Selbstbild – Fremdbild: Feedback als Führungsinstrument
Dass die Persönlichkeit von Führungskräften der entscheidende Faktor bei der Entwicklung eines authentischen, glaubwürdigen und effizienten Führungsstils ist, ist die Kernannahme moderner Führungslehre. Starke Führungspersönlichkeiten prägen das Bild Ihres Unternehmens in der Öffentlichkeit, in den Medien, gegenüber Kunden und Geschäftspartnern. Oft wird dabei unterschätzt, dass die eigene Persönlichkeit eine Ressource ist, deren Ausschöpfung nicht selbstverständlich ist, sondern erst erlernt werden musst. Ein wichtiges Instrument in diesem Prozess ist der Vergleich von Selbst- und Fremdbild.
1. Selbstbild und Wunschbild, Eigenwahrnehmung
Jeder Mensch hat eine bestimmte Vorstellung, ein bestimmtes Konzept von sich. Dazu gehört die Einschätzung eigener Stärken und Schwächen, die beabsichtigte Wirkung auf andere sowie ein Kanon von Werten und Ideen, die wir repräsentieren und vermitteln möchten. Unser Selbstbild wird jedoch auch davon geprägt, wie wir glauben, dass unsere Umwelt uns wahrnimmt, und von dem Wunschbild, wie wir uns gerne sehen möchten. Es steuert unser Denken und unser Verhalten gegenüber Dritten.
Nehmen Sie also zunächst eine Positionsbestimmung vor. Wo befinden Sie sich? Wie sehen Sie sich, was möchten Sie vermitteln?
2. Fremdbild, Außenwahrnehmung
Das berufliche und persönliche Umfeld hat ebenfalls ein bestimmtes Bild eines Menschen – das Fremdbild. Verhaltenspsychologische Studien haben gezeigt, dass wir uns Urteile über andere oft in Sekundenbruchteilen bilden. Führungskräfte können Ihre Handlungsspielräume erheblich erweitern, indem Sie sich ihres Fremdbildes bewusst werden.
Werden Sie sich der Tatsache bewusst, dass auch andere ein bestimmtes Bild von Ihnen haben, dass Sie durch Ihr Handeln und Verhalten beeinflussen.
3. Abweichung von Selbstbild und Fremdbild
Oftmals weichen Selbst- und Fremdbild voneinander ab. Diese Diskrepanz kann im Alltag zu erheblichen Schieflagen und Problemen führen, sie ist der Kern vieler Missverständnisse, Enttäuschungen und Konflikte. Beispiel: Eine Führungskraft, die sich selbst kollegial und teamorientiert sieht und einen dementsprechenden Führungsstil praktizieren möchte, wird von Dritten stattdessen eher dominant und selbstorientiert wahrgenommen.
Machen Sie sich klar, dass Fremd- und Selbstwahrnehmung nicht immer übereinstimmen und dass hierin die Ursache vieler Kommunikations- und Motivationsprobleme liegt!
4. Feedback als Korrekturfunktion: Den „blinden Fleck“ verringern
Feedback als direkter Vergleich von Selbst- und Fremdbild erfüllt somit eine wichtige Funktion für die Entwicklung einer Führungspersönlichkeit und ist entscheidend für die Erweiterung von Führungs- und Motivationskompetenzen. Feedback kann Führungskräften helfen, die entscheidenden Schritte in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu vollziehen und von Mitarbeitern und Vorgesetzten zu erfahren, wie der eigene Führungsstil und die eigene Führungspersönlichkeit wahrgenommen werden.
Noch heute wird dies oft mit Hilfe des 1955 von den Sozialpsychologen Luft und Ingham entwickelten Johari-Fensters illustriert:

Verhältnis von Selbstbild und Fremdbild im Johari-Fenster
Der entscheidende Punkt des Diagramms ist der „blinde Fleck“. Diesen können Sie durch Feedback verkleinern. Videoanalysen oder Feedback durch einen Coach helfen Ihnen, Selbst- und Fremdwahrnehmung einander anzunähern – am Wichtigsten ist und bleibt jedoch Feedback von den Menschen, mit denen Sie im Arbeitsalltag zu tun haben. So können Sie kontinuierlich auf den idealen Zustand der Synchronisierung von Selbst- und Fremdbild sowie Selbst- und Wunschbild hinarbeiten – einer Grundvoraussetzung für Stabilität und langfristige Leistungsfähigkeit.
Suchen Sie das Gespräch mit Mitarbeitern und Kollegen, lernen Sie, Feedback als etwas Positives zu erfahren und in Ihre Persönlichkeitsentwicklung einzubinden!
5. Optimierung der Selbstwahrnehmung
Unsere Selbstwahrnehmung ist oftmals ein Idealbild, dem wir gerne entsprechen wollen und über dem wir verlernen, Mängel in diesem Ideal kritisch zu reflektieren. Oder aber wir konzentrieren uns nur auf unsere Schwächen, quälen uns mit übertriebener und einseitiger Selbstkritik und Vorwürfen. In beiden Fällen begrenzen wir die Entwicklungsmöglichkeiten unserer Persönlichkeit und engen unsere Handlungsspielräume drastisch ein.
Seien Sie daher, was Ihre Selbstwahrnehmung betrifft, realistisch und kritisch, aber auch positiv. Lernen Sie, Stärken zu stärken, Schwächen zu akzeptieren und adäquat mit diesen umzugehen – auch dabei helfen Feedback und Training!
Die Checkliste
• Bestimmen Sie Ihre Position: Wie sehen Sie sich?
• Wie sehen andere Sie – Ihrer Meinung nach?
• Was sagen andere, wenn Sie sie direkt nach ihrem Bild von Ihnen fragen?
• Feedback ist ein entscheidendes Führungsinstrument – lernen Sie, es zu nutzen!
• Trainieren Sie das Geben und Annehmen von Feedback!
• Bauen Sie ein positives, aber realistisches Selbstbild auf und überprüfen Sie es regelmäßig an der Realität und an der Wahrnehmung anderer!
• Konzentrieren Sie Ihre Energie auf Stärken!
• Akzeptieren Sie Schwächen, lernen Sie,
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