Den Stier bei den Hörnern packen: Konfliktmanagement und Mediation in Teams

Die Gruppendynamik in Arbeitsteams ist geprägt von einer von außen gesetzten Zielvorgabe. Führungskräfte werden Teams so zusammenstellen, dass das Erreichen dieses Ziels aufgrund der Kompetenzen der Teammitglieder gewährleistet erscheint. Für die Individuen, die dem Team angehören, bedeutet das mitunter die Zusammenarbeit mit vorher Unbekannten oder mit Menschen, die aus anderen Bereichen kommen und eine andere Sichtweise auf die Dinge haben. Beste Voraussetzung für die Entstehung von sachlichen, fachlichen und persönlichen Konflikten also, die die Arbeitsleistung erheblich beeinträchtigen. In dieser Situation sind Sie als Teamleiter gefragt. Was tun, wenn es zwischen Angehörigen Ihrer Arbeitsgruppe kracht?

1. Konflikte vermeiden

Ideal ist es natürlich, Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen. Eignen Sie sich deshalb Kenntnisse der unterschiedlichen Konfliktarten an. Einige Konflikte entstehen schlicht aufgrund von Missverständnissen, anderen Konflikttypen – etwa Kompetenzkonflikten über die Verteilung von Zuständigkeiten oder Zielkonflikten aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen können Sie durch klare Handlungsanweisungen wirkungsvoll vorbeugen. Lernen Sie, Ihre Vorgaben unmissverständlich zu kommunizieren, und sorgen Sie auch zwischen den Teammitgliedern für eine lebendige Kommunikationskultur!

2. Konflikte erkennen

Nicht jeder Zwist ist ein Konflikt im eigentlichen Sinne des Wortes. Richten sich beispielsweise unsachliche Angriffe immer gegen dieselbe Person, deutet das eher auf eine Mobbingsituation hin, die anders angegangen werden muss. Einen „echten“ Konflikt erkennen Sie an folgenden Merkmalen: Es sind zwei oder mehr Gegenspieler beteiligt, die sich oft  in wiederkehrenden Verhaltens- oder Argumentationsmustern „festgefahren“ haben. Kommunikationskultur und Arbeitsmoral verschlechtern sich, bei Problemen wird nicht nach Lösungen, sondern nach Schuldigen gesucht. Lernen Sie, Anzeichen rechtzeitig zu erkennen, eine Art persönliches „Frühwarnsystem“ zu entwickeln und gegenzusteuern!

3. Konfliktmanagement 1: Feedback und Mitarbeitergespräch

Basieren Konflikte aus Missverständnissen, so gilt es, diese auszuräumen. Neutrales und sachliches Feedback, das nicht persönlich angreift oder bloßstellt und vor allem zeitnah zur auslösenden Handlung oder Argumentation gegeben wird helfen, Konflikte in einem frühen Stadium zu deeskalieren. Findet ein klärendes Gespräch statt, so lautet das oberste Gebot, das Gegenüber zunächst in all seinen Gefühlen und Impulsen ernst zu nehmen und nicht zu verurteilen. Bewahren Sie stets die Ruhe – selbst wenn es zur Artikulation von Frustration und Aggression durch den anderen kommt.

4. Konfliktmanagement 2: Mediation – Konfliktmoderation als Lösungsansatz

Die Mediation eignet sich als Lösungsstrategie für weit fortgeschrittene Konflikte. Dabei fungieren Sie als neutraler Mittler zwischen den Parteien. Diese Neutralität ist die Grundvoraussetzung für das Gelingen der Mediation – nehmen Sie also unbedingt davon Abstand, wenn Sie sich selbst für befangen halten, und schalten Sie einen externen Mediator ein! Die Lösungsvorschläge, die den Parteien unterbreitet werden, müssen situationsbezogen sein und einen bestmöglichen Ausgleich der widerstreitenden Interessen anstreben. Halten Sie Einigungen auf Lösungsansätze schriftlich fest, vereinbaren Sie gegebenenfalls Etappen und verbindliche Termine für die Erfolgskontrolle!

5. Die Chance im Konflikt

Viele Menschen können Konflikten auf den ersten Blick nichts Positives abgewinnen oder haben sogar eine ausgeprägte Konfliktscheu. Die Folge: Vermeidungsverhalten und das Unterdrücken von Frustrationen, bis entweder gerade dies zur Eskalation führt oder eigene Interessen vollkommen untergehen. Wollen wir einen Konflikt ernsthaft lösen, kommen wir nicht umhin, uns auch mit eigenen Versäumnissen auseinanderzusetzen. Doch Konflikte sind natürlicher Bestandteil gruppendynamischer Prozesse, sie bedeuten kein Versagen, sondern verhindern – konstruktiv gelöst – Stagnation und Tunnelblick, sind oft Initialzündung für Veränderungen und bergen so ein enormes Potential für Innovation und Fortschritt. Sehen Sie unbedingt die Chance, die im Konflikt liegt, und vermitteln Sie diese Sichtweise auch den Parteien!

Konfliktbewältigung kompakt: Zehn goldene Regeln

  1. Betreiben Sie Konfliktprävention durch klare Strukturen!
  2. Sorgen Sie für eine ausgeprägte Kommunikationskultur!
  3. Erkennen Sie Konfliktsymptome in einem möglichst frühen Stadium!
  4. Unterscheiden Sie Konflikte von anderen gruppendynamischen Prozessen!
  5. Überwinden Sie Konfliktscheu – sprechen Sie den Konflikt an!
  6. Vermitteln Sie Vertrauen, nehmen Sie die Parteien ernst!
  7. Drücken Sie aus, was Sie bewegt, machen Sie klar, dass Sie an einer gemeinsamen Lösung interessiert sind!
  8. Treffen Sie verbindliche Absprachen und Vereinbarungen!
  9. Nehmen Sie die Chance wahr, die ein Konflikt bietet!
  10. Nehmen Sie sich Zeit für die Nachbereitung: Verarbeiten Sie Gespräche auch für sich, kontrollieren Sie Erfolge und Fortschritte!

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