Headhunting: Wie Bewerber dem Zufall nachhelfen können
Jeder, der schon mal auf Arbeitssuche war, kennt das Procedere: Stellenanzeige suchen, ansprechende Bewerbungsmappe zusammenstellen, mit etwas Glück auch tatsächlich zum Bewerbungsgespräch eingeladen werden und mit noch mehr Glück einen Arbeitsvertrag unterschreiben – das ist der klassische Weg zum Job. Oder? Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit wecken Zweifel: Weniger als 10% aller derartigen Bewerbungsverfahren führen für den Bewerber zum Erfolg. Unternehmen gehen oft andere Wege, um geeignete Kandidaten zu identifizieren und zu gewinnen. Stellen Sie sich doch mal Folgendes vor: Nicht Sie bewerben sich bei Ihrem Traumarbeitgeber, sondern ein von ihm beauftragter Headhunter meldet sich bei Ihnen. Unerfüllbarer Wunschtraum? Keineswegs – wir verraten, was Sie tun können, um die Aufmerksamkeit der professionellen Personalwerber zu erregen.
1. Geworben werden: Kein Zufall!
Vielen Menschen betrachten den Anruf eines Headhunters als eine Art Lottogewinn: Einerseits erstrebenswert, andererseits nicht im Geringsten beeinflussbar. Wer kann schon die mystischen Kriterien erraten, nach denen Personalberater Kandidaten auswählen? Dieser weit verbreitete Glaube zählt zu den populärsten Irrtümern des Arbeitslebens. Schicksalsergeben auf das ersehnte Angebot zu warten, ist nicht nur frustrierend, sondern verspricht auch wenig Aussicht auf Erfolg: Sie selbst müssen – und können – die Aufmerksamkeit der “Jäger” wecken.
Warten Sie nicht länger auf Zufall oder Glück – nehmen Sie Ihre Karriereplanung selbst in die Hand. Machen Sie sich klar, dass Sie Einfluss auf Ihre Attraktivität für Unternehmen und Headhunter haben, und planen Sie Ihr Vorgehen dementsprechend!
2. Bewerben beim Headhunter – aber richtig
In Deutschland gibt es fast 2000 registrierte Personalberatungsunternehmen. Einige arbeiten branchenübergreifend, viele haben sich jedoch spezialisiert – auf technische oder wirtschaftliche Berufe, PR-Spezialisten, wissenschaftliches Personal oder Führungskräfte. Es ist also wichtig, sich zunächst über Berufsverbände oder Online-Portale zu informieren, bei welchem dieser Unternehmen eine Bewerbung überhaupt Sinn macht. Ist die richtige Personalberatung gefunden, sollten Sie sich nach den üblichen und erwünschten Bewerbungsmodalitäten erkundigen: Online oder gedruckt? Kurzlebenslauf oder vollständige Mappe mit Zeugnissen? Indem Sie sich vorab informieren, stellen Sie sicher, dass Ihre Bewerbung nicht schon an formalen Kriterien scheitert.
Investieren Sie ruhig etwas Zeit und Sorgfalt in die Suche nach dem “richtigen” Headhunter. Im Zweifelsfall ist diese Zeit besser investiert, als es der Aufwand für zahllose Bewerbungen wäre, die schon deshalb keine Aussicht auf Berücksichtigung haben, weil das Unternehmen z.B. nur Wirtschaftsingenieure oder nur erfahrene Arbeitnehmer vermittelt!
3. Selbstmarketing mit Initiativbewerbungen
Noch ein populärer Irrtum: Initiativbewerbungen haben keinerlei Erfolgsaussichten, wirken aufdringlich und sorgen höchstens für Irritation, weil sie Mehrarbeit für Personalabteilungen bedeuten. Stimmt nicht, sagen erfahrene Headhunter: Bei Personalberatern kann man sich mit einer Initiativbewerbung sogar optimal positionieren. Zwischen hundert und mehreren tausend solcher Bewerbungsmappen erhalten Beratungsunternehmen Jahr für Jahr. Keine davon wird weggeworfen, alle Dokumente werden sorgfältig aufbewahrt und immer wieder mit Suchaufträgen von Unternehmen abgeglichen. Während eine konventionelle Ausschreibung in wenigen Wochen mit der Besetzung der Stelle endet, haben Bewerber so eine Chance auf Berücksichtigung, wenn eine Position frei wird, die zu ihrem Profil passt.
Denken Sie langfristig: Wenn Sie aktuell zu keinem Job passen, wird irgendwann ein Job ausgeschrieben, der zu Ihnen passt. In diesem Moment sollten Sie den Personalberatern bereits bekannt sein – es lohnt sich also immer, sich mit Hilfe einer Eigenbewerbung zu empfehlen, auch wenn keine konkrete Ausschreibung vorliegt!
4. Das richtige Profil: Berufserfahrung und Spezialisierung
Die schlechte Nachricht für Hochschulabsolventen: Berufsanfänger haben einen schweren Stand bei Headhuntern, die oftmals mit der Besetzung von Fach- und Führungspositionen betraut werden, für die Berufserfahrung ein Muss ist. Die gute Nachricht: Neben Berufserfahrung ist auch Spezialwissen ein interessantes Kriterium für Unternehmen – durch branchenspezifische Weiterbildungen, Traineeships, qualifizierte Praktika oder Auslandsaufenthalte können auch ambitionierte Nachwuchskräfte ihre Chancen erhöhen, ins Blickfeld der Headhunter zu rücken.
Optimieren Sie Ihr Profil mit Hilfe einer Bestandsanalyse, und erstellen Sie einen Handlungsplan: Was habe ich? Was will ich erreichen? Was fehlt mir dafür, was muss ich ergänzen? Stellen Sie Personalberatern Fragen – so erfahren Sie, wie Sie Ihre Chancen erhöhen können!
5. Mauerblümchen haben schlechte Karten: Kontakte als Erfolgsfaktor
Auch eine perfekt inszenierte Vorstellung wird vor leeren Zuschauerrängen stattfinden, wenn sie nicht entsprechend beworben wird. Das Gleiche gilt für Bewerberprofile: Sie können die richtige Ausbildung mit Topnoten absolviert haben, die gewünschten Fremdsprachenkenntnisse, Auslandserfahrungen, Zusatzqualifikationen und persönlichen Fähigkeiten mitbringen, die Unternehmen und Headhunter suchen: Wenn keiner Sie kennt, kann man Ihnen den Job nicht anbieten – egal, wie perfekt Sie dafür geeignet sind. Bescheidenheit ist zwar eine Zier, in Sachen Karriereplanung aber fehl am Platz.
Selbstmarketing ist alles. Positionieren Sie sich, wann immer sich die Gelegenheit bietet! Werden Sie Mitglied in Business Networks, besuchen Sie Recruiting-Messen, knüpfen Sie persönliche Kontakte – kurz: Sorgen Sie dafür, dass man sich an Sie erinnert, wenn es darauf ankommt!
Headhunting und Recruiting: Die Checkliste
- Verharren Sie nicht in Abwartungshaltung und Passivität – nehmen Sie aktiv Einfluss auf Ihre Karriereplanung!
- Recherchieren Sie sorgfältig, welche Personalberatungen in Ihrer Branche Kandidaten mit Ihrem Hintergrund, Ihrem Ausbildungs- und Erfahrungsniveau vermitteln!
- Eine kurze, attraktive Eigenbewerbung ist eine ideale Visitenkarte, die sich auszahlen kann, wenn jemand mit Ihrem Profil gesucht wird. Geduld sollten Sie allerdings mitbringen: Diese Strategie ist unter Umständen keine schnelle Lösung, die in zwei Wochen zum Traumjob führt.
- Überlegen Sie genau, was Sie haben und was Sie benötigen, um Ihre gesetzten Ziele zu erreichen. Ergänzen und optimieren Sie vorhandene Kompetenzen!
- Selbstpräsentation über Kontakte ist ein wichtiger Bestandteil Ihrer erfolgreichen Karriereplanung. Suchen Sie vor allem auch die persönliche Begegnung auf entsprechenden Recruiting-Messen o.ä. – Online-Netzwerke sind heute eine sinnvolle Ergänzung, aber kein Ersatz für ein persönliches Kennenlernen!
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