Volkskrankheit Stress: Tribut der Moderne oder vermeidbares Übel?
Acht von zehn Deutschen leiden unter Dauerstress. Das geht aus einer Studie der Techniker Krankenkasse hervor. Ein Drittel der Bevölkerung ist besonders am Arbeitsplatz ständig neuen Belastungen ausgesetzt. Die gesundheitlichen Folgen sind gravierend; sie reichen von massiven Herz-Kreislauf-Erkrankungen über das Burnout-Syndrom und chronische Erschöpfung bis hin zu depressiven Zuständen und schlagen im Gesundheitssystem mit jährlich über 27 Milliarden Euro zu Buche.
Erste Hilfe für Gestresste: Zeit- und Selbstmanagement
Den eigenen Zeitplan in den Griff zu bekommen, kann viel helfen – und das gilt beileibe nicht nur für gestresste Geschäftsführer, Bankmanager und Chefsekretärinnen, die oft zum Sklaven ihrer Blackberries werden, sondern auch für die Studentin mit Kind und Nebenjob oder den Trainee, der den perfekten Berufseinstieg hinlegen und alles perfekt machen möchte. Sie werden überrascht sein, wie viel Sie mit dem richtigen Zeitmanagement, der Identifikation und Ausschaltung von Zeitdieben im Alltag und effektiver Planung unter einen Hut bekommen – ohne dabei auf Freiräume für sich selbst verzichten zu müssen. Dabei gilt es, Prioritäten zu setzen, realistische Teilziele festzulegen und – was gerade von Menschen, die gerne selbst die Kontrolle über alles haben, gerne vergessen wird – effizient zu delegieren. Selbstüberforderung und Perfektionismus führen oft zum Verzetteln im Detail und zu dem Gefühl, sich im Hamsterrad zu drehen.
Zeitmanagement = Stressmanagement?
Doch ist ein effektives Zeitmanagement gleichbedeutend mit Stressmanagement? Nein, sagen Arbeits- und Sozial-psychologen: Denn die Gründe, aus denen Körper und Seele unter Dauerstrom stehen, sind vielfältig. Nicht nur hohe Arbeitsbelastung führt zur Überflutung des Organismus mit Stresshormonen, sondern auch Zukunfts- und Existenz-ängste, Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation oder Arbeitslosigkeit. Studien kommen zu einem über-raschenden Resultat: Es sind nicht etwa Manager, die am stärksten von stressbezogenen Erkrankungen betroffen sind – sondern Hausfrauen. Sorgen um die eigene Altersvorsorge und das Gefühl, eigene Bedürfnisse ständig dem „Wohl der Familie“ unterzuordnen, stürzen die Frauen in Depressionen und Erschöpfung. Dabei handelt es sich um eine Art von Stress, der nicht nur mit System, Disziplin und Selbstorganisation beizukommen ist, der aber durch eine Kombination aus Entspannungstechniken, Bewegung, Schaffung persönlicher Freiräume und vor allem durch eine nachhaltige Persönlichkeitsentwicklung mit dem Ziel der Stärkung von Selbstbild und Selbstbewusstsein begegnet werden kann.
E-Mail-Stress: Wenn die elektronischen Helfer zur Belastung werden
Weitere Untersuchungen zeigen, dass viele Menschen, die einer Bürotätigkeit nachgehen, vor allem unter der Nachrichtenflut leiden, die durch moderne Kommunikationsmittel entstehen. Das Arbeitspotential, dass durch die Bearbeitung einer Vielzahl elektronischer Nachrichten von anderen Aufgaben abgezogen wird, ist beträchtlich, dabei würden sich viele Mails erübrigen, wenn Frage- oder Beschwerdesteller sich zunächst die in so genannten FAQs bereitgestellten Informationen durchlesen würden. Auch die Dauererreichbarkeit, die mit mobilen Kommunikations-geräten einhergeht – elektronische Post kann heute ebenso ans Handy weitergeleitet werden wie eingehende Anrufe – wird von vielen als immens belastend empfunden. Über Skype, ICQ oder andere so genannte Instant Messenger wird in Echtzeit kommuniziert – und zwar schon längst nicht mehr nur privat. Hier empfiehlt es sich, Mail- und Messenger-Clientprogramme wie Outlook, Mail, Thunderbird oder Adium zu nutzen und eine übersichtliche Ordnerstruktur zu schaffen, die es Ihnen erlaubt, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen oder nach Datum zu sortieren.
Volkskrankheit Stress: So schaffen Sie Abhilfe
(1) Identifizieren Sie die genauen Ursachen für Ihre Situation. Ist Ihre Arbeitsbelastung dauerhaft zu hoch? Schieben Sie unangenehme Aufgaben zu lange vor sich her? Haben Sie Angst um Ihren Arbeitsplatz? Stress hat viele Gesichter – Sie müssen die Ursachen bekämpfen, nicht die Symptome!
(2) Bei Zeitstress: Nehmen Sie Weiterbildungsangebote für Zeitmanagement in Anspruch. Es lohnt sich, unter professioneller Anleitung zu lernen, wie man durch bloße Umorganisation und neue Systeme Zeit gewinnt. Das kann von Ordnungssystemen über tägliche Arbeitsplanung bis hin zum Durchbrechen eingeschliffener Verhaltensmuster reichen. Entdecken Sie ungenutzte Zeitressourcen und eliminieren Sie Zeitkiller!
(3) Nichts, was Ihren Neigungen oder Ihrem Naturell zuwiderläuft, wird auf Dauer gut gehen. Zeitmanagement-Trainer beziehen Ihre Arbeitssituation, Ihren persönlichen Rhythmus, Ihren Arbeitsstil und Ihre täglichen Anforderungen ein und entwickeln gemeinsam mit Ihnen einen maßgeschneiderten Zeitfahrplan.
(4) Leiden Sie unter Zukunftsängsten, erleben Sie Ihre Lebenssituation als unbefriedigend? Haben Sie das Gefühl, zu oft zurückzustecken, nicht zum Zug zu kommen, sich unterzuordnen? Dahinter können sich tief sitzende Störungen des Selbstwertgefühls verbergen. Hier können Persönlichkeitsentwicklungsmaßnahmen sinnvoll sein. Dabei lernen Sie unter Anleitung, Ihre ungenutzten Potentiale zu erschließen, Ihr Leben aktiv zu gestalten und Ihre Stärken nicht nur zu sehen, sondern auch einzusetzen.
(5) Auch der Umgang mit elektronischer Kommunikation und Information will gelernt sein –womit eine Kombination aus der richtigen Einstellung und der Nutzung technischer Hilfsmittel gemeint ist. Eine E-Mail muss zwar keineswegs innerhalb von 90 Sekunden beantwortet sein, aber Gelassenheit allein bringt Sie wahrscheinlich nicht weiter. Erlernen Sie den Umgang mit Clientprogrammen, aber auch mit optimierten Suchfunktionen, die Sie schneller zum gewünschten Resultat führen werden als zielloses Googeln. Sie werden überrascht sein, wie viel Zeit Sie gutmachen können!
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