Assessment-Center: Feuertaufe für Bewerber
Das klassische Bewerbungsgespräch wird seltener. Gerade bei anspruchsvollen Positionen bauen Personaler auf aussagekräftigere Auswahlverfahren und manchmal auf den ultimativen Härtetest für Kandidaten: Assessment-Center können Stunden oder Tage in Anspruch nehmen und von Anwärtern die Bewältigung unterschiedlichster Aufgaben fordern. Techniken, die dabei angewandt werden, reichen von Logik- und Sprachtests über Präsentationen und Rollenspiele bis hin zur Lösung einer vorgegebenen Aufgabenstellung – allein oder in der Gruppe. Jobanwärter fühlen sich durch die Ungewissheit über die bevorstehenden Aufgaben ebenso verunsichert wie durch den Prüfungscharakter der Situation. Lesen Sie, wie Sie die Hürde meistern können!
1. Stärken Sie Ihr Selbstwertgefühl!
Sie wurden zu einem Assessment-Center eingeladen – herzlichen Glückwunsch! Auch wenn es Ihnen zunächst beim Gedanken an die Dinge, die man Ihnen abverlangen wird, kalt über den Rücken läuft, sollten Sie Folgendes bedenken: Es handelt sich um ein sehr aufwändiges Verfahren, zu dem nur Anwärter eingeladen werden, die auch wirklich für die Position in Frage kommen. Bei der Vorauswahl konnten Sie also überzeugen und bereits zahlreiche Mitbewerber in den Schatten stellen.
Vergessen Sie nicht, dass Sie bereits sehr weit gekommen sind! Ein Assessment-Center soll einen Eindruck des Bewerbers ermöglichen: Lassen Sie sich also nicht entmutigen, wenn Sie in einem der verlangten Tests auf Schwierigkeiten stoßen, niemand erfüllt alle Vorgaben zu hundert Prozent!
2. Seien Sie darauf vorbereitet, Ihre Motivation darzulegen!
Bei Assessment-Centern geht es keinesfalls nur um Fachkenntnisse, auch persönliche Faktoren werden gewertet. Was verlangt die Position, auf die Sie sich bewerben, von Ihnen? Warum sind gerade Sie dafür geeignet? Was sind Ihre Ziele, wie können Sie sie mit Ihren Arbeitsaufgaben verbinden? Was sind Ihre Stärken und Schwächen? All das sind typische Fragen, mit denen Sie rechnen müssen. Hintergrundwissen zum Unternehmen und zur Branche ist selbstverständlich – so signalisieren Sie Interesse am Arbeitgeber und der Stelle.
Informieren Sie sich vorher über den geplanten Ablauf, so weit das möglich ist, und seien Sie auf Nachfragen zu persönlichen Qualifikationen ebenso vorbereitet wie auf fachliche Tests!
3. Präsentation & Moderation: Rhetorik und Körpersprache
Ein wichtiger Bestandteil des Auswahlverfahrens besteht oft in einem oder sogar mehreren Vorträgen. Dabei kann von Ihnen eine Selbstvorstellung erwartet werden, eine kurze Präsentation zu Ihren beruflichen und persönlichen Zielen oder ein Referat zu einem fachlichen Thema. Alternativ kann man Sie als Bewerber auch bitten, die Moderation eines Gruppengesprächs zu übernehmen. Hand aufs Herz: Wie steht es um Ihre rhetorischen Fähigkeiten? Fällt es Ihnen leicht, vor Publikum zu sprechen, präzise und unterhaltsam zu formulieren, oder haben Sie Nachholbedarf?
Investieren Sie gegebenenfalls etwas Zeit in einen Vorbereitungskurs – Sie werden es nicht bereuen! Da gerade Selbstpräsentationen fast immer verlangt werden, können Sie nichts falsch machen, wenn Sie eine solche vorbereiten!
4. Rollenspiele: Mythos und Wirklichkeit
Wenn von Assessment-Center die Rede ist, denken viele sofort an Rollenspiele – sie sind gewissermaßen der Bestandteil des Verfahrens und lösen oft die größte Unsicherheit aus. Bewerber erleben die Situation als potentielle Fallengrube, in der sie psychologisch bis ins letzte Detail seziert werden. Hier ist es hilfreich, sich zu vergegenwärtigen, worauf diese Technik abzielt: In Rollenspielen werden Situationen simuliert, die Ihnen bei Ihrer neuen Aufgabe begegnen könnten. Dabei kann es sich je nach Stelle um Mitarbeiter-, Kundenservice- oder Reklamationsgespräche handeln.
Stellen Sie also die Überlegungen an, die Sie auch im “Ernstfall” anstellen würden: Was ist das Gesprächsziel? Welche Problemlösungsstrategien sind sinnvoll? Wie verhalten Sie sich bei einem Konflikt? Beachten Sie Grundregeln der Gesprächsführung: Bleiben Sie sachlich und zielorientiert, beweisen Sie Einfühlungsvermögen und Konsequenz.
5. Gruppengespräche, Diskussion & Co.
Neben Präsentation und Zweiergespräch werden oft auch Diskussionen in der Gruppe angesetzt, für die dann mitunter ein kontroverses Thema ausgewählt wird. Dabei geht es natürlich um Ihre Fähigkeit, Ihren Standpunkt zu vertreten, abweichenden Meinungen sachlich zu begegnen und adäquat auf eine möglicherweise emotional aufgeladene Situation zu reagieren. Hier gilt Ähnliches wie beim Rollenspiel, doch auch inhaltliche Vorbereitung ist – so weit möglich – empfehlenswert:
Neben fach- und branchenspezifischen Fragestellungen müssen Sie auch mit einem tagesaktuellen Thema rechnen, insbesondere, wenn es Berührungspunkte mit der Branche gibt. Halten Sie sich daher in den Wochen vor dem Assessment Center gewissenhaft über das Tagesgeschehen auf dem Laufenden – der Zeitaufwand lohnt sich!
6. Das Leben danach
Ein Assessment Center birgt viele Unwägbarkeiten. Rechnen Sie mit allem: Möglicherweise wird man Sie mit Kritik zu Ihrem Lebenslauf oder mit einem komplexen Problem konfrontieren, um Ihre Reaktion auf Kritik bzw. Ihren Umgang mit schwierigen Situationen zu testen. Bedenken Sie auch, dass Sie manche Aspekte einfach nicht in der Hand haben: Persönliche Vorstellungen und Eindrücke der Beobachter etwa, oder deren eigene “Tagesform”. Denken Sie daran: Manchmal ist es möglich, alles richtig zu machen und trotzdem zu scheitern.
Bereiten Sie sich inhaltlich und persönlich so gut wie möglich vor – und lassen Sie es dabei bewenden! Sie haben getan, was Sie konnten: Gehen Sie mit dieser Einstellung an die Sache, sehen Sie in einer eventuellen Ablehnung keinen Weltuntergang oder eine Kritik an Ihren Fähigkeiten. Machen Sie sich das im Vorfeld klar, und Sie werden die Herausforderung entspannt meistern!
Assessment-Center: Die Checkliste
• Einige Unternehmen hüllen sich in Schweigen, andere kommunizieren, was geplant ist: Beschaffen Sie sich alle Informationen, die Sie bekommen können!
• Bereiten Sie sich inhaltlich, fachlich und persönlich auf die typischsten Aufgabenstellungen vor!
• Bewerberseminare erhöhen die Erfolgschancen deutlich, da Sie hier eine optimale Vorbereitung erhalten!
• Stärken Sie Ihr Selbstbewusstsein: Allein die Einladung ist eine Anerkennung Ihrer Fähigkeiten! Lassen Sie sich nicht von Rückschlägen entmutigen!
• Schaffen Sie sich ideale Rahmenbedingungen: Sorgen Sie für ausreichend Schlaf, planen Sie bei der Anfahrt eine Zeitreserve ein, tun Sie sich am Abend vor dem Tag X etwas Gutes, anstatt zu lernen, vermeiden Sie Stress!
• Achten Sie auf angemessene Kleidung und korrekte Umgangsformen – der persönliche Eindruck beeinflusst die Entscheidung des/der Auswählenden!
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