Weiterbildung in der Krise: So gehen Sie’s an!

Kurzarbeit, Stellenabbau, Einstellungsstopp: Die Hiobsbotschaften vom Arbeitsmarkt häufen sich, und obwohl Wirtschaftsexperten die Talsohle der Krise erreicht sehen, steht das Schlimmste am Arbeitsmarkt noch bevor. Selbst für Hochschulabsolventen sieht es düster aus: Laut einer Studie ist die Arbeitssuche 2009 “deutlich schwerer geworden”, so Armin Trost, Leiter der Untersuchung und Partner bei einer an der Studie beteiligten Personal-beratung. Was also tun mit den Lehrlaufzeiten vor dem ersten oder während eines bestehenden Arbeitsver-hältnisses? Können diese genutzt werden, um neue Chancen zu eröffnen, und wenn ja, wie? Welche Weiterbildung ist die richtige für mich? Und wie finanziere ich das?

Für Einsteiger: Erfolgreich mit der Marke Ich

Die gute Nachricht: Auch wenn in Stellenanzeigen immer wieder von Berufserfahrung als Einstellungsvoraussetzung die Rede ist, sollten sich Kandidaten davon nicht abschrecken lassen. Das von Unternehmen gewünschte Bewerber-profil gibt es in dieser Vollständigkeit fast nie, so Trost: „Diese Kandidaten müssten sich die Firmen backen.“ Nicht immer mehr Fachwissen und Erfahrungen aus zig Projekten und Praktika ebnen den Weg zur Traumstelle, sondern das Wissen, wie man sich von anderen absetzen kann. In einer gezielten Karriereberatung erfahren Sie, wie Sie sich bei Vorstellungen zum Vertreter in eigener Sache machen und sich gegen die Konkurrenz behaupten. Hier lernen Sie Techniken wie Unique Selling Proposition (UPS): Was macht Sie einzigartig? Wie erschließen Sie Ihre verborgenen Ressourcen? Wie überzeugen Sie im Gespräch? Warum sind genau Sie der Richtige für die Stelle?

Für alte Hasen: Selbstmarketing, Schlüsselkompetenzen und mehr

Was tun bei Arbeitszeitverkürzung und drohendem Jobverlust? Viele Menschen suchen beinahe panisch nach Alternativen zum aktuellen Job, bewerben sich vorsorglich oder versuchen, ihre fachlichen Kompetenzen zu steigern. Dabei wird auch von den bereits am Arbeitsmarkt „Etablierten“ oft übersehen, dass ihre berufliche Kompetenz eigentlich nichts zu wünschen übrig lässt – es sind vielmehr persönliche Fähigkeiten und Zusatzqualifikationen, die neue Wege eröffnen und Aufstiegschancen sichern können. Hat Ihnen bisher die Zeit gefehlt, sich diese anzueignen, haben Sie jetzt die Gelegenheit dazu – und zwar mit großzügigen Fördermöglichkeiten auf Länder-, Bundes- und EU-Ebene. So können Sie Bildungsschecks und Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds in Anspruch nehmen, um beispielsweise Ihre rhetorischen Fähigkeiten zu verbessern, Schlüsselkompetenzen für Management und Führung zu erlernen oder unter Anleitung Persönlichkeitsmerkmale, emotionale und rationale Stärken zu erschließen.

Was Sie konkret tun können – und warum jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist

(1) Setzen Sie auf Qualität statt Quantität: Bewerben Sie sich um die eine richtige Stelle, nicht um hunderte falsche. Nutzen Sie Karriereentwicklungsangebote, um Ziele zu definieren und auch zu erreichen.

(2) Persönliche statt fachlicher Weiterentwicklung: Die Anhäufung von immer mehr Fachwissen bringt in einer strukturellen Krise wenig, da es dann ohnehin ein Überangebot an hoch qualifizierter Arbeitskraft gibt. Wichtiger ist es, sich von der Masse abzusetzen und sich Techniken für effektive und zielgerichtete Selbstvermarktung anzueignen.

(3) Langfristigkeit statt Schnellschuss: Richten Sie Ihr Augenmerk besonders auf Weiterbildungsmöglichkeiten, die langfristige Perspektiven erschließen. Erarbeiten Sie diese gemeinsam mit dem Arbeitgeber: Sollen neue Märkte erschlossen werden? Dann kann eine Verbesserung interkultureller Kompetenzen Sinn machen. Stehen Umstruk-turierungen ins Haus? Organisatorische Fähigkeiten und optimiertes Zeitmanagement machen Sie dafür unent-behrlich.

(4) Für Führungskräfte: Für viele Mitarbeiter bedeuten einbrechende Umsätze, Umbau von Firmen und unklare Signale eine permanente Belastung durch Existenzängste, die lähmen und die Leistungsfähigkeit jedes einzelnen behindern. Führen Sie professionelle Mitarbeitergespräche, bemühen Sie sich um klare Vorgaben und Transparenz. Vermitteln Sie, dass die schwierige Zeit nur gemeinsam bewältigt werden kann!

(5) Förderungsmöglichkeiten recherchieren und effektiv nutzen: Die EU-Minister erklärten in einem Kommuniqué Ende 2008, dass Fort- und Weiterbildung die tragende Säule im Konzept gegen die arbeitsmarktpolitischen Folge der Krise darstellen müsse. Dieser Anspruch wurde zum Teil bereits effektiv umgesetzt, beispielsweise mit dem Förder-programm Personalentwicklung des ESF, weitere Programme sind in Arbeit. Halten Sie sich auf dem Laufenden und nutzen Sie staatliche Förderungen, um sich weiterzubilden!

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