Schlechtes Betriebsklima – Ursachen, Symptome, Lösungsansätze

Das Betriebsklima in deutschen Firmen verschlechtert sich zusehends. Das ist das Ergebnis einer Studie der Frankfurter Universität unter Leitung des renommierten Sozialpsychologen Ralf Haubl. Er zeichnet das Bild einer ritualisierten „Kultur des Klagens“, innerhalb der nicht mehr angemessen mit Problemen umgegangen werde. Als Ursachen benennt er die permanente Überforderung, die aus dem hohen Tempo von Unternehmensumbau und Umstrukturierung der Arbeitswelt resultiere, aber auch das Wegbrechen der Identifikation mit der eigenen Arbeit.

Burn-out, Innere Kündigung und Co.

„Die Firma ist eine kleine, heile Welt“ hieß es in einem Schlager aus den frühen Achtzigern, doch diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Studien gehen davon aus, dass bereits jeder fünfte Arbeitnehmer „Dienst nach Vorschrift“ macht und vom Arbeitsleben nichts mehr erwartet, also innerlich gekündigt hat. Krankschreibungen auf Grund von Belastungs-störungen mit psychosozialem Hintergrund – Burn-out. Erschöpfungssyndrome, Depressionen – häufen sich.

Ursachen & Symptome

Unternehmen werden umgebaut, ganze Bereiche ausgelagert. Personalabbau in der Konjunkturflaute erhöht die Belastung der verbleibenden Mitarbeiter, neue Normen sollen umgesetzt werden, und die Identifikation mit dem Unternehmen und dem Arbeitsleben als Ganzem bröckelt angesichts einer wachsenden Zahl von befristeten Anstellungsverhältnissen. Auch autoritärer und intransparenter Führungsstil, als sinnlos erlebte Routinen und Mobbing werden als Gründe für die Unzufriedenheit am Arbeitsplatz genannt. Die Folge: Gleichgültigkeit, Absitzen der Arbeitszeit, Desinteresse an Weiterbildung und – siehe Einleitung – Klagen und Jammern statt aktivem Handeln.

Sie sind gefragt! Das können Sie als Arbeitgeber tun

Die effektive Vorbeugung und Bekämpfung der beschriebenen Probleme berührt vier Bereiche: (Personal-)management, soziale Kompetenz, Kommunikation und Führung. Der unternehmerische Erfolg ihrer Firma hängt maßgeblich von Ihren Mitarbeitern ab – Grund genug, aktiv für ein gutes Betriebsklima zu arbeiten. So beugen Sie dem Frust am Arbeitsplatz effektiv vor:

(1) Personalmanagement:

Ein aktives Personalmanagement und ein gut strukturierter Bewerberauswahlprozess verhindert Fehleinstellungen. So stellen Sie von Anfang an sicher, dass Unternehmen, Anforderungsprofil und Mitarbeiter zusammenpassen – das verringert die Gefahr fachlicher oder persönlicher Überforderung.

(2) Zeitmanagement:

Vorausschauende Arbeitsplanung und Organisation, effektive Zeiteinteilung und das Setzen von Prioritäten verhindern auch in Zeiten der Arbeitszeitverkürzung und des Personalabbaus Dauerstress und Überlastung.

(3) Konfliktmanagement:

Wir-Gefühl, Identifikation mit dem Unternehmen, ein respektvolles Miteinander, das Gefühl, dass die eigenen Fähigkeiten genutzt werden: All das ist entscheidend für Mitarbeiterzufriedenheit und Betriebsklima. Stellen Sie sicher, dass alle Mitarbeiter mit Personalverantwortung das richtige Rüstzeug in Sachen Konfliktmanagement, Konfliktlösungskultur, Motivation, Krisenintervention und Gesprächspsychologie mitbekommen – durch regelmäßige Weiterbildung auf diesen Gebieten.

(4) Führung und Transparenz:

Wenn Sie es nicht schon getan haben: Verabschieden Sie sich vom autoritären Führungsstil. Beziehen Sie als Führungskraft Mitarbeiter frühzeitig in Umstrukturierungsprozesse ein, geben Sie Ihnen das Gefühl, dass sie ernst genommen und ihre Kompetenz geschätzt wird, fordern Sie sie, führen Sie Konfliktgespräche konstruktiv, nehmen Sie Beschwerden ernst. Sie werden sehen, dass es sich auszahlt, sich das Handwerkszeug einer modernen Führungskraft anzueignen.

(5) Kommunikation:

Ziele klar formulieren, eine respektvolle Gesprächskultur etablieren, kritische Situationen wie Mobbingfälle erkennen und eingreifen, informelle Kontakte pflegen und Mitarbeitergespräche führen: Kommunikation ist nicht nur in Verhandlungen und im Kundenkontakt das A und O, sondern auch für die interne Unternehmenskultur und Zufriedenheit am Arbeitsplatz.

Aktive Arbeit für die Verbesserung des Betriebsklimas

Maues Betriebsklima und innere Kündigung sind kein Muss. Eine starke, integrative und identitätsbegründende Unternehmenskultur ist keine Selbstverständlichkeit – doch durch kontinuierlichen Einsatz, Engagement, Lernwillen und persönliche Weiterentwicklung kann viel dafür getan werden, die „Kultur des Klagens“ zu durchbrechen bzw. gar nicht erst entstehen zu lassen.

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