Interkulturelle Kompetenz in der Praxis: Skandinavien
Letzte Woche veröffentlichten wir an dieser Stelle eine einführende Darstellung zum Thema interkulturelle Kompetenz. Dabei ging es vor allem darum, wie Mitarbeiter deutscher Unternehmen darauf vorbereitet werden, mit Geschäftspartnern aus anderen Kulturkreisen zu interagieren. Wie das konkret aussehen kann, möchten wir Ihnen diese Woche am Beispiel Skandinavien vorstellen.
Verstehen, wie der Partner tickt
Warum sagen Schweden niemals nein? Worüber wird mit dem schwedischen Geschäftspartner gesprochen, bevor man zur eigentlichen Angelegenheit kommt? Und wohin verschwinden eigentlich alle Schweden und Norweger im Juli und August? Mit solchen und ähnlichen Fragen sehen sich Mitarbeiter deutscher Unternehmen konfrontiert, die Geschäftsbeziehungen mit dem hohen Norden aufbauen.
Skandinavische Unternehmenskultur als exportierbares Geschäftsmodell
Bei Unternehmen, die enge Beziehungen zu skandinavischen Partnern und Kunden haben, werden typische Elemente skandinavischer Unternehmenskultur auch intern umgesetzt, um sich nach außen einheitlicher präsentieren zu können. Dazu gehören vor allem flache Hierarchien, direkte Kommunikation, Zusammenhalt und Teamplay statt interner Konkurrenz, Pragmatismus und ein starkes Vertrauen in Können und Kompetenz der Mitarbeiter. Ebenfalls groß geschrieben werden fachliche und persönliche Weiterentwicklung, Eigenverantwortung und Familienfreund-lichkeit.
Mittler zwischen unterschiedlichen Geschäftskulturen
„Letztlich sind wir ja auch dazu da, unsere Klienten durch eine fremde Kultur zu führen,“ weiß zum Beispiel Jürgen Busch, Rechtsanwalt und Leiter der Berliner Niederlassung einer großen schwedischen Wirtschaftskanzlei, die überwiegend nordeuropäische Kunden berät. Skandinavischer Pragmatismus stehe oft im krassen Gegensatz zu deutschem Formalismus, und auch auf der persönlichen Ebene gebe es große Unterschiede. Insbesondere der Widerspruch zwischen der sehr schwach ausgeprägten Streitkultur in Skandinavien und dem direkten, auch mal ruppigen Ton in der deutschen Baubranche könne zu Kommunikationsproblemen führen.
Typisch Skandinavien?
Die Schwierigkeit der Skandinavier, deutliche Worte zu finden, ist für deutsche Partner oft verwirrend, vieles muss zwischen den Zeilen gelesen werden. Ein „Nein“ wird man selten hören, dagegen ist es gut möglich, überhaupt keine Rückmeldung zu bekommen, wenn das Konzept oder Angebot nicht auf Gegenliebe stieß. Dagegen löst die erstaunliche Flexibilität der nördlichen Nachbarn bei gestressten Deutschen Bewunderung und mitunter Neid aus: Im Juli und August führt der Schwede wichtige Verhandlungen notfalls vom Segelboot oder Sommerhaus aus – ohne deshalb auf die ausgedehnte Sommerpause zu verzichten.
Gut vorbereiten – gut ankommen
Interkulturelle Kompetenz ist keine angeborene Fähigkeit. Die gründliche Vorbereitung auf das jeweilige Land ist ein absolutes Muss, wenn teure geschäftliche Bruchlandungen vermieden werden sollen – oft scheitern große Deals schon an kleinsten Kommunikationsproblemen. Etablierte Unternehmensberatungen helfen – deren Trainer vermitteln Erfahrungen aus eigener Anschauung und erster Hand, Teilnehmer lernen unter sachkundiger Instruktion in Rollen-spielen, das Gelernte nachhaltig und erfolgreich in die Praxis umzusetzen.
Ab in den Norden – was müssen Sie konkret beachten?
Wer plant, Geschäftsbeziehungen mit skandinavischen Ländern aufzunehmen oder bereits erste Schritte dazu unternommen hat, ist gut beraten, sich vorher umfassend mit Landeskunde, landestypischer Mentalität und den Besonderheiten im Umgang miteinander vertraut zu machen. In der Kommunikation mit (potentiellen) Kunden oder Partnern gilt es zum Beispiel, folgende Besonderheiten zu beachten:
- Rechnen Sie mit flachen Hierarchien – auch jemand mit Führungsverantwortung wird geduzt!
- Wundern Sie sich nicht über Smalltalk übers Wetter – es gilt als unhöflich, direkt mit der Tür ins Haus zu fallen!
- Die Konsensmentalität ist sehr ausgeprägt, in der Regel wird jedes noch so kleine Detail unter Einbeziehung aller Beteiligten bei Meetings geklärt, das Unternehmensverständnis ist sehr demokratisch.
- Privatleben, Familie und Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben einen hohen Stellenwert – setzen Sie nicht automatisch die Bereitschaft zu Überstunden oder Nachtarbeit voraus, diese gelten als Ausnahme und sollen begrenzt werden!
- Anders als in Deutschland wird die eigene Identität weniger durch den Beruf konstituiert, Beruf ist nicht gleich Status – die Frage „Was machst du?“ bezieht sich nicht unbedingt auf das Berufsleben, und umgekehrt werden diesbezügliche Nachfragen nicht besonders geschätzt.
- Konkurrenzdenken und Selbstdarstellung sind unerwünscht – Teamplay und Fairness werden groß geschrieben!
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