Gewinnende Rhetorik: Know-how für den perfekten Auftritt

„Der Dichter wird geboren, der Redner wird gemacht.“ Diese Aussage stammt aus dem Jahre 60 v. Chr. Getroffen hat sie kein Geringerer als der Politiker, Philosoph und „größte Redner Roms“, Marcus Tullius Cicero. Auch heute gibt es sie: Eloquente Rhetorik-Genies, die es verstehen, Zuhörer zu fesseln, zu überzeugen und mitzureißen. Mit einem einzigen Satz gewann John F. Kennedy die Herzen der Westberliner, die Ansprachen von Barack Obama begeistern Menschen in aller Welt. Der Präsident sei ein „begnadeter Redner“, der „einfach alles richtig mache“: So und ähnlich lauten Reaktionen von Zuhörern. Was aber macht einen guten Redner, Moderator oder Referenten aus? Wie gehe ich mit dem Lampenfieber um? Welche Rolle spielen Körpersprache, Mimik, Ausdruck und Präsenz? Das Wichtigste wissen Sie bereits: Redner werden gemacht.

Auftreten und Wirkung: So überzeugen Sie als Redner
Wie wollen Sie wirken? Strahlen Sie aus, was Sie sagen wollen? Da Sie sich selbst nicht sehen und hören können, fällt es Ihnen vermutlich nicht leicht, diese Fragen zu beantworten. Nur das Feedback eines echten Zuhörers – idealerweise eines professionellen Sprachtrainers – kann Ihnen einen Eindruck davon vermitteln, wie Sie wirken. Fallstricke gibt es viele: Sie können Arroganz ausstrahlen, ohne es zu wollen, oder – die Todsünde jeder Rede – die Zuhörer langweilen. Unbewusste Veränderungen in Tonlage, Körpersprache oder Mimik beeinflussen die Reaktion des Gegenübers auf Ihr Auftreten. Dasselbe gilt für Formulierungen. Über Videoaufzeichnungen oder das Feedback von Übungsgruppen lassen sich diese unbewussten Signale jedoch nicht nur identifizieren und vermeiden: Sie lernen darüber hinaus auch, wie Sie sie bewusst und damit zu Ihrem Vorteil einsetzen. Redner werden gemacht – und Übung macht den Meister.

Dynamik von Stimme und Körpersprache gezielt einsetzen
Nicht nur Sänger müssen Modulation und Dynamik Ihrer Stimme trainieren – auch alle, die über das gesprochene Wort bestimmte Reaktionen hervorrufen möchten, sollten sich damit befassen. Denn die menschliche Stimme kann durch einfache technische Kniffe klangvoller und voluminöser wirken. Auch wie Sie etwas betonen spielt eine große Rolle: Welche Stimmung soll beim Publikum erzeugt werden? Begeisterung oder Betroffenheit? Wollen Sie Zuversicht und Hoffnung vermitteln – oder eine schlechte Nachricht? Ergänzend dazu gilt es, auch den Körper und seine Ausdrucksmöglichkeiten einzusetzen. Im Prinzip handelt es sich dabei um die Anforderungen, die auch an Bühnenschauspieler gestellt werden – und die werden dafür jahrelang ausgebildet. Machen Sie sich klar, dass die genannten Fähigkeiten nur sehr selten als Naturtalente vorkommen, und scheuen Sie sich nicht, sie mit Schauspieltrainern und Stimmbildnern zu entwickeln.

Inhaltliche Gestaltung einer Rede
Dabei handelt es sich vielleicht um den schwierigsten Aspekt, denn zunächst müssen Sie sowohl die Zuhörer – also die Adressaten des Textes – einschätzen als auch seine Zielsetzung klar benennen können. Erst dann können Sie beurteilen, wie Sie genau dieses Publikum von genau jener Idee überzeugen können. Auf dieser Basis wählen Sie Ihre stilistischen Elemente aus: Ist Humor angebracht oder völlig fehl am Platz, kann ich mit einer Anekdote, einem Zitat, einer Metapher, einem Beispiel ins Thema einsteigen? Wenn ja, wie komme ich von dort schnell zum Punkt? Welche Erzähltechniken kann und sollte ich mir zunutze machen? Die Kompetenz des „Storytelling“ ist hier entscheidend: Studien haben gezeigt, dass die Bildung von Mini-Erzählungen über Sachverhalte eine der wesentlichen kognitiven Grundlagen der Informationsverarbeitung beim Menschen darstellt. Es lohnt sich also zu lernen, wie gute Erzählungen und Metaphern konstruiert sind – Sie erreichen damit die Zuhörer besser und leichter.

Keine Angst vorm verlorenen Faden
Was tun, wenn Sie den Faden verloren haben? Wie umgehen mit Einwänden oder negativen Reaktionen der Zuhörer? Was, wenn Sie eine Frage nicht beantworten können? Es sind gerade diese potentiellen Situationen, die viele Menschen vor Vortrags- und Präsentationssituationen schaudern lassen. Ähnlich wie bei einer Prüfung müssen Sie sich mit der Furcht vor unerwarteten Ereignissen auseinandersetzen, denn Interaktion mit dem Gegenüber ist nicht planbar. In einer solchen Lage souverän zu bleiben, erfordert viel Übung, und selbst erfahrene Redner sind nicht davor gefeit, Fassung, Konzept und eben den besagten Faden zu verlieren, wenn sie sich plötzlich einer konfrontativen Situation ausgesetzt sehen. Mit Hilfe professioneller Modelle zur Deeskalation können Sie sich zumindest in gewissem Umfang dagegen wappnen.

Aus dem Stegreif
Nicht jeder mündliche Vortrag ist eine wohl vorbereitete und geschliffene Rede oder gar Präsentation mit visueller Unterstützung durch Powerpoint. Oft sind Ihre rednerischen Fähigkeiten auch ad hoc im Alltag gefragt, wenn man Sie bittet, zu etwas Stellung zu nehmen, oder das Für und Wider einer Angelegenheit zu erläutern. Auch für die freie Rede gibt es Profi-Techniken und Formeln. Eine unterhaltsame Art, freie Rede zu trainieren, sind verschiedene Gesellschaftsspiele, bei denen die Teilnehmer Kärtchen mit einem bestimmten Thema ziehen und dann fünf Minuten lang frei und ohne Hilfsmittel etwas zu diesem Thema sagen müssen. So können Sie sich eine wichtige Fähigkeit spielerisch und entspannt aneignen.

Podiumsdiskussion, Moderation, Debatte: Redesituationen und ihre Handhabung
Verbale Kommunikation ist menschliche Interaktion. Simulieren Sie unterschiedliche Gesprächssituationen und mögliche Reaktionen in Arbeitsgruppen. Es gibt für alles adäquate rhetorische Techniken: Streiten, ohne zu verletzen, widersprechen, ohne zu kränken, als Moderator ausgleichend eingreifen – jede dieser Situationen erfordert eine andere kommunikative Fähigkeit. Lernen Sie die ganze Bandbreite sprachlicher Interaktion kennen und nutzen!

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