Ich bin dann mal weg: So machen Sie Ihren Auslandsaufenthalt zum Erfolg

Sie kann die Karrierechance Ihres Lebens und die Eintrittskarte in die höchste Führungsetage sein: die Auslandsentsendung. Mobilität ist vor allem in großen, international tätigen Unternehmen ein entscheidendes Kriterium für beruflichen Aufstieg. Werden Sie für einen befristeten oder dauerhaften Einsatz im Ausland ausgewählt, so ist dies immer auch ein enormer Vertrauensbeweis des Unternehmens. Man traut Ihnen zu, sich in einer ungewohnten Umgebung zu behaupten, mit Unterschieden in Arbeitskultur und -mentalität zurechtzukommen und auch unter diesen Bedingungen die Unternehmensziele erfolgreich umzusetzen. Wir verraten, was Sie außer sprachlicher Kompetenz und viel Fingerspitzengefühl noch mitbringen müssen, damit Ihr Auslandsaufenthalt ein Erfolg wird.

1. Gut vorbereitet ist halb gewonnen
Ob Indien, Russland, arabische Länder oder China: In anderen Ländern herrschen bekanntlich andere Sitten. Kulturell bedingte Unterschiede in Verhaltensmustern oder Herangehensweisen können schnell zu Kommunikationsproblemen führen, Verhandlungserfolge gefährden oder Kooperationen zunichte machen. Die Statistik zeigt, dass Unkenntnis der im Zielland herrschenden soziokulturellen Gegebenheiten der häufigste Stolperstein für internationale Projekte ist. Eine gescheiterte Auslandsentsendung aber ist kein Karriereturbo, sondern ein Misserfolg, der das Unternehmen und Ihre eigenen Perspektiven sehr belasten kann.
Deshalb gilt: Lassen Sie sich auf das “Abenteuer Ausland” nur mit dem entsprechenden interkulturellen Training ein. Erwerben Sie ein umfassendes Verständnis für die landestypische Unternehmens- und Führungskultur, für Besonderheiten im Kommunikationsstil und in der Arbeitshierarchie!

2. Expatriates und Familie
Professionelle Relocation-Unternehmen, Experten für Auslandsentsendungen und Manager mit internationaler Erfahrung sind sich einig: Die Einbeziehung der Lebenspartner und Kinder in Planung und Gestaltung des Auslandsaufenthaltes ist entscheidend für dessen Gelingen. Denn während der Betroffene in der Regel neue Erfahrungen macht, seinen Horizont erweitert und eine spannende Zeit erlebt, stellt sich die Situation für die Angehörigen oft weniger positiv dar – sie werden aus ihrem Arbeits- und Lebensumfeld gerissen, dürfen oder können nicht berufstätig sein, fühlen sich sozial isoliert. Auch für Kinder kann das neue schulische Umfeld Anpassungsschwierigkeiten und Vereinsamung mit sich bringen. Eine anstehende Entsendung sollte daher mit der Familie gründlich besprochen werden.
Überlegen Sie gemeinsam, was für Sie funktioniert: Rechtfertigt der Zeitraum der Entsendung überhaupt einen so drastischen Einschnitt, könnte man sich z. B. für ein Jahr in eine Fernbeziehung fügen? Falls nein, welche Perspektiven hat der Partner am neuen Arbeitsort? Überreden Sie nicht, respektieren Sie die Ansichten des anderen!

3. Unterstützung suchen und finden
Bereits anhand der ersten beiden Punkte wird deutlich, dass ein beruflich bedingter Auslandsaufenthalt – befristet oder unbefristet – eine komplexe Situation darstellt, in der es vieles zu beachten gilt. Einige der wichtigsten Fragen müssen von Ihrem Arbeitgeber geklärt werden – dazu zählen Art der Sozialversicherung und Besteuerung des Einkommens, Arbeitserlaubnis, Haftung usw. Andere Fragen müssen Sie sich stellen: Bin ich ausreichend vorbereitet? Wie geht es nach meiner Rückkehr beruflich weiter? Welche Aufgaben erwarten mich, welche Weiterentwicklungsmöglichkeiten? Könnte die Karriereoption auch zur Sackgasse werden? Wie lassen sich Auslandsaufenthalt und Familienleben vereinbaren?
Sie sehen: Es handelt sich um sehr vielschichtige Fragestellungen. In einer solchen Situation ist die Gefahr groß, sich zu überfordern und “den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen.” Holen Sie sich Hilfe – bei einem ausgebildeten Karrierecoach, bei einer Relocation- oder Familienberatung. Sie entscheiden, in welchen Punkten Sie Beratung brauchen!

4. Ihr Unternehmen zählt auf Sie
Auslandsentsendungen gehören zu den teuersten und verwaltungsaufwändigsten Formen des Einsatzes von Mitarbeitern. Sie können also davon ausgehen, dass ein Unternehmen sich dafür nur entscheiden wird, wenn es keinen anderen Weg gibt. Für Sie bedeutet das entweder, dass Sie Strukturen erst erschaffen müssen – etwa, weil es bestimmte Kenntnisse und Kompetenzen vor Ort noch nicht gibt – oder, dass man von Ihnen die erfolgreiche Einleitung eines Erfolg versprechenden Engagements im Zielland erwartet. Der Erwartungs- und Erfolgsdruck auf Sie als mit der Umsetzung eines solchen Ziels Betrauten ist hoch, und dementsprechend groß ist auch die Gefahr von Erschöpfungszuständen oder Burn-out, da zur Arbeitsbelastung noch die Anpassung an ein ungewohntes Umfeld kommt.
Hier gilt es, all das zu beachten, was auch sonst für Leistungsträger gilt, die stets ein hohes Niveau halten müssen: Betreiben Sie ein aktives Stress- und Zeitmanagement, beachten Sie Warnzeichen und stärken Sie Ihr Selbstwertgefühl: Würde man Ihnen den Umgang mit der Situation nicht zutrauen, hätte man Sie nicht ausgewählt.

5. Rückkehr und Wiedereingliederung
Während Sie Ihren Auslandsaufenthalt vorbereiten, haben Sie anderes im Kopf als den Gedanken an die Rückkehr. Dabei ist die Wiedereingliederung nach dem Auslandsaufenthalt eine dramatisch unterschätzte Quelle möglicher Probleme. Oft verläuft die Rückkehr in das gewohnte Leben nicht reibungslos, ist der “Kulturschock” beim Nachhausekommen größer als beim Ankommen im Ausland. Auslandserfahrene Führungskräfte kennen das Phänomen gerade nach mehrjähriger Abwesenheit: Der “Expat” hat den Kontakt zur Unternehmensstruktur verloren, kennt neue Entscheidungsträger nicht und hat Schwierigkeiten, sich wieder zurechtzufinden.
Experten raten: Bestehen Sie auf einer vertraglichen Festlegung der Entsendezeit, die maximal drei Jahre nicht überschreiten sollte, da danach die Wiedereingliederung unnötig schwierig ist! Nutzen Sie Heimataufenthalte für Selbstmarketing, Kontakt- und Netzwerkpflege – so bleiben Sie “am Ball” und erhalten den Bezug zum Unternehmensgeschehen.

Auslandsentsendungen: Die Checkliste

• Eine fundierte Vorbereitung erhöht nicht nur die Erfolgschancen, sondern reduziert auch die Gefahr stressbedingter Erschöpfung: Gehen Sie mit dem Gefühl, optimal “gerüstet” zu sein, ins Abenteuer Ausland!
• Vorbereitung ist auch in anderen Lebensbereichen entscheidend. Klären Sie Rechtliches und Familiäres, treffen Sie klare Absprachen mit dem entsendenden Unternehmen und Ihren Angehörigen!
• Holen Sie sich angesichts eines so komplexen, einschneidenden Vorganges jede Unterstützung, die Sie bekommen können!
• Verlieren Sie sich selbst nicht aus den Augen! Ihre Psyche muss Erfolgserwartungen, Anpassung an ein neues Umfeld, Verlust des sozialen Bezugsrahmens und hohe Arbeitsbelastung bewältigen – gönnen Sie sich Ruhephasen, entwickeln Sie Stressbewältigungsstrategien!
• Falls möglich, klären Sie noch vor der Entsendung die Modalitäten Ihrer Rückkehr ins Unternehmen!
• Selbstmarketing & Netzwerke: Über Ihr Fortkommen entscheidet nicht nur der Lebenslauf, sondern auch Ihre Kontakte zu Entscheidungsträgern!

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