Professionelles Plaudern – Small Talk im Berufsleben

Im Dialog: Ein zwangloses Gespräch kann Türen öffnen

Im Dialog: Ein zwangloses Gespräch kann Türen öffnen
(Foto: schwald-werbegestaltung.de/aboutpixel.de)

Von wegen oberflächlich: Small Talk ist gerade im Geschäftsleben von unschätzbarem Wert. Denn jede zwischenmenschliche Beziehung, privat oder beruflich, beginnt mit einem Gespräch – und es ist bekanntlich der erste Eindruck, der zählt. Doch die scheinbar so leichtfüßige und zwanglose Kontaktanknüpfung ist eine Kunst, deren Beherrschung oft langjährige Übung voraussetzt. Sind Sie bereits ein souveräner Small-Talker, oder haben Sie Nachholbedarf? Finden Sie es heraus – mit den folgenden Tipps für die Small Talk-Praxis.

1. Worüber Sie reden sollten – und worüber nicht
Es muss zwar nicht immer das Wetter sein, aber bestimmte Themenbereiche sind beim Small Talk einfach tabu. Denken Sie daran, dass es sich um eine erste und unverfängliche Kontaktaufnahme handeln soll, und fallen Sie nicht gleich mit der sprichwörtlichen Tür ins Haus. Unbedingt vermeiden sollten Sie Themen mit hohem Konfliktpotential, wie etwa Politik oder Religion, sowie negative Inhalte wie zum Beispiel Krankheit – schließlich geht es um die Schaffung eines angenehmen Gesprächsklimas. Als typische Einstiegsthemen und klassische Eisbrecher eignen sich Reisen, Sport, Kultur – und notfalls auch das Wetter.

2. Auf das Gegenüber eingehen

Bereiten Sie sich, falls es irgendwie möglich ist, auf den Gesprächspartner vor. Falls das nicht geht, Sie also etwa während einer Messe oder Tagung spontan vorgestellt werden, sollten Sie versuchen, etwas über ihn/sie herauszufinden. Halten Sie dabei Ausschau nach Themen, die Sie verbinden, wie etwa gemeinsame Projekte oder Sachgebiete. Seien Sie ein guter und aufmerksamer Zuhörer, signalisieren Sie durch gezielte Fragetechniken (offene Fragen, die mit wie, wer etc. beginnen – Suggestivfragen sind tabu!) Interesse am Gegenüber und vermitteln Sie so Wertschätzung und Respekt. Doch Achtung – auch hier gilt es, das richtige Maß zu halten, sonst erreichen Sie mit den besten Absichten schnell das Gegenteil. Seien Sie aufmerksam, ohne aufdringlich zu sein, setzten Sie Hintergrundwissen ein, ohne in dozierende und ermüdende Fachvorträge abzugleiten.

3. Eleganter Rückzug: So beenden Sie ein Gespräch
Wenn es um geschäftliche Kontakte geht, ist nicht nur der gelungene Gesprächseinstieg von Bedeutung – mitunter kommt es auch darauf an, den rechtzeitigen Absprung zu schaffen. Nehmen Sie an, Sie sind an einen Gesprächspartner geraten, der für Sie weder wichtig ist, noch Interessantes mitzuteilen hat und möchten sich zurückziehen, ohne zu verletzen. Eine leicht durchschaubare Ausrede wirkt verkrampft und alles andere als souverän. Besser: Bedanken Sie sich höflich für das Gespräch und weisen Sie darauf hin, dass Sie sich noch mit einem Kollegen unterhalten möchten. Was aber, wenn der Gesprächspartner in Ihrem künftigen Berufsleben von Bedeutung sein kann? In diesem Fall kann es durchaus Sinn machen, ihn/sie reden zu lassen – gute Zuhörer erwecken Sympathie beim Gegenüber und schaffen ein positives Gesprächsklima. Das optimale Ende der Unterhaltung sollte eine Perspektive für die Fortsetzung des Dialogs eröffnen. So können Sie sich etwa mit einem „Ich freue mich darauf, dieses Gespräch mit Ihnen später fortzusetzen“ verabschieden.

4. Körpersprache und Co.: Sagen Sie’s nonverbal
Während Sie ein Gespräch führen, kommunizieren Sie unweigerlich auch auf einer anderen Ebene – Mimik und Gestik sollten in diesem Zusammenhang nicht unterschätzt werden. Sie können die Absicht, die Sie mit dem Gespräch verfolgen, optimal unterstützen – oder restlos zunichte machen. Kontraproduktiv ist es in diesem Zusammenhang beispielsweise, dem Gesprächspartner physisch „auf die Pelle zu rücken“ – halten Sie sich an die von den meisten Menschen als angenehm empfundene Gesprächsdistanz von ein bis zwei Armlängen. Auf gar keinen Fall sollten Sie die Hände in die Hosentaschen stecken oder dauernd auf die Uhr sehen und so Desinteresse signalisieren – eine aufrechte, dem anderen zugewandte und offene Haltung zeugt von aufrichtigem Interesse, während häufiges Nicken oder „Ja“-sagen aufdringlich wirkt. Lernen Sie auch, die Gesten Ihres Gegenübers zu deuten, achten Sie dabei auf den Gesamteindruck: Der niedergeschlagene Blick Ihres Partners kann zwar auf mangelndes Interesse hindeuten. Vielleicht ist er/sie aber auch nur schüchtern oder gehemmt – hier sind nun wieder Ihre Fähigkeiten als Smalltalker gefragt, um die andere Person aus der Reserve zu locken.

5. Der richtige Zeitrahmen

Wie lange darf und sollte eine Small Talk-Situation dauern, um ihren Zweck zu erfüllen, ohne zu ermüden oder anzustrengen? Der Kommunikationspsychologe Frank Naumann, der seit Jahren zum Small Talk-Verhalten forscht, ist überzeugt: „Im Mittel reichen viereinhalb Minuten, um einen Menschen so weit kennen zu lernen, dass man entscheiden kann, ob sich eine Fortsetzung der Bekanntschaft lohnt oder nicht.“ Auch wenn Sie das nicht mit der Stoppuhr überprüfen sollten: All zu viel ist ungesund, und eine Small Talk-Konversation sollte nicht in eine zähfließende, gezwungene Gesprächssituation ausarten, die für die Beteiligten zur Peinlichkeit gerät.

6. Small Talk und Interkulturalität – andere Länder, andere Themen

Ein kurzer, aber wichtiger Hinweis für internationale Smalltalker: Die Auswahl der Themen kann je nach kultureller Zugehörigkeit des Gegenübers abweichen. Informieren Sie sich am Besten vorher über diesbezügliche landestypische Gewohnheiten – sowohl, um Fettnäpfchen zu vermeiden, als auch um auf Themen vorbereitet zu sein, die Ihnen vielleicht allzu persönlich erscheinen mögen, und Ihre Irritation darüber unter Kontrolle zu halten. So werden Skandinavier nicht gerne als erstes nach Ihrer beruflichen Tätigkeit gefragt, während ein US-Amerikaner möglicherweise auch während einer lockeren Plauderei ungeniert über sein Einkommen spricht und nach Ihrem fragt – in Deutschland ein absolutes Tabu.

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