Werte und Führung – Vom Zusammenhang zwischen Unternehmensethik und wirtschaftlichem Erfolg

Immer wieder geraten Unternehmen in die Schlagzeilen, weil sie Mitarbeiter bespitzelt und unter Generalverdacht gestellt, Entscheidungsträger geschmiert  oder Arbeitsschutzvorschriften missachtet haben. Das alles, verteidigen sich die Verantwortlichen, diene doch den wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens – und damit auch dem Wohl der Mitarbeiter. Eine Logik, der immer weniger Menschen folgen können und wollen: Sie fordern Konzerne mit menschlichem Gesicht – und selbst die Großen müssen sich fügen. Damit aus dem Verlust an Ansehen keiner an Marktanteilen wird, helfen oft nur noch eine öffentliche Entschuldigung, eine ebenso radikale wie glaubwürdige Kurskorrektur und umfassende Wiedergutmachung unter hohem finanziellem Aufwand. Geiz ist nicht mehr geil – Integrität ist in und Moral Mode.

Wirtschaftlichkeit um jeden Preis?

Faire Gehälter, respektvolles Miteinander und ökologische Nachhaltigkeit – all das galt lange Zeit als wettbewerbsfeindlich. Von Verantwortung und Ethik geprägten Entscheidungen haftete stets der Ruf der Unwirtschaftlichkeit an, Ziel jeden Managements hatte es zu sein, hohe Renditen für Aktionäre zu gewährleisten, schnell auf die Entwicklungen der Globalisierung zu reagieren und am Faktor Mensch zu sparen, wo immer es ging.

Die Wiederentdeckung der Ethik: CSR
Auch wegen der Finanzkrise, aber nicht erst seit deren Beginn, gerät dieses Denken massiv – und zu Recht – in die Kritik. Führungskräfte müssen heute, um Vertrauen zurück zu gewinnen und ihre schlingernden Unternehmen zu stabilisieren, unendlich viel mehr leisten als nur kurzfristige Profitmaximierung. Grundlagen der Ethik, die selbstverständliche Leitlinie menschlichen Handelns sein sollten, werden „wiederentdeckt“ und in Taschenbüchlein für Manager aufbereitet. Von der Berücksichtigung aller Interessengruppen, Nachhaltigkeit und Rücksichtnahme ist da die Rede. Zusammengefasst wird das alles gerne in einem kryptischen Akronym: CSR – Corporate Social Responsibility. Was damit gemeint ist, wie Sie als Führungskraft die damit verbundenen Werte umsetzen und so integrieren, dass sie nicht im Widerspruch zu Wirtschaftserfolg und Wettbewerb stehen, wollen wir Ihnen nachfolgend erläutern.

People, Planet, Profit: Ein Wettbewerbsvorteil
Unter CSR wird eine Form der Selbstregulierung verstanden, die in ein Geschäftsmodell integriert wird: Soziologische und ökologischen Belange sollen in die Entscheidungen des Unternehmens einfließen, die drei P’s – People, Planet, Profit – in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Es geht darum, konkret auf Ihren jeweiligen Tätigkeitsbereich abgestimmte Konzepte zu entwickeln, mit denen wirtschaftlichen UND sozialen bzw. ökologischen Interessen Rechnung getragen wird – ein schwieriger, aber notwendiger Balanceakt. Wie kann das gelingen?

1. CSR-Projekte
Eine wichtige Rolle spielen CSR-Projekte, die über die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Trägern positive Synergien entwickeln. Einige Unternehmen setzten sich deshalb für unterschiedlichste Hilfsprojekte ein, andere schaffen einen direkten Zusammenhang zwischen Produkt und Engagement – beispielsweise über Fair Trade-Zertifizierungen. So werden Gütesiegel und damit Vertrauen geschaffen. Wägen Sie daher sorgfältig ab, auf welchen Bereich Sie Sponsoringtätigkeiten richten und ob und wie ein Zusammenhang zu Ihrem Produkt oder Ihrer Dienstleistung hergestellt werden kann.

2. CSR und Human Ressources
Was Rekrutierung und Bindung von Kompetenz betrifft, ist CSR ein ganz klarer Wettbewerbsvorteil: Die Absolventen-generation, um deren beste Vertreter Firmen buhlen, hat ein viel stärkeres Bewusstsein für ökologische Nach-haltigkeit und soziale Verantwortung entwickelt, als das früher der Fall war. Für viele geht es nicht mehr allein um einen üppigen Gehaltsscheck. Unternehmensethik, Weiterentwicklungsmöglichkeiten und interessante Arbeitsfelder geben oft den Ausschlag für die begehrten Young Professionals.

3. „The culture of ‚doing the right thing’“

Was in Jahrzehnten aufgebaut wurde, kann in Stunden zerstört werden: Die Verbindung eines Namens mit Umwelt-zerstörung, Korruption oder miserablen Arbeitsbedingungen erzeugt schnell eine enorme negative Öffentlichkeit, Wirtschaftsschäden von unvorstellbarem Ausmaß sind die Folge. Wer konsequent nach außen vermittelt, dass ein Unternehmen bemüht ist, auch moralisch „das Richtige“ zu tun, macht solche Risiken kalkulierbarer und kann im Fall des Falles glaubwürdig vermitteln, dass Aufklärung und Transparenz groß geschrieben werden.

4. „Branding“, Warenzeichen
Einige Unternehmen haben konsequente Nachhaltigkeit, Fair Trade und andere ethische Werte nicht nur integriert, sondern zum Geschäftsmodell gemacht und so eine enorme Reputation für Integrität und Verantwortung aufgebaut. Auch wenn das in dieser Form nicht für alle Produkte möglich ist – Sie können sich immer darum bemühen, bestimmte Werte in die Vermarktung Ihres Produktes einzubeziehen. Damit grenzen Sie sich von Wettbewerbern ab und schaffen ein einzigartiges, wieder erkennbares Warenzeichen.

5. „Decision Making“ will gelernt sein
Als Führungskraft stehen Sie oft unter Zeitdruck – und gerade das Abwägen von widerstreitenden Interessen erfordert Zeit und Ruhe. Wie man einen kühlen Kopf bewahrt und auch in anstrengenden Zeiten Entscheidungen richtig trifft, kann und sollte jedoch von Entscheidungsträgern trainiert werden– dazu gehört theoretisches Grundlagenwissen über die kognitiven Grundlagen von Entscheidungsprozessen ebenso wie die Verbindung von Kreativität und Sachlichkeit.

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