lebenserfahrung, das sie für bestimmte Aufgabenbereiche überhaupt erst qualifiziert. Denken Sie einen Moment über die Führungskräfte nach, die in Deutschland das politische und wirtschaftliche Leben maßgeblich prägen: Die meisten von ihnen sind älter als 50.
Bauen Sie ein positives Selbstbild auf, das sich an der Realität einer modernen Gesellschaft und nicht an überholten Klischees orientiert. Erarbeiten Sie gegebenenfalls mit Hilfe eines qualifizierten Coachs einen Überblick über Ihre Qualifikationen und Kompetenzen und einen Handlungsplan für mögliche Ergänzungen: Sie werden staunen, wie viele Fähigkeiten Sie bereits besitzen, die Jüngere erst noch erwerben müssen!
5. Innerbetriebliches Age-Management: Zukunftsweisendes Konzept
Eine der Forderungen der eingangs zitierten Arbeitsgruppe lautet, in Unternehmen ein Age-Management zu implementieren, um Gesundheitsförderung, Weiterbildung, Integration und Personalarbeit für Mitarbeiter aller Altersgruppen zu optimieren. Dafür gibt es kaum Präzedenzfälle – Führungskräfte und Arbeitnehmer aller Altersgruppen sind also angehalten, Pionierarbeit zu leisten. Erste Schritte können die Ernennung eines Age Management-Beauftragten oder die Bildung einer Arbeitsgruppe sein, die ganz konkrete Vorschläge erarbeitet.
Egal, wie alt Sie sind und welche Position Sie im Unternehmen einnehmen: Der demographische Wandel betrifft Sie. Überlegen Sie, wie Sie aus Ihrer aktuellen Situation heraus den notwendigen Wandel mit auf den Weg bringen können. Nur so kann er gelingen und das Absinken unseres Lebensstandards, das bei einer Aufrechterhaltung des Status quo unvermeidlich wäre, verhindert werden!
Senioren und Beruf: Die Checkliste
• Aus gutem Grund oft wiederholt: Die Bedeutung von Weiterbildung kann nicht überbetont werden. Halten Sie sich in jeder Lebensphase fachlich und persönlich auf dem Laufenden!
• Suchen Sie gezielt nach Unternehmen, die bereits auf Belegschaften mit unterschiedlichem Lebensalter setzen!
• Bringen Sie sich aktiv in die Gestaltung Ihres Arbeitsplatzes, Ihrer Arbeitszeitvorgaben usw. ein – aber auch in die gesamtgesellschaftliche Debatte zur Umsetzung des demographischen Wandels!
• Ein positives Selbstbild ist grundsätzlich eine Voraussetzung für Erfolg: Das gilt auch für ältere Arbeitnehmer. Erinnern Sie sich stets daran, was Sie jüngeren voraus haben und was Sie leisten!
• Eine einheitliche Management-Strategie hilft, bestimmte Vorgaben verbindlich umzusetzen. Age-Management muss erst noch geschaffen werden – je mehr sich an der Erarbeitung von Leitlinien und Handlungsanweisungen beteiligen, desto höher sind die Erfolgschancen!
Rufen Sie uns an