Berufseinstieg als Herausforderung: Tipps für Absolventen und Unternehmen

Die angespannte Arbeitsmarktlage macht Berufseinsteigern zu schaffen, und das nicht erst seit der jüngsten Konjunkturflaute. Oft müssen sich junge Arbeitnehmer mit befristeten Verträgen, Zeitarbeit oder mager entlohnten Praktika abfinden. Galt eine Hochschulausbildung bis vor kurzem als wirksamer Schutz vor Arbeitslosigkeit, zeigten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit im Oktober erstmals eine andere Entwicklung: Auch und gerade Hochqualifizierte sind vom Jobabbau betroffen, der Direkteinstieg ins Berufsleben nach Ende der Ausbildung ist keine Selbstverständlichkeit mehr. So weit die schlechten Nachrichten. Doch Berufseinsteiger können einiges tun, um ihre Einstiegschancen zu verbessern. Lesen Sie in Teil 1 unserer Praxistipps zum Thema Berufseinstieg, wie Sie den Karrierestart mit Energie und Zuversicht erfolgreich angehen!

1. Von wegen Generation Praktikum: Durchstarten als Trainee

Viele Absolventen machen den Fehler, zu hoch oder zu tief zu stapeln: Sie verkaufen sich entweder in mehreren Praktika nacheinander, oder sie bewerben sich auf Stellen, die ohne Berufserfahrung gar nicht zu bekommen sind. Auch wenn Direkteinstiegspositionen, die explizit für Absolventen ausgeschrieben werden, mittlerweile selten sind, gibt es Mittelwege. Dazu zählen die Trainee-Programme großer Firmen. Sie bieten die Chance, in einem Zeitraum von 12 Monaten Berufserfahrung zu sammeln, weitere Qualifikationen zu erwerben und das Unternehmen kennen zu lernen – das alles bei einer fairen Vergütung. Für alle, die einen Ausbildungshintergrund in den Medien haben, kommen auch Volontariate bei Zeitungen oder Verlagen in Frage.

Vermeiden Sie die Praktikumsfalle! Praktika dienen dem Erwerb praktischer Erfahrungen während und kurz nach der Ausbildung – das zehnte Praktikum nach Studienende bringt Sie sicher nicht mehr weiter. Bewerben Sie sich stattdessen für qualifizierte Einstiegsprogramme!

2. Quereinstieg als Alternative

Wirtschaftsingenieur müsste man sein! Laut aktuellen Berichten handelt es sich bei dieser Qualifikation derzeit um die begehrteste in Deutschland. Wer sie besitzt, hat gute Chancen, noch vor Studienende ein konkretes Angebot zu bekommen, und von den Anfangsgehältern können viele andere Berufsgruppen nur träumen. Sie haben es deutlich schwerer: Für Journalisten, Sprachwissenschaftler oder Historiker ist es schwieriger, Fuß zu fassen. Dafür verfügen sie durch ihre Ausbildung oft über ein breites Spektrum an Kenntnissen und Fertigkeiten, die es ihnen erlauben, sich rasch auf neue Aufgaben einzustellen. Also heißt es um die Ecke denken: Im Kulturbereich – z.B. in Museen – sind Stellen in Zeiten gekürzter Budgets rar. Bei Marketing und PR sieht es anders aus – das bietet auch studierten Kultur- oder Medienwissenschaftlern Chancen. Zeitarbeit ist besser als ihr Ruf und kann Quereinsteigern gute Perspektiven eröffnen!

Fixieren Sie sich nicht auf ein Arbeitsfeld. Erstellen Sie stattdessen eine Übersicht über Ihre Kenntnisse und Fertigkeiten und überlegen Sie sorgfältig, womit Sie jenseits von dem, was im Zeugnis steht, arbeiten können – und wollen!

3. Zusatzqualifikationen, Aufbaustudium, Weiterbildung

Zurück an die Uni? Viele schrecken vor dem Gedanken zurück: Endlich ist die Ausbildung überstanden, das Berufsleben mit eigenem Einkommen und größerer Verantwortung in greifbarer Nähe. Die hoch spezialisierte Arbeitswelt unserer Zeit macht zusätzliche Qualifikationen allerdings oft unumgänglich. Immer mehr richten die Hochschulen ihr Angebot daran aus und bieten z.B. Masterstudiengänge berufsbegleitend an. Nicht immer muss es jedoch gleich ein Zusatzstudium sein – viele Qualifikationen können auch über öffentliche und private Bildungsträger im Rahmen von Seminaren erworben werden. Wichtig ist, dass Sie Ihr Ziel kennen und sich ein klares Profil geben. Sie sind Journalist und wollen in die Online-Redaktion? Dann kann die Qualifizierung als Webredakteur sinnvoll sein. Sie möchten in die Erwachsenenbildung? Vermutlich werden Sie dafür Kenntnisse in Didaktik und Psychologie benötigen. Sie möchten über Ihre fachliche Qualifikation hinaus Führungsverantwortung übernehmen? Hier helfen maßgeschneiderte Programme für Nachwuchsführungskräfte.

Definieren Sie Ihre aktuelle Position und Ihr nächstes Karriereziel für einen bestimmten Zeitraum und ergänzen Sie davon ausgehend systematisch die Qualifikationen, die Ihnen dafür noch fehlen!

4. Zeitarbeit: (K)eine Alternative?

Untersuchungen zeigen: Zeitarbeit ist besser als ihr Ruf. Lange Zeit war diese Anstellungsform als niedrig entlohnte Notlösung für Beschäftigte mit geringer Qualifizierung verschrien, viele Betroffene fühlten sich gegenüber der festen Belegschaft als “Mitarbeiter zweiter Klasse”. Die Zeitarbeit hat sich jedoch in den letzten Jahren sehr stark gewandelt und ist heute eine moderne, zeitgemäße Dienstleistung am Arbeitsmarkt. Die Anbieter wollen nicht nur ihre Kunden zufrieden stellen, sondern auch ihre Mitarbeiter. Einige von ihnen haben sich auf bestimmte Branchen oder auch auf Arbeitnehmer mit Hochschulabschluss spezialisiert und verfügen über viel bessere Kontakte als die Arbeitsagenturen. Viele Unternehmen nutzen das Arbeitsverhältnis auf Zeit, um potentielle Mitarbeiter unverbindlich kennen zu lernen, und auch Sie erhalten dadurch Gelegenheit herauszufinden, ob Sie zueinander passen. Sind beide Seiten zufrieden, ist eine Übernahme nicht ausgeschlossen.

Sehen Sie befristete Arbeitsverhältnisse nicht als Notlösung, sondern als Chance, Ihr Kontaktnetz zu erweitern sowie Arbeitsfelder und Unternehmen kennen zu lernen: Viele dauerhafte Arbeitsverhältnisse kommen auf dem Weg über die Zeitarbeit zu Stande!

Sie sehen: Die richtige Herangehensweise hängt von unterschiedlichsten Faktoren wie Branche, Qualifikation, gewünschter Anstellungsform, persönlichen Zielen und Nachfrage ab. Wichtig ist daher eine exakte Positionsbestimmung, die zum Beispiel im Rahmen einer qualifizierten Karriereberatung erfolgen kann: Hier können Sie genau ermitteln, wo Sie hin möchten, was Sie dafür bereits mitbringen und was Sie gezielt ergänzen können. Lesen Sie im nächsten Teil, wann der Sprung in die Selbständigkeit eine lohnende Alternative sein kann und wann Sie besser davon absehen sollten, warum Ihr Kontaktnetz Ihr wichtigstes Kapital ist und welche Argumente Unternehmen überzeugen, Berufsanfängern eine Chance zu geben!

Berufseinstieg 1: Die Checkliste

  • Beschränken Sie sich nach dem Abschluss auf ein Praktikum, und suchen Sie danach Einstiegsmöglichkeiten von Trainee-Stelle bis Zeitarbeit!
  • Denken Sie quer: In welchen Branchen können Sie arbeiten? Was können Sie mit Ihren Fähigkeiten erreichen?
  • Weiterbildung ja, drei Ausbildungen aus Mangel an Arbeitsmöglichkeiten nein: Definieren Sie Ihre Ziele und qualifizieren Sie sich “mit Augenmaß” weiter, wählen Sie sorgfältig aus, welche Qualifikationen Sie benötigen!
  • Keine Scheu vor befristeten Arbeitsverhältnissen: Sie sind in aller Regel besser vergütet als Praktika und bieten Ihnen gleichzeitig eine Chance, ein Unternehmen kennen zu lernen und von Ihrer Eignung für eine längerfristige Zusammenarbeit zu überzeugen!

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