Ethik und Profit: (K)ein Widerspruch?
Das neue Modewort der deutschen Wirtschaft: CSR
„Ethik in Unternehmen? Ja bitte! Denn verantwortungsvolle Unternehmensführung bringt Profit!“ So lautet das neue Credo deutscher Unternehmen, die nach den USA, Großbritannien und Skandinavien, nun auch den Wert und vor allem den ökonomischen Nutzen moralischen Handelns erkannt haben.
Corporate Social Responsibility – kurz CSR – heißt der neue Ansatz unternehmerischer Sozialverantwortung. Aber was genau verbirgt sich hinter diesem häufig verwendeten Begriff?
CSR umschreibt den freiwilligen Beitrag der Wirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung, der über die gesetzlichen Forderungen hinausgeht. Er umfasst sowohl soziale als auch
ökologisch relevante Aspekte der Unternehmen in ihrer Tätigkeit und ihren Wechselbeziehungen zu den Stakeholdern.
Eng verwand mit CSR ist auch der Begriff der Ethik beziehungsweise der Unternehmensethik. Sie befasst sich mit den moralischen Wertvorstellungen, denen Unternehmen genügen sollten. Damit
einher geht sicherlich die Frage, wie unternehmerisches Gewinnstreben und moralische Ideale zueinanderstehen und miteinander vereinbar sind.
Unternehmensethik als Schönwetterthema?
Wann immer von Unternehmensethik die Rede ist, folgt beinahe reflexartig der Einwand „Das kostet“. Bringen CSR-Projekte schnellen Profit, sind sie erwünscht. Überwiegen jedoch zu Beginn die Investitionen und ist der Gewinn erst langfristig spürbar, erscheinen sie meist unattraktiv.
Viele Unternehmer argumentieren, dass ethisches Handeln aufgrund marktimmanenter Sachzwänge sehr schwierig oder gar unmöglich sei. Die durch die Globalisierung entstandene weltweite Konkurrenz sortiere diejenigen Unternehmen, die nicht die Gewinnmaximierung zu ihrem einzigen Ziel erklärt hätten, aus. Beispielsweise wurden bei den Standortschließungen des Mobilfunkherstellers Nokia als Erklärung die angeblich unausweichlichen Sachzwänge der Globalisierung herangezogen.
Aber nicht nur mit der Unwirtschaftlichkeit und der Sachzwanghypothese versuchen viele Unternehmer gegen ethisches Wirtschaften zu argumentieren. Viel zu häufig wird CSR als Schönwetterthema begriffen. In Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs engagieren sich Unternehmen sozial als auch ökologisch. Sobald jedoch die Worte „Finanzkrise“ oder „Rezession“ erklingen, streichen Unter-nehmen reihenweise Personalentwicklungsmaßnahmen, begreifen ökologische Nachhaltigkeit als schädigend für den Konjunkturaufschwung und entlassen Mitarbeiter.
Aber sind Moral und Markt tatsächlich im Widerstreit? Ist Unternehmensethik eine Schönwetterveranstaltung, ein Thema für Sonntagsreden, welches nur für die „guten Zeiten“ reserviert ist? Ist – wie Milton Friedman behauptet – the business of business just business?
Nachhaltiges Wirtschaften als Erfolgsrezept
Im Klartext würde das bedeuten: Für ein Unternehmen zählt vor allem der Profit.
Allerdings belegen zahlreiche Skandale der Vergangenheit, dass genau dieses kaltblütige Wirtschaftsdenken nicht zum Erfolg führt. Shell plante 1995 seine Ölplattform Brent Spar im Meer zu versenken. Daraufhin erlitt der Ölkonzern jedoch starke Imageeinbußen – verbunden mit deutlichen Einnahmeverlusten. Die Folge: Heute engagiert sich Shell in Sachen Umweltschutz besonders aktiv. Ethik und Profit scheinen also doch zu korrelieren.
Jeder langfristige Unternehmenserfolg beruht auf einer soliden Unternehmensethik. Diese These bestätigt auch Heinrich Anker in seinem Blog. Damit ist die Sachzwanghypothese widerlegt: Nicht
Unternehmen, die sich im Bereich CSR engagieren, werden von der Konkurrenz aussortiert. Das Gegenteil ist der Fall: Unternehmen, die grundlegende ethische Regeln verletzen, müssen mit einem negativen Feedback der Öffentlichkeit und somit mit Ertragseinbußen rechnen.
In Deutschland ist das Bewusstsein für Unternehmensethik mittlerweile gewachsen – CSR ist in vielen Unternehmen zum Modewort avanciert. Zwar ist die Umsetzung in die Praxis noch etwas dürftig, aber: wir sind auf dem richtigen Weg…
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