Raus aus der Krise – Kompetenzentwicklung als Chance
Krise als Chance?
In Zeiten wirtschaftlichen Abschwungs weisen Entscheidungsträger gerne darauf hin, dass im Chinesischen das Wort für „Krise“ gleichzeitig das Wort für „Chance“ ist. Meist dient dieser überstrapazierte sprachliche Sachverhalt dazu, auf mehr oder weniger unangenehme Ankündigen wie Arbeitszeitkürzungen und Einkommenseinbußen einzustimmen und zu signalisieren: Jammern hilft nicht, die Zeiten sind hart, machen wir das Beste daraus.
Politische Lösungsansätze von Abwrackprämie bis Zusatzqualifikation
Neu an der gegenwärtigen Wirtschaftskrise ist die Dimension einer weltumspannenden Rezession, die individuelle Existenzängste schürt. An Vorschlägen, wie sich die Krise bei den Hörnern packen und zur Chance für einen Neustart umdeuten lässt, fehlt es nicht: Zur Belebung der angeschlagenen Konjunktur schießen die Vorschläge von Konsum-gutscheinen bis Abwrackprämie für alle Altgeräte wild ins Kraut. Doch jenseits von Schwarzmalerei einerseits und wildem Zweckoptimismus andererseits finden sich auch praxistaugliche Ansätze, die Krise zur Chance zu machen. 2006 hatte die drastische Kürzung der Ausgaben für Fort- und Weiterbildung für bundesweite Proteste gesorgt, nun sollen dafür nach dem Willen der Bundesregierung wieder mehr Mittel zur Verfügung stehen. Qualifizierung statt Arbeitslosigkeit – mit dieser Losung sollen individuelle Perspektiven erschlossen werden. Unternehmen sollen ihrerseits die Möglichkeit erhalten, ihre Mitarbeiter fit für die Zukunft zu machen, anstatt sie nach Hause zu schicken.
Entwicklung von soft skills – eine Investition, die sich lohnt
Das populär gewordene Wort vom „Lebenslangen Lernen“ bezieht sich keineswegs nur auf fachliche Qualifikationen. Organisation, Kommunikations- und Führungskompetenz, interkulturelle Schulungen, Konfliktbewältigung am Arbeitsplatz – diese oft unter dem etwas diffusen Begriff soft skills zusammengefassten Fähigkeiten sind entscheidend für das reibungslose und effektive Funktionieren eines Unternehmen. Schließlich geht es um Menschen im Arbeitsfeld und deren Zusammenspiel im täglichen Arbeitsalltag. Da sind Qualitäten wie Diplomatie, Fingerspitzengefühl und Durchsetzungsvermögen gefragt, die erst auf Basis einer soliden Kenntnis eigener Stärken und Schwächen entwickelt werden können. Davon profitieren Arbeitsklima und Betriebsabläufe – beste Voraussetzungen für Wachstum und wirtschaftlichen Erfolg.
Umsatzsteigerung und Unternehmensethik: Kein Widerspruch
Soziale Verantwortung und Respekt sind ebenfalls entscheidende Größen für Ansehen und wirtschaftlichen Erfolg. Menschenunwürdige Behandlung und das Ausspionieren von Mitarbeitern brachten eine Reihe von Unternehmen in die Kritik: Lidl, Telekom und Deutsche Bahn mussten nacheinander einsehen, dass Gewinnoptimierung auf Kosten unternehmerischer Ethik und respektvollem Miteinander nicht zu haben ist. Die personellen Konsequenzen blieben nicht aus, Bahnchef Hartmut Mehdorn und Lidls Deutschland-Chef Frank Michael Mros mussten ihren Abschied einreichen, ohne in allen Fällen selbst an Eingriffen in Mitarbeiterrechte beteiligt gewesen zu sein oder diese genehmigt zu haben. Gerade Führungskräfte in verantwortlicher Position sind also gefordert, in Konflikten zu vermitteln, konstruktiv zu kritisieren und bei Kompetenzüberschreitungen rechtzeitig einzugreifen. Der Umgang mit solchen Situationen ist den meisten Menschen nicht angeboren, sondern muss – und kann! – erlernt werden.
Potential erkennen, Chancen nutzen
Auch ohne Krise als Auslöser sind Weiterbildung, Erschließung des eigenen Potentials und umfassende Persönlich-keitsentwicklung, wie sie unter Anleitung qualifizierter Trainer möglich sind, nicht nur sinnvoll, sondern überlebens-notwendig. So bleibt zu hoffen, dass Weiterbildungsdebatte und Qualifizierungsoffensive auch nach Wahlkampf und Weltwirtschafskrise ihren Platz auf der politischen, vor allem aber auch auf der persönlichen Agenda des Einzelnen behaupten können.
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